Liebe Memi,
lass dich drücken! Dass es dir nicht so gut geht im Moment tut mir Leid. Aber es wird wieder besser werden, versprochen. Dass diese Enttäuschung, Wut und Trauer nocheinmal kommt, hast du ja bereits geahnt. Das macht es in diesem Moment nicht weniger schlimm aber zumindest weißt du, dass du deine Phasen und deine derzeitige Stimmung gut einschätzen kannst und dass alles nicht mehr ganz unerwartet über dich hereinbricht.
Diese Trauer und Verzweiflung, die du da gerade spürst, die musste kommen. Denn wie du selbst ja schon erkannt hast, hast du sie davor noch nicht genug gespürt. Du musstest einfach in den letzten Monaten aus verschiedenen Gründen funktionieren. Sei es wegen der Arbeit, dem Umzug etc. Zudem konntest du dich nie richtig zu Hause fühlen und dich nie richtig gehen lassen, als du noch bei deiner Schwester gewohnt hast. Gepaart mit dem Alleinsein in der Wohnung fühlt sich das im Moment natürlich besonders schlimm an.
Du weißt selbst, dass du da jetzt durch musst. Aber du weißt auch, dass du das schaffst! Und wenn du es gerade nicht weißt, dann versichere ich es dir!
Diese Phase ist jetzt sehr wichtig für dich, weil sie dir erlaubt, Trauer und Wut und Verzweiflung und Einsamkeit zu empfinden. Es hört sich für mich ein bisschen so an, als würdest du gerade alle Trennungsphasen nochmal im Schnelldurchlauf und vermischt durchmachen. Wahrscheinlich, weil du das alles in den letzten Monaten eben noch nicht genug "ausgekotzt" hast.
Liebe Memi, ich glaube, dass es dir diesmal nicht mehr so lange schlecht gehen wird. Ich glaube, dass du das jetzt brauchst, um loszulassen. Ich glaube, auch wenn du dich jetzt elend fühlst, dass es gut ist, dass das jetzt passiert. Soviel ganz allgemein zu deiner Lage gerade.
Zitat:Es ist so still. Manchmal höre ich ein Geräusch aus dem Nebenzimmer und für eine Sekunde denke ich, dass er da ist. Das Gefühl, dann zu realisieren, dass ich jetzt alleine hier bin, versetzt mir immer einen Stich ins Herz.
Das verstehe ich. Es tut weh, das zu lesen, weil ich es so gut nachvollziehen kann. Vielleicht ist wirklich das einzige, was du in dem Moment tun kannst, dem Schmerz nachzugeben, dich in eine Decke einzuwickeln und zu heulen, was das Zeug hält. Dich selbst zu bemitleiden und diesen Schmerz echt zu spüren, denn nur dann kann er irgendwann weniger werden. Ich denke, du bist weit genug und stark genug, da dann auch im richtigen Moment wieder einen Schlussstrich zu ziehen, und nicht darin zu "versinken".
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in manchen Momenten hilft, diesen Schmerz, den man ja im Herzen/Bauch wirklich physisch spüren kann, wirklich mal zu fühlen. Und ihn gar nicht groß zu bewerten und zu "kommentieren", sondern einfach dieses Gefühl zu erleben und es nicht wegzudrücken. Irgendwann hört es dann auf. Und ich glaube, irgendwann wird es dann auch ganz weggehen.
Zitat:Wie kann das sein? Wir waren uns so nah vier Jahre lang. Und jetzt interessiert ihn das alles nicht mehr?
Dieser Satz könnte von mir sein. Genau so. Die Erkenntnis tut weh, ja. Aber wir müssen uns auch vor Augen halten, dass wir diesem Menschen nie so nah waren, wie wir dachten, weil es eine Seite gibt, die wir nicht kannten und die wir nicht erwartet hätten. Ich hätte NIE gedacht, dass mein Ex die Beziehung einfach so hinwirft. Nie. Ich wurde eines besseren belehrt. Das ist keine Seite an einem Menschen, die ich mag und schätze. Im Gegenteil. Ich hab ihn nah an mir dran sein lassen. Er hat mir so viel nicht gesagt, konnte mit so vielem nicht umgehen. Er (und ich denke auch dein Ex) können gar niemandem so nah sein, weil sie sich selbst nicht nah sind.
Ich habe das gemerkt, als mein Ex mir überhaupt keine Gründe für die Trennung nennen konnte. Außer, dass ich nichts falsch gemacht habe. Er hat sich selbst null reflektiert. Es hat ihn auch total überfordert, was ich gesagt habe. Er weiß nicht, wer er ist und wie er sich selbst annehmen kann. Er weiß nicht, wie er mit Problemen und Ängsten umgehen soll. Er ist gar nicht "bei sich", wie man so schön sagt. Wie sollte so jemand, bei dir sein können?
Diese Nähe, die wir in der Beziehung hatten, war wahrscheinlich das Maximum, was unsere Exen geben konnten; sonst wäre die Trennung für uns nicht so ein Schock gewesen und sonst hätten wir die Beziehung nicht als insgesamt so gut bewertet. Aber für mehr reicht es eben nicht. Und ich glaube nicht weil wir es sind. Sondern weil sie es sind (in diesem Fall trifft das glaube ich wirklich zu und ist keine Phrase um sich die Trennung schön zu reden).
Zitat:Wie konnte er sich an seinen PC setzten und Bilder ins Internet laden die absolut privat waren und er wusste, dass ich nie und nimmer damit einverstanden wäre? Und das zu einer Zeit wo er genau wusste, dass ich die Hölle durchmache? Wie kann man jemandem so etwas antun, den man angeblich geliebt hat?
Ich fühle so sehr, wie verletzt du bist und ich will zu deinem Ex fahren und ihn dafür schlagen, weil es so respektlos und unglaublich verletzend ist, was er da getan hat. Ich finde keine Worte, außer, dass du das nicht verdient hast, Memi, weil du so ein toller und lieber Mensch bist, wie ich dich hier kennenlernen durfte.
Was er getan hat, ist nicht zu entschuldigen. Höchstens zu erklären. Und zwar damit, dass er ein ganz ganz großes Problem hat. Ich kann dir nicht sagen, warum genau er das getan hat. Ich kann mir nur vorstellen, dass es vielleicht die einzige Möglichkeit für ihn war, sein zerrüttetes Ego irgendwie aufzupolieren. Richtig richtig schäbig, da er das auf deine Kosten getan hat. Das zeigt aber auch nur, was er für eine gestörte Seite hat. Und die gehört nunmal leider auch zu ihm. Dass du darunter so leiden musst, fühlt sich nicht fair an und dennoch musst du damit umgehen. Ich glaube das ist oft so im Leben. Aber du hast auch das Potential, dran zu wachsen. Er hat dieses Potential nicht. Ich will sein Trauma auf gar keinen Fall verharmlosen oder mir anmaßen zu beurteilen, wie ein Mensch mit sowas umzugehen hat. Aber ich kenne Menschen, die auch soetwas anders bzw. gesünder verarbeiten und nicht auf Kosten Dritter. Das meine ich damit, dass er kein Potential hat, eine maximal schlechte Situation auch nur im Entferntesten positiv für sich zu nutzen oder zumindest irgendwas rauszuziehen, das der Sache auf eine Art und Weise einen Sinn gibt. Weißt du, was ich meine?
Zitat:Ich habe auch das Bedürfnis, ihm einen Brief zu schreiben um ihm einfach mitzuteilen,dass ich weiß was er getan hat (die Bilder im Netz und seine Lügerei bezüglich seines Wohnortes). Ich weiß auch nicht, ich will ihn einfach damit konfrontieren.
Dann schreib den Brief. Und schlaf mindestens eine Nacht drüber, besser zwei oder drei. Vielleicht reicht dir das dann schon. Oder du merkst, dass du wirlich willst, dass er weiß, dass du das mit den Bildern mitbekommen hast (könnte ich nachvollziehen, dass du ihn das wissen lassen willst). Dann schick ihn ab. Aber sei dir bewusst, dass es dich vielleicht kurzzeitig wieder ein bisschen zurückwirft, wenn du ihm schreibst, denn dann hoffst du ja auf eine Antwort oder du fürchtest dich vor einer Antwort. Beides hat irgendwie mit Kontakt zu ihm zu tun und du denkst dann wieder viel an ihn.
Aber wie gesagt, ich könnte verstehen, wenn du ihm das alles hinklatschen willst. Vielleicht brauchst du das, um endgültig abzuschließen und wirklich nichts mehr zu verdrängen.
Ich finde, dass aufschreiben IMMER was bringt. Und drüber schlafen auch. Und dann wirst du fühlen, was das richtige ist und ob dus abschicken willst.
Zitat: Er lebt sein Leben einfach weiter und verschwendet keinen Gedanken mehr an mich und ist wahrscheinlich sogar froh, dass ich mich nicht melde
Es ist auf Dauer mehr wert, mit sich selbst im Reinen zu sein, seine vergangenen Beziehungen ordentlich zu verarbeiten, niemandem wissentlich weh getan zu haben, die Fähigkeit zu besitzen aus tieftem Herzen zu lieben und auch Probleme miteinander lösen zu können. Es ist mehr wert, sich nichts vorwerfen zu müssen, alles versucht zu haben, für den anderen da gewesen zu sein, sich fallen gelassen zu haben, fähig zu sein, Liebe zu geben und anzunehmen.
Das alles ist mehr wert, als sein-sorry-verkacktes Leben in Angst und Selbsthass.
Memi, für dich gibts noch so viel mehr im Leben, weil du fähig bist, das alles anzunehmen.
Es gibt keinen Grund, ihn für seine Situation zu beneiden. Er muss mit dieser ganzen schei., die er u.a. dir angetan hat, leben. Ich will das nicht. Mir wird schon ganz heiß, wenn ich jemanden mal zu unrecht doof angemacht hab. Ich will mir nicht ausmalen, wie es jemandem wie ihm geht.
Zitat:Und, dass ich ihn dafür verabscheue. Das ist doch legitim. Oder nicht?
Doch, das ist legitim. Solange nach dem Verabscheuen das Verstehen und dann vll sogar das Verzeihen kommt. Nicht um seinetwillen, sondern um deinetwillen. Ich weiß, dass das gerade noch zu früh für dich ist. Deswegen leb jetzt deine Wut, du hast sie dir verdient
Der Rest kommt von alleine.
Liebe Memi, würde ich nicht gerade übergangsweise wieder bei meinen Eltern wohnen, würde ich dich sofort die Koffer packen lassen und dir befehlen hier her zu kommen. Raus zu kommen am Wochenende wirkst wahre Wunder! Hast du eine liebe Freundin, die du mal besuchen kannst?
Zitat:Wie geht es dir inzwischen? Was hat sich getan bei dir?
Darüber reden wir das nächste mal

Heute geht es mir eigentlich ganz gut. Deswegen nichts akutes gerade.
Ich denk an dich und drück dich! Kopf hoch. Diese Phase ist ätzend aber sie ist ein weiterer Schritt richtung Loslassen und das wirst du! Ich habe keine Zweifel bei dir
Deine Ava