@Nepomuk
Also ich an Deiner Stelle würde mich wirklich nicht moralisch steinigen lassen.
Die einzige relevante Frage ist, wie Du selber mit dieser Situation zurecht kommst. Wenn Du es nicht mit Deinen eigenen Einstellungen und Wertvorstellungen vereinbaren kannst und immer das schlechte Gewissen an Dir nagt, dann wäre das nicht gut. Kannst Du hingegen das Leben nehmen, wie es ist, und alles, was ist, ohne Probleme in Deinem Leben unterbringen, dann gibt es auch kein Problem.
Das eine ist eben das Leben, in dem sich alles Mögliche ereignen kann, das andere sind die Vorstellungen, die man über das Leben hat. Und im Zweifelsfall sollte man dem Leben den Vorzug geben gegenüber den Vorstellungen.
Jene, die gerne mit Steinen werfen, sind immer solche, die selber in irgendeiner Weise von dem Thema betroffen sind und keine Möglichkeit haben, irgendwie positiv damit umzugehen. Entweder, sie sind selber "betrogen" worden, oder befürchten dies oder müssen eigene Tendenzen dazu mit einer entsprechenden Vehemenz abwehren. Das alles ist durchaus bekannt und sollte eigentlich gar nicht aufregen. Wer im Schlammteich sitzt, wird Dich nicht mit erfrischendem Quellwasser bespritzen.
Wenn Du sagst, lügen ist nicht nett: Zum einen ist die Frage, lügst Du oder verheimlichst Du. Zum anderen, das trifft in beiden Fällen zu, gibt es einen guten Grund für das Lügen oder Verheimlichen. Nämlich den, daß Dein Mann es vermutlich nicht aushalten würde, wenn er von Deiner Affäre wüßte, und womöglich alles in die Luft fliegen würde. Also bleibt auch keine Wahl. Wenn eine Beziehung an sich gut ist, wird man nicht "um der Wahrheit willen" (die ja viel tiefer ist, als sie scheint) riskieren, daß alles vor die Hunde geht wegen einer, im rechten Licht besehen, Lappalie, die Dein Alltags- und Familienleben ja so gut wie gar nicht berührt. Hier völlig grundlos etwas aufzutischen, wäre nicht Ehrlichkeit, sondern Dummheit.
Du irrst Dich auch nicht, wenn Du glaubst, man könne eine Affäre über Jahrzehnte geheim halten. Überhaupt, wenn es so läuft wie bei Euch, also nur seltene Treffen und kein Verlangen darüber hinaus, gibt es keinen Grund, warum so etwas nicht über lang Zeit laufen könnte.
Eine bei uns (in Österreich) ziemlich bekannte Frau, die jetzt über 70 ist, hatte über 40 Jahre lang eine Affäre. Die hat überhaupt nur ein paarmal im Jahr eine Woche Urlaub verbracht mit ihrem Affären-Partner. Und sie wirkt nach wie vor sehr glücklich und lebenslustig und durchaus nicht so, als wäre sie die letzten 40 Jahre durchs Fegefeuer gegangen.
Das Einzige, worum es eben geht, ist, wie es Dir mit der Situation geht, ob es Dir zusetzt oder Dich bereichert. Dieses "moralisch verwerflich" und "charakterlich verdorben" und "menschlich schwach" solltest Du am besten vergessen, denn damit gräbst Du Dir selber eine Grube. Und überdies: Warum sollte es denn verwerflich, verdorben, schwach sein, wenn man mit zwei Menschen verbunden ist (oder 3 oder 5) und diese auf eine eigene Weise liebt? Ich empfinde das geradezu gegenteilig. Diese ewige Selbstverleugnung und Selbstverlogenheit und Selbstvernichtung im Extremfall ist das Erbärmliche und Schwächliche.
Wir sind ja, hoffe ich, allesamt zumindest noch da und dort Menschen und keine blechernen Huftiere.
@kuddel7591
Ich finde es wirklich erstaunlich, daß gerade Du von Realität sprichst und davon, daß man sich der Realität stellen muß.
Wenn Du sagen würdest, Du findest es moralisch verwerflich, was immer man unter "Moral" und "verwerflich" auch verstehen mag, wäre es ja noch verständlich. Denn das wäre dann halt Deine Einstellung, die Du irgendwann einmal mitbekommen hast auf Deinem Weg. Und dagegen kann man ja schlecht etwas vorbringen.
Wenn Du allerdings Dein Dafürhalten für die Realität hältst, dann muß man sich schon fragen, was das für eine Realität sein soll. Gerade das, was Du so kettenrasselnd selber sagst, trifft ja genau auf Deine Argumentation zu: also sich die Dinge so lange krumm reden, bis sie in den eigenen Kram passen.
Du bringst z. B. immer wieder dieses Kinderargument. Und ich frage mich, ob Du schon je mit Menschen zu tun hattest, die schwerwiegende Probleme haben, und ergründet hast, woher das stammt.
Du meinst etwa, Scheidungs-/Trennungskinder hätten im späteren Leben oft Probleme, und das sei FAKT. Zum einen ist das durchaus nicht Fakt (ich hatte schon genug mit problembeladenen Menschen zu tun und die wenigsten davon waren Scheidungskinder), sondern dient lediglich - wie schon gesagt - dazu, den Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen (das nämlich ist tatsächlich Fakt); zum anderen: meinst Du, ein Paar lebt glückselig dahin, und dann, von einem Tag auf den anderen, trennt es sich oder läßt sich scheiden? Ich glaube, so viel Realitätssinn bringst nicht einmal Du auf, um das behaupten zu wollen. Also kann man wohl davon ausgehen, daß die geschädigten Scheidungskinder nicht durch die Scheidung geschädigt worden sind, sondern durch die Zeit davor, die ja nicht eben die rosigste gewesen sein wird.
Aber so weit darf man, will man diese ganze bösen Scheidungs- und Affären- und Lügenmenschlein an den Pranger nageln, natürlich nicht zurückblicken, denn dann könnte ja etwas dabei herauskommen, was man lieber nicht wahrhaben will. Sondern die (verheerende) Biografie der Scheidungskinder beginnt überhaupt erst mit der Scheidung. Und wären die Eltern bzw. ein Elternteil zumindest nicht so niederträchtig gewesen, sich zu trennen oder Affären zu haben usw., so hätte sich der Nachwuchs prächtig entwickelt.
Ich glaube, Du solltest Dich vielleicht einmal ganz vorurteilsfrei ein wenig damit auseinandersetzen, wodurch Kinder tatsächlich negativ geprägt werden können. Als kleiner Tipp dazu: einem kleinen Kind ist es vollkommen gleichgültig, ob Mama oder Papa auch noch mit irgendwelchen anderen Leuten "etwas haben". Die haben in dem Alter, das vor allem prägend ist, von all diesem kuriosen Wahnsinn noch nicht die geringste Ahnung. Und noch kein drei- oder fünfjähriges Kind wird sich je erschreckt gedacht haben: Himmel, am Ende hat die Mama etwas mit dem Briefträger!
Man kann ja für oder gegen alles Mögliche sein. Aber ich würde doch denken, daß man es möglichst vermeiden sollte, die Emotionen oder die emotionalisierten Vorurteile (oder vielmehr noch Falschurteile) jede Vernünftigkeit hinwegschwemmen zu lassen, denn sonst kommt man der Realität um keinen Zentimeter näher und fällt eher in die Kategorie Taliban.
Ich finde auch, daß die Situation, wie sie hier geschildert wird, nicht gar so kompliziert ist.
Es geht ja noch wesentlich komplizierter (man denke etwa an Schnitzlers "Reigen"). Wenn z. B. EP(a) und AP1(c) sich von EP4(b) dermaßen beeinträchtig fühlen (und auch der EP2(m) von AP1(c) schon unruhig wird), daß sie beschließen, EP4(b) aus dem Weg zu räumen, angestachelt noch von Ex-EP2(b), der EP4(b) seinerseits noch immer haßt, weil EP4(b) ihm vor Jahren EP(a) ausgespannt hat, nachdem EP4(a) davor schon monatelang der AP2(d) von EP(a) gewesen war, und Ex-EP2(b) von AP1(e) hinterrücks über AP2(d) informiert worden war, und sie, EP(a) und AP1(c), zu diesem Zweck ausgerechnet Ex-EP1(b) anheuern, der dummerweise aber ein guter Bekannter des AP5(f) von EP2(m) ist und es dem SSPP14 von EP1(m) steckt, der nichts Besseres zu tun hat, als es seinem EP3(h) weiterzuerzählen, der als AP1(h) einer Polizistin und als Ex-EP4(o) einer Maschinenpistolenfabrikantin alles auffliegen läßt.
Und man weiß in solchen Fällen gar nicht, ob das nun ein gutes oder ein böses Ende war.