Liebe Ava,
zuerst mal eine dicke Umarmung für dich
Und ein großes DANKE für deine Zeilen, die mich wieder etwas aufatmen lassen. Obwohl ich ja schon viel verstanden und akzeptiert habe, ist es gerade nach meinem heutigen Down sehr aufbauend, vor Augen gehalten zu bekommen, was ich schon geschafft habe.
Ich habe in den letzten Tagen und Wochen wirklich schon eine Veränderung gespürt...mein Ex ist ein wenig aus meinem Fokus gerückt, was mich darauf hoffen lässt, dass er irgendwann mal wirklich keine Rolle mehr in meinem Leben spielt. Ich weiß ja, dass es normal ist, wenn die Gedanken manchmal trotzdem noch zurück wandern und das Herz seine Zeit braucht um sich zu lösen. Aber an manchen Tagen (wie eben heute) ist es so schwer, das auch zu sehen. Dann fühlt es sich für kurze Zeit wieder so an, als würde es nie vorbei gehen. Aber du hast natürlich recht, man darf die Fortschritte trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Und ich freue mich sehr zu lesen, dass du aus meiner Entwicklung auch für dich Hoffnung und Zuversicht schöpfen kannst. Ich hab grad überlegt, wie es mir nach 6 Wochen ging...ich glaube, da konnte ich noch gar nicht richtig realisieren, dass es wirklich vorbei ist. Keine schöne Zeit. An dieser Stelle kann ich dir aber echt versprechen, dass es besser wird. Ich konnte mich z.B. am Anfang gar nicht auf meine Arbeit konzentrieren, hab immer dieses Traurigkeitsgefühl mit mir rum geschleppt, unterschwellig...wenn du weißt was ich meine. Das ist jetzt zumindest bei der Arbeit komplett weg. Vor einiger Zeit noch unvorstellbar.
Lieb von dir, dass du mich daran erinnerst, dass ich stolz auf mich sein darf
Ich bin es manchmal wirklich, wenn ich auf die letzten Monate zurück blicke und mir ansehe, was ich geschafft habe. Ab und zu fällt es mir aber auch schwer, da ich leider dazu neige, meine eigenen Erfolgserlebnisse abzuwerten (auch eine Baustelle von mir, an der ich arbeite), im Sinne von: "Das hätte ja jeder andere auch geschafft." Aber schlussendlich ist es ja egal, was
andere geschafft oder nicht geschafft hätten. Es geht ja um
mich und wie ich mit der Situation umgehe. Das darf jetzt ruhig mal in meinem Hirn ankommen
Dass Weinen eine reinigende Wirkung hat, hab ich auch schon gehört bzw. gelesen. Stimmt auch ganz sicher. Körper, Seele und Geist sind untrennbar miteinander verbunden und das ist absolut nichts esoterisches. Das Gefühl der Traurigkeit staut sich ja irgendwie im Inneren an und wenn man es zulässt und mit den Tränen rausspült, fühlt man sich in der Tat befreiter. Geht mir genau so.
Zitat von Ava:Jetzt muss ich noch was fragen, weil da häng ich in den letzten Tagen total fest: mir macht der Gedanke total zu schaffen, dass er mit einer anderen vielleicht jetzt all seine Probleme in den Griff bekommt und es doch nur an mir lag und er jetzt "endlich" glücklich werden kann. Und sich einfach in mir und seiner Liebe zu mir quasi getäuscht hat. Hattest du diese Gedanken auch? Und wenn ja, kann man was dagegen tun?
Fühl dich gedrückt, tapfere Memi

Da musste ich jetzt echt ein bisschen schmunzeln - nicht weil ich die Frage nicht ernst nehme, sondern viel mehr deshalb, weil mich in letzter Zeit haargenau das selbe beschäftigt hat. Bei mir ist es ja so, dass er bereits eine neue hat und - wie ich durch Zufall weiß - sogar schon mit ihr zusammen wohnt. Das war für mich natürlich nochmal ein gewaltiger Stich ins Herz und hat mich eben genau zu dieser Frage veranlasst.
Wenn ich darüber wirklich realistisch und unverblendet nachdenke, kann die Antwort nur lauten:
Wenn ein Mensch (so wie dein und mein Ex) solche Probleme mit sich selber hat, kann keine andere Person diese für ihn lösen. Sie werden auch nicht wie von Zauberhand weg gewischt und verschwinden auch nicht, nur weil man sich einer neuen "Liebe" zuwendet und sich vielleicht kurzzeitig besser fühlt. Das ist ja komplett unlogisch, dass er (also jetzt mein Ex) sich jetzt plötzlich ändert und beginnt an sich selbst zu arbeiten. Das zeigt sich ja schon allein dadurch, dass er die Zeit nicht für sich nutzt um sich mit sich selbst auseinander zu setzen sondern ganz im Gegenteil, sich gleich in eine neue Beziehung flüchtet. Dadurch wird er ja kein anderer Mensch. Seine Probleme nimmt er mit und wird so lange mit ihnen zu kämpfen haben, bis er irgendwann den Mut hat, hinzusehen.
Dein Ex scheint ja auch von der Sorte zu sein, unangenehmes lieber zu verdrängen. Das führt zu nichts, die Probleme werden stattdessen größer. Und das wird er auch in jede neue Beziehung hinein tragen. Er hat dieses Paket immer dabei. Und ob er es endlich loswerden will oder nicht, ob er bereit ist an sich zu arbeiten oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob er eine neue Beziehung hat.
Ich lese da bei dir ein wenig die Sorge heraus, dass er einer Person begegnen könnte, die es schafft, das beste in ihm zum Vorschein zu bringen, eine Person, für die
er an sich selbst arbeiten
will.
Und dann wäre er plötzlich der Mann, den du dir immer gewünscht hast - also der, den du liebst, abzüglich seiner Selbstwertprobleme und inneren Konflikte. Ich glaube, diese Sorge ist völlig unbegründet. Wie schon gesagt, er wird immer er selbst bleiben mit all seinen Dämonen. Die sind so hartnäckig, die lassen sich nicht binnen weniger Monate oder Jahre vertreiben. Und schon gar nicht durch die Liebe einer anderen Person. Du hast es ja selbst gesehen - deine Liebe zu ihm hat auch nicht "ausgereicht". Wir können niemanden anderen retten. Wir können uns nur selbst retten und Beziehungen die für uns nicht (mehr) gut waren, hinter uns lassen.
Im Übrigen fällt mir dazu die Geschichte von meinem ExEx ein. Da habe ich nämlich auch befürchtet, dass er nun mit seiner neuen Freundin zum Traummann mutiert. Völliger Quatsch natürlich, wie sich heraus gestellt hat. Wenn es dich interessiert, kann ich dir die Geschichte aufschreiben.
Also liebe Ava, sei ganz fest gedrückt!
Auch du bist sehr tapfer, das liest man aus jedem deiner Beiträge heraus
Deine Memi