@ Nepomuk
Zitat:Diese Sprünge zwischen Distanz und Vertrautheit ... Den einen Tag ruft er an, wir reden, er spricht über seine Gefühle und Gedanken, wir tauschen uns aus und es ist für zwei Stunden wie früher. Nah, vertraut.
Kurze Zeit später dann die Aussage, dass es ihm nicht gut geht.
Als er in die Klinik gegangen ist, habe ich mich innerlich verabschiedet. Ich dachte, dass es dieses Mal endgültig sein könnte, auch wenn ich emotional weit von Akzeptanz entfernt war/bin.
Dann hat er sich aber wieder gemeldet, Kontakt gesucht....
Und ich hänge jetzt in der Uhr.
Was du in dem Post geschildert hast, ist eine vollkommen normale Situation - "Achterbahn-Fahrt"!
das kann niemand nachempfinden, der nicht selbst betroffen war - dieses AUF und AB an Empfinden, am Befinden, an Gefühlen und Emotionen. Nix ist/wird mehr so, wie "es mal war" -
darauf wirst du dich einzustellen haben.
Zitat:Und ich hänge jetzt in der Uhr.
Auch das ist normal. Doch - du bist nicht die Einzige.
Wie schon mal beschrieben - dein AM hat mehr zu bedenken, als vor seiner Erkrankung. Da wirst
du an Unterstützung anbieten können, was du möchtest. Dein AM setzt andere Prioritäten - es geht
darum, dass er schlichtweg an sein Leben zu denken hat, ggf. ans Überleben - so einfach ist das.
Da spielt es keine Rolle, ob und welche Prognose ihm mitgeteilt wurde.
Für Betroffene wie Angehörige (und da sehe ich vorrangig seine LG) - nicht dich - haben einen
Weg zu finden. Da wird dein AM alles andere zu bedenken haben. "Out of order"! Und da kann
dein AM mit Sicherheit NICHT so agieren, wie du es gern hättest.
Ich hatte 4 Krebsdiagnosen. Daher weiß ich, wovon ich rede. Wie wichtig ein vollkommen intaktes
Umfeld ist, um mit all dem klarzukommen, was auf einen zukommt....
Bei jeder noch so kleinen "unwichtig" erscheinenden Untersuchung ...vor allem vor einen neuerlichen Ergebnis - ist nicht ohne. Vor einer Chemo zu stehen, evtl. weitere Therapien in Aussicht zu haben - das gedanklich auf die Reihe zu bekommen, mit Nebenwirkungen umgehen zu müssen....und vor allem - jeden Gedanken an die Zukunft zu kappen.
Zitat:Nicht jeder reagiert so .
Ganz sicher ist das individuell zu sehen...nur das Spektrum an Reaktionen ist sehr breit.
Dass du dir Gedanken machst...
dass du deine Gedanken formulierst....
dass du deine Vorstellungen,
dass du deine Befürchtungen hast....
dass du dir (wieder) Hoffnungen machst (obwohl du selbst geäußert hast, die Verbindung zu deinem AM zu beenden)....
dass du nicht weißt, woran du bist....
Es ist gut, wenn du dir alles von der Seele schreibst. vielleicht. wird dein Blick klarer, was die gesamte Situation um dich allein und im Umgang mit deinem AM angeht. vielleicht. klärt sich wirklich, was du auf lange Sicht vorhast - ob du dem Willen des AM nachkommst, dass er die Verbindung beenden will (war ja schon vor der Krebserkrankung mehrfach der Fall) oder ob seinem Vorhaben nicht nachgibst. Reinen Tisch machen.....so oder so?
Was denkst du? "Ich will aber!" oder: "Ich liebe ihn, gerade jetzt, und lass ihn jetzt los, damit er sein Leben neu gestalten kann!"