Liebe Ava,
ja diese grauen tristen Tage tragen wohl auch dazu bei, dass die Stimmung im Keller ist. Ich wohne ja ganz im Westen von Österreich und hier hängt um diese Zeit ständig der Nebel zwischen den Bergen. Nicht gerade stimmungserhellend.
Zitat:Das komische ist...irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich von seiner Seite her gar nichts mehr zum "Warum" wissen will. Jemand, der das nicht weiß, wenn er sich trennt und den anderen mit diesen ganzen Fragezeichen zurücklässt, der wird ewig brauchen, um das alles zu analysieren. Und ich habe keine Lust, darauf zu warten, dass er mal "fertig gedacht" hat. Da bin ich schon wesentlich weiter selbst gekommen.
Man wird es irgendwie leid, oder? Ich habe Monate damit verbracht, jedes Wort das aus seinem Mund kam immer und immer wieder auseinander zu nehmen, zu analysieren und was hat es mir gebracht? Nur noch mehr Verwirrung. Seine Gründe für die Trennung die er mir damals genannt hat, passen jedenfalls nicht mit der Situation zusammen, so ganz und gar nicht. Ich werde aus ihm nicht schlau. Aber wie du auch sagst, ich hab mir da mittlerweile meine eigene Variante zurecht gedacht und bin damit auch wesentlich weiter gekommen. Er kennt sich ja selbst nicht aus, kommt auf keinen grünen Zweig. Nach unserem letzten Gespräch hat er ja noch gemeint, er würde mir einen Brief schreiben, da er mir noch einiges sagen möchte. Bis heute kam nichts. Und ich warte auch nicht mehr darauf. Das soll er mal schön mit sich selber ausmachen, ich stehe da nicht mehr zur Verfügung.
Ich denke, auch in deinem Fall muss er sich erst mal mit sich selbst auseinander setzten bevor überhaupt irgendwas brauchbares von ihm kommt. Ob dein Ex dazu bereit ist oder auch lieber alles verdrängt, kann ich nicht beurteilen, du kennst ihn da besser. Aber eigentlich fahren wir wesentlich besser damit, uns eben nicht mehr damit zu beschäftigen. Das hat bei mir so nach 3 Monaten nachgelassen, dieses ständige Grübeln über seine Gefühlslage und Gedankenwelt. Fakt ist, es ist
seine. Wir sind getrennt. Warum sollte ich noch Energie da rein stecken? Ich hab mit mir selber genug zu tun. Und im Endeffekt geht es darum, dass es mir besser geht. Ich versuche, an diesem Gedanken fest zu halten, was manchmal schon ganz gut klappt uns sehr gut fürs Selbstwertgefühl ist.
Zitat:Woher kann man wissen, dass man es endgültig begriffen hat und nicht mehr in der Verleugnungsphase festhängt?
Schwierige Frage. ich selbst bin lange dieser Hoffnung hinterher gerannt. Ich habe das daran gemerkt, dass ich immer wieder in seinen Aussagen "gesucht" habe...nach irgendetwas, nach einem Anhaltspunkt dafür, dass er es eigentlich nicht beenden will, dass er es bereits bereut...ist schwer zu erklären. Das tue ich jetzt nicht mehr. Wenn diese Hoffnung (Verleugnung) sich langsam zurück zieht, knallt man erst mal auf dem Boden der Realität auf. Und zwar heftig. Es gibt kein Auffangnetz mehr. Und man verletzt sich bei dem Aufprall. Und alles tut weh. Dennoch ist das so wichtig, es zu verstehen und das auch ankommen zu lassen. Nur so kann man schlussendlich weiter gehen.
Du weißt oder ahnst es eh selbst, dass man da durch muss. Ich wäre nach 6 Wochen nie soweit gewesen. Insofern, lass dir ruhig noch etwas Zeit. Wenn du noch nicht soweit bist, die Endgültigkeit zuzulassen, dann ist das völlig ok.
Zitat:Aber du hast diesen ganzen langen Weg bis hierhin geschafft...du mobilisierst jetzt nochmal alle Kräfte und dann durch da!
Und wenn es nicht mehr geht, dann schreibst du hier einfach, wie du es ja eh schon machst. Dann begleiten wir dich!

Das werde ich machen, also meine Kräfte mobilisieren. Ich bin so froh darüber, dass ich hier schreiben kann und auf so lieben Zuspruch stoße! Und es ist schön zu wissen, dass man nicht allein ist.
Zitat:In diesem Buch "Wenn der Partner geht" stand eine "Übung" drin, die man, wenn man den Mut aufbringt, machen kann, um dem endgültigen Abschließen ein gutes Stück näher zu kommen.
Lustig, dass du das hier erwähnst. Ich habe das Buch auch gekauft, gleich nach der Trennung. Und dieses Trauerritual ist mir hängen geblieben, in der Tat beschäftige ich mich seit Wochen mit dem Gedanken, das auszuprobieren. Ich konnte es bisher nicht machen, weil ich ja keine eigene Wohnung hatte und dabei ungestört sein will. Auch sind all meine Erinnerungsstücke von ihm ja gar nicht hier sondern sind noch in Kisten eingelagert bei meinem Dad im Keller. Also habe ich mir vorgenommen, dieses Ritual zu machen, sobald ich in meiner neuen Wohnung bin. Ich hab auch ganz schön Angst davor. Aber es soll wirklich helfen. Und ich spüre, dass ich soweit bin. Ich will es auf jeden Fall probieren. Und wenn ich das gemacht habe, berichte ich gern darüber.
Zitat:Danke für deinen Zuspruch. Dieses Hin und Her ist furchtbar. Es fühlt sich so hinterhältig an. Im Moment habe ich die größten Probleme damit, wenn ich mir vorstelle, dass er alle schönen Sachen mit einer anderen vielleicht macht und ich hier alleine rumheule.
Mein vollstes Verständnis dafür

Aber Ava, vergiss nicht, dass du es bist, die dein Leben in der Hand hat. Nicht er. Du kannst dir detailliert vorstellen, was er für schöne Sachen mit einer anderen macht - oder es auch einfach lassen. Ich weiß, leichter gesagt als getan, aber schlussendlich wirst ja vielleicht du bald diejenige sein, die neue schöne Sachen mit einem anderen macht
Weil du wirklich an dir gearbeitet hast und weißt was du willst, bzw. nicht mehr willst in einer Beziehung. Es ist so wichtig, das zu wissen. Je mehr Klarheit du für dich selbst erlangst, desto klarere aufgeräumtere Menschen ziehst du an. Logisch, oder?
Ich schick dir eine Umarmung
Deine Memi