whynot60
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Zitat von Jetti:Aber selbst wenn ich meine Sicht der Dinge überdenken möchte, dem EP zugestehen, andere Erfahrungen zu machen, kann das zunächst mal nur ein Entschluss vom Kopf her sein.
Was emotional mit mir passiert, steht auf einem anderen Blatt.
Ja, natürlich, da ich stimme ich Dir voll und ganz zu. Aber dass emotional so vieles, so Gewaltiges passiert, das passiert eben wegen des psychokulturellen Hintergrunds.
Nicht überall auf der Welt (ja nicht einmal bei allen hier Beheimateten) führt außerpartnerschaftlicher Sex zu einem derart enormen Gefühlsaufruhr, dass es schier alles zerreißen will.
Die grundsätzliche Überlegung dazu ist auch eine ganz einfache: Wenn mir etwas zu 50% passieren wird, und das womöglich mehrmals im Leben, und ich weiß, dass ich das kaum oder gar nicht verkrafte - was mache ich dann? Gegen das drohende Übel im Außen oder im Inneren vorgehen? Oder es gleich vermeiden und eben keine Beziehung einzugehen?
Zitat von Jetti:Auch hier oft genug zu lesen, dass es eben vielfach nicht nur eine bedeutungslos Episode ist, nicht nur Sexualität. Gefühle sind im Spiel, eine ganz besondere Nähe zu AP, Liebe.
Wenn man einmal von bloßen Seitensprüngen absieht, dann spielen sicher häufiger auch nennenswerte Gefühle eine Rolle. Aber auch Gefühle treten doch oft nur episodenhaft auf (wie vermutlich jeder selbst schon vielfach an sich erlebt hat, bezieht man alle möglichen Arten von Gefühlen ein). Und somit blieben die meisten Affären auch Episode, wenn erst gar keine Lawinen aus allen Richtungen herabstürzen würden.
Und überall dort, wo es sich nicht einfach um eine Episode handelt, was in manchen Fällen natürlich vorkommt, sind eben die Gefühle für den ursprünglichen Partner verblasst und jene für einen anderen tief. Das scheint mir dann ja nichts Schlechtes zu sein. Denn was will den der/die "Betrogene" mit einem Partner, der mehr oder weniger ohne Gefühle ist für einen?
Ich jedenfalls bräuchte eine solche Zwangsbeunglückung nicht. Wer gehen will, weil die Gefühle, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr vorhanden sind oder nur in mehr in schwindsüchtiger Form, der soll auch gehen. Denn er steht einem nicht zuletzt ja selber im Weg und man hockt ganz umsonst abgeschottet herum.
Zitat von Jetti:Sicher viele AF sind selbst unglaublich zerrissen, spüren auch, was es mit dem Partner macht (machen würde). Aber sie sind meiner Meinung nach eben auch gefordert, etwas zu unternehmen, wenn anderen durch sie Schmerz zugefügt wird.
Klar, das würde auch bei einer Trennung vom EP der Fall sein, aber dann bestünde gleichzeitig die Möglichkeit der Verarbeitung.
Vielleicht ist Dir nicht ganz bewusst bzw. nachvollziehbar, was sich in einem Menschen alles abspielen kann. Obwohl auch das die meisten ja aus eigener Erfahrungen kennen. Man kann von Gefühlen dermaßen überschwemmt und überwältigt werden, dass man absolut nichts mehr in der Hand hat, jede Kontrolle verliert, dass einfach gar nichts mehr aufzuhalten ist. Zugleich aber steckt man in seinem alten Leben fest und kann, ist man verpartnert, eben auch nicht einfach sagen, also ich versuche das nun halt mal, um zu sehen, was dabei herauskommt (wie man das im unverpartnerten Fall eben macht). Und damit steckt man in einer unlösbaren Zwickmühle. Auf der einen Seite bedrängt von den Gefühlen, die noch dazu die paradiesischsten Bilder und Gedanken machen, auf der anderen Seite festgehalten im Schraubstock der bestehenden Beziehung und des gewohnten und oft auch abgesichert erscheinenden Lebens.
Na und was macht man dann? Man weicht ins Heimliche aus, ins Verborgene. Wohlfühlen wird sich kaum jemand damit, aber es bleibt, vor dem gewöhnlichen Hintergrund, halt auch nichts anderes übrig (eine logische, verständesmäßige, meinetwegen auch moralische Betrachtung von außen ist etwas ganz anderes als das innere und tatsächliche Erleben).
Und der besondere Clou an solchen Dreierverwicklungen ist ja: Was würde im Normalfall passieren, wenn die Affäre tatsächlich dauerhaft verheimlicht oder vom Angestammten einfach toleriert werden würde?
Der "Eindringling" beginnt seinerseits zu zerren und will den Affärenmenschen ganz für sich. Dieses Gezerre wird diesem aber zunehmend auf die Nerven gehen, die Gefühle werden abstürzen (bei beiden, weil ja auch der Zerrende immer unzufriedener wird) und die Dinge lösen sich ganz von selber auf.
Und das war es dann wieder.
Und wo es anders läuft oder liefe, dort muss es eben so sein, wie gesagt.
Und noch kurz etwas zur Verarbeitung, die ja auch bei einer Offenbarung und nachfolgender Trennung vom EP nötig wäre: Wären die eigenen Aufgaben bereits ereldigt, hätte man zumindest eine gewisse Realitätsakzeptanz entwickelt, wäre man imstande, den Dingen gelassen ins Auge zu sehen, so wäre da wie dort gar keine Verarbeitung nötig. Verarbeiten muss man ja nur, was man nicht aushält.