Zitat von AndiY:Ich fühle mich etwas wie in Erklärnot . Ich hab das Gefühl euch überzeugen zu wollen, dass ich alles Richtig machen und mich bemühe und das ...
@AndiY
Danke dir für deine Offenheit, das was du beschreibst, klingt nach einem enormen inneren Druck. Dieses Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, alles richtig machen zu wollen und gleichzeitig innerlich immer mehr Spannung aufzubauen, kenne viele Menschen in hochbelasteten Beziehungssituationen.
Ich finde einen Satz von dir besonders wichtig:
„…
und sehe sie als Verhinderer ohne Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß allerdings nicht, wie ich mich da selbst rauskriege.“
Das ist schon sehr viel Selbstwahrnehmung. Genau hier entsteht oft eine innere Polarisierung: Einer übernimmt (gefühlt) immer mehr Verantwortung, der andere wirkt zunehmend passiv oder blockierend. Je stärker diese innere Geschichte wird („Ich bemühe mich / sie verhindert“), desto schwerer wird echte Begegnung. Dann geht es innerlich nicht mehr um Kontakt, sondern um Recht haben, Entlastung oder Absicherung.
Zu dem Spannungsfeld, das du beschreibst: „Wenn ich frage, bin ich übergriffig. Wenn ich nicht frage, bin ich untätig.“ - das ist ein klassischer Nähe-Distanz-Konflikt. Es gibt hier oft kein perfektes Verhalten, sondern nur ein bewusstes, ehrliches.
Vielleicht hilft dir eine kleine Verschiebung:
Statt viele Versuche zu machen, ihre Wünsche zu erraten oder zu aktivieren, könntest du transparent bei dir bleiben, z.B.:
„Ich merke, dass ich unsicher bin zwischen Raum lassen und aktiv auf dich zugehen. Mir ist Verbindung wichtig, gleichzeitig will ich dich nicht drängen. Wenn du magst, sag mir gern, was du gerade brauchst -Nähe, Ruhe oder etwas anderes.“
Damit übernimmst du Verantwortung für dein Erleben, ohne sie zu ziehen oder zu drängen.
Dass sie aktuell wenig Orientierung gibt („mir egal“, unklar ob sie kommt), kann vieles bedeuten: Überforderung, Rückzug, innere Ambivalenz, Fokus auf das Studium, vielleicht auch Schutz. Das muss nicht automatisch Desinteresse sein, aber es fühlt sich für dich verständlicherweise verunsichernd an.
Vielleicht noch ein wichtiger Punkt:
Du musst nicht beweisen, dass du „alles richtig“ machst. Beziehung ist kein Leistungsprojekt. Je mehr du dich im inneren Rechtfertigungsmodus befindest, desto schwerer wird echte Nähe, auch für dich selbst.
Wenn du magst, könntest du dir selbst ein paar Fragen stellen:
*Was brauche ich gerade wirklich, unabhängig von ihrer Reaktion?
*Wo versuche ich gerade, Kontrolle über Unsicherheit herzustellen?
*Was wäre ein kleiner Schritt in Richtung Selbstfürsorge statt Dauerspannung?
Du wirkst sehr bemüht und verantwortungsvoll. Gleichzeitig darfst du dich auch selbst schützen und entlasten. Beides darf nebeneinander existieren.