Zitat von paulaner: Das, was du mir vorwirfst, tust du gerade selbst.
Wo liest du bei mir einen Missionierungsdrang?
Ich habe lediglich meine Sicht beschrieben.
Das ist ein Forum...schon vergessen?
Sollte ich Dich mit jemandem verwechselt haben und Du gehörst nicht zu jenem Schwarm, den jedes Affärenthema anzieht wie ihr höchstes Lebenslicht, dann tut es mir leid und ich entschuldige mich.
Zum Thema an sich: Meinetwegen kann jeder ein Wertesystem haben, wie er nur will, ob ein moderates, ein "spießiges" oder auch ein erzkonservatives oder auch gar keines. Er wird seine Gründe haben und er muss auch damit leben. Mich stört das absolut nicht. Grundbewusst sollte man sich vielleicht darüber sein, dass dieses inhalierte Wertesystem zwei Hintergründe hat: den psychokulturellen und den vorbildlichen in der Kindheit. Das könnte nämlich helfen, zumindest ansatzweise zu verstehen, weshalb die Dinge sind, wie sie sind, und dass es sich hier keineswegs um etwas Naturgegebenes handelt.
Mich stört es auch nicht, wenn jemand ganz sachliche Kritikpunkte zu irgendeinem Affärenthema anbringt.
Was mir allerdings doch etwas gegen den Strich geht, sind die Emotionen dahinter, die sich ja immer wieder ganz offen kundtun und bisweilen auch völlig ausarten. Über Themen, die einen emotionalisieren, sollte man sich halt nicht auslassen in einem Forum, wo es an sich um Hilfestellungen oder mitunter auch nur Trost geht.
Mich stört nicht, das jemand dieses oder jenes (auch wesentlich gefühlsbetonte) Weltbild samt Wertesystem hat, sondern dass er dieses Wertesystem absolut setzt und es anderen, die eben ein anderes oder kein Wertesystem haben, frech um die Ohren schlägt als wären sie geradezu Sünder vor jedem Kadi der Welt, wenn nicht des Universums (das ja doch immer nur sein eigenes ist).
Und das besonders Fragwürdige in diesem Zusammenhang ist für mich, wie man es überhaupt schafft, Sexualität mit irgendwelchen Werten zu verknüpfen. Das kommt mir geradezu kulturpathologisch vor (was es zumindest nach meinem Verständnis der Dinge auch ist).
Es wird dann ja stets von "lügen", "betrügen", "verheimlichen" usw. gesprochen, also immer zu pejorativen Begriffen gelangt, um den Übeltäter auch gleich auszumachen und verbal niederzudreschen. Das ist eine doch ziemlich billige Art der Auslassung über ein ausgesprochen komplexes Thema. Und vor allem frage ich mich: Warum dreht man den Spieß nicht einfach mal um? Es würde ja kaum jemand lügen und betrügen und verheimlichen, wäre er dazu nicht schwerwiegend genötig. Und weshalb ist er genötig? Weil ansonsten aufgrund der Reaktionen der Geschädigten auf eine solche - an sich meist ganz bedeutungslose - Episode der ganze Laden in die Luft fliegt. D. h., die eigentliche Ursache des Gepolters oder gar der Explosion liegt doch, recht besehen, in der absonderlichen Empfindlichkeit der sogenannten Betrogenen und des daraus resultierenden Kriegs- und Vernichtungszustandes. Und diese Empfindlichkeit ist eben etwas kulturell Angezüchtetes und nicht etwas, für das man aufgrund der natürlichen Gegebenheiten Verständnis aufbringen müsste. Und hier sollte man eben auch ansetzen - in der Therapie dieser ins Gigantische gewachsenen Empfindlichkeit. Nur weil etwas "normal" scheint, als "normal" gilt, heißt das noch lange nicht, dass es nicht vollkommen abwegig sein könnte.
Loyalität mit Sex bzw. sexueller "Treue" zu verbinden, beides in einem denken zu können, das scheint mir doch ein besonderes Kunststückchen undurchdachten Denkens.
Ich selber kann sagen, dass ich noch nie fremdgegangen bin, wie man sagt, und ich habe auch gar keine Neigung dazu. Ebenso vermute ich zumindest stark, dass - von einer Ausnahme abgesehen - noch keine Frau, mit der ich eine Beziehung hatte, während dieser Zeit etwas Sexuelles mit einem anderen Mann hatte. (Diese Ausnahme war übrigens meine langjährige Lebensgefährtin, und nach 15 gemeinsamen Jahren hatte ich nur umso mehr Verständnis dafür.)
Aber meinst Du, durch den Umstand, dass meine Partnerinnen nicht "fremdgegangen" sind, hätte ich Loyalität erlebt? Mitnichten! Weil Loyalität eben gerade damit gar nichts zu tun hat. Und würde ich einer Frau näher begegnen, die mit Loyalität diese sexuelle Treue meint und dies vielleicht auch noch großartig herausstreicht und beleuchtet in allen Farben, dann schickte ich sie ja gleich in die Binsen mit einem unherzlichen "Vergelt's Gott!".
Loyalität ist für mich das Zusammenstehen, das füreinander Einstehen, der Zusammenhalt, gerade in verzweifelten oder dunklen, trüben, hoffnungslosen Zeiten. Ist man Licht für einen anderen, dann sollte das auch und vor allem in der finstersten Nacht leuchten und nicht nur bei hellstem Sonnenschein.
Und diese Loyalität, die ich meine, habe ich - wiederum mit Ausnahme meiner langjährigen Partnerin - nicht erlebt.
Von Loyalität nur zu reden ist nicht anders als von Liebe nur zu reden. Es ist nichtig und schmerzt in den Ohren eher als dass es das Herzen erwärmt.
Wenn Du, wie Du schreibst, Deiner Partnerin gegenüber loyal geblieben bist, trotz einer Affäre (oder was es war), dann gebührt Dir dafür Respekt.
Aber wie hast Du das dann überlebt (bzw. wie hat Eure Beziehung das überlebt), wenn ich fragen darf, wenn es mit Deinem Weltbild nicht konform gegangen ist?
Solltest Du heute tatsächlich Geburtstag haben, dann wünsche ich Dir dazu alles Gute!