whynot60
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Zitat von BernhardQXY:Die Sexualität dient ja nicht nur dem Vergnügen sondern auch der Vermehrung und da hat sich die Monogamie als das am besten passende System heraus gestellt.
Inwiefern hat sich die Monogamie als das am besten passende System herausgestellt?
In einem evolutionären, also natürlichen Sinn kann das jedenfalls nicht gemeint sein. Für Dekadenz hat die Natur so gar nichts über.
Aber natürlich mag es das beste System sein für die Ängstlichen, Selbstzweifelnden, Verzwickten, Verunsicherten, Schrägen, vom Zukurzkommen Dauerbedrohten, die es zugleich aber dennoch nicht schaffen, sich von diesem heißen Thema ganz einfach fernzuhalten, obwohl es ihnen immer wieder nicht gut bekommt.
Dann halt lieber bellen in alle Richtungen. Vorbeugend, nachbeugend, am besten rund um die Uhr.
Da fällt mir gerade ein wieder hinkender Vergleich sein: Angenommen, ich bin allergisch gegen Nüsse, Erdbeeren, Backpulver, Zimt, Schokolade, Rosinen, Mandeln, Mehl, Salz, Vanillezucker, Luftbläschen - und ich sehe auf dem Tisch einen Kuchen stehen, der mir lecker und verlockend vorkommt, aber von dem ich, angesichts meiner Allergien, nicht recht weiß, was ich davon halten soll.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, ich bezwinge mich und lasse die Finger davon. Oder ich riskiere es, ist das Verlangen groß genug, selbst auf die Gefahr hin, dass ich umkomme.
Und komme ich um - oder erleide ich zumindest schweren Schaden -: Wo sollte ich vernünftigerweise die Ursache für dieses Unglück suchen?
Offenbar meinen ja welche, ich wollte schlicht und einfach provozieren (was ja auch nichts anderes hieße als in etwa "hervorrufen", und das muss ja noch nichts Schlechtes sein), aber dem ist gar nicht so. Sondern ich kapiere das alles fundamental nicht.
Legt man die Welt, in der wir heute leben, zugrunde, und eine andere zugrundezulegen, wäre auch etwas aus der Welt gefallen, also eine Welt, in der sich im Vergleich zu früher vieles geändert hat, alleine schon die Lebenserwartung und die wirtschaftlichen Abhängigkeiten sind gar nicht zu vergleichen - geht man als von heute aus, so ist es doch so, dass man - hat man es mit einem halbwegs attraktiven, sexuellen interessierten, einigermaßen kontaktfreudigen Menschen zu tun - mit einer Wahrscheinlichkeit von wohl gut 50% damit rechnen muss, nach einer gewissen Zeit zumindest, "betrogen" zu werden. (Ob man das dann auch erfährt oder nicht, ist wieder eine andere Frage.)
(Wobei es natürlich zudem auf die Möglichkeiten ankommt, die jemand grundsätzlich hat für außertourliche Vergnügungen. Bei meinetwegen Versicherungsvertretenden wird es diesbezüglich besser aussehen als etwa bei Kranführenden.)
Und weiß man, wie empfindlich, wie niedergeschmettert und traumatisiert man darauf reagiert - warum lässt man es nicht einfach? Sondern ergeht sich lieber in Wehklagen und Entrüstungen?
Wenn Häuser zu mehr als 50% einstürzen würden, würden sich wohl auch nur die Unerschrockensten oder auch die zuversichtlichen Narren eines bauen.
Und ich frage mich auch, weshalb eigentlich noch nie jemand auf das eingegangen ist, was ich schon öfter mal erwähnt habe, nämlich: Warum werden dauernd die "Betrügenden" (also außertourlich Sex-Habenden bzw. dazu noch jene, mit denen sie ihn haben) an den Schandpranger gestellt und nicht jene, die eine solche durchaus fragwürdige Überempfindlichkeit aufweisen, dass es ihnen gleich allen Boden unter den Füßen wegzieht. Bzw. ich wünschte mir ja nicht einmal, irgend jemanden an den Pranger zu stellen - sondern diese Überempfindlichkeit, diese erdbebenartige Ego-Erschütterung sollten das werden. Aber die kommen ja nicht einmal verdachtsmäßig ins Gerede. Sondern das Schlimme ist immer und stets der "Betrug" und nie die Reaktion und ihre Hintergründe darauf. Das scheint mir eine Schlagseite zu haben, die mir durchaus völlig unbegreiflich ist.
