Zitat von GiuliettaV:Mich würde mal interessieren, was es anfangs in Dir ausgelöst hat, wie Du reagiert hast und auch wie es danach weiter ablief. Magst Du mehr darüber erzählen ?
Mir ist sehr ähnliches Verhalten auch schon begegnet, kenne selber dieses unstimmige Gefühl.
Und auch diesen Moment, wo man schon weiß, daß es nur die Spitze des Eisberges ist.
Am Anfang stand ich, glaub ich unter Schock. Ich war stinksauer, denn er war näher an mir dran, als sonst ein Mensch. Ich war ja so sehr krank gewesen und wir waren über mehrere Monate fast jeden Tag 24 Stunden zusammen. Ich war fassungslos über mich und meine Menschenkenntnis, die ich bis dato für sehr gut gehalten habe. Dass etwas nicht stimmte, wusste ich, aber ich dachte ursprünglich mein Freund sei Asperger. Seine emotionale Abkopplung war ja auch zwischen uns während der Beziehung Thema.
Ich hatte Gefühle der Wut, des Ekels, ich habe getobt, geheult, rumgeschrien, habe ihn bedrängt, in die Enge getrieben, immer wieder konfrontiert und aufgedeckt, allerdings muss ich auch ehrlich zugeben, dass ich ein klitzekleines Stück weit Bewunderung darüber empfunden habe, dass er alle so geschickt an der Nase herumführt. Bei ihm herrschte glaube ich Fassungslosigkeit, weil er es in vorherigen Beziehungen immer dahingehend manipulieren konnte, dass die Frauen sich abwandten, bevor das ganze Ausmaß bekannt wurde.Er war es ja eh gewohnt weiterzuziehen.
Zeitgleich hat neben der emotionalen Verarbeitung auch mein analytisches Denken eingesetzt. Das war unglaublich anstrengend, weil ich trotz meiner Wut und den ganzen anderen Emotionen, seine innere Verletztheit und den Komplex, der hinter seinen Handlungsweisen steht, wahrgenommen habe. Da war ich aber immer noch im Kopf nur bei ihm.
Er hat dann eine riesige Inszenierung gestartet, mit dem Ziel mich zu verletzen. Ich hab ihm zu seinem Können gratuliert, so viele Menschen ohne, dass sie es merken, für seine Eigeninteressen zu nutzen. Mir wurde irgendwann auch immer mehr bewusst, dass er von Anfang an niemanden eine wirkliche Chance einräumt, ihn kennenzulernen. Das hat mich sehr traurig gemacht, mich aber auch mit der Situation ein bisschen ausgesöhnt. Die Inszenierungen gingen weiter.
Parallel zu dem ganzen Stress und Streit den wir ausgefochten haben, schimmerte immer mal wieder eine neue Kommunikationsebene zwischen uns durch, minikurze Phasen der Ehrlichkeit. Ich hab von meinen Beobachtungen gesprochen, er schonungslos davon wie er Menschen, gern auch Frauen für sich benutzt. Auch gab es mittlerweile ein paar Momente, wo ich seine Aussagen in Frage stellen konnte, ohne anschließendes Donnerwetter.
Mir war da aber immer noch nicht klar, dass auch mein Verhalten nicht so astrein war und ist und in welcher Dimension unsere ganzen Auseinandersetzungen auch mit mir selbst zu tun haben. Für mich stand fest, er lügt und ich hab alles Recht der Welt mich so A.mäßig zu verhalten, wie ich will.
Die Kehrtwende kam bei mir durch einen Traum, der mir nochmal deutlich gemacht hat, wie schädlich Abwertungen jeglicher Art letztendlich auch für mich selber sind.
Jetzt versuche ich mehr bei mir zu bleiben, viel ehrlicher zu mir und zu ihm zu sein, auch wenn ich nicht wissen kann, ob er es benutzt, zu allererst mal in mich reinzuhorchen und zu lernen bei destruktiven Situationen, die auch noch ausreichend vorhanden sind, konsequent zu gehen, ohne da mit reinzugehen und zurückzuschießen. Ich bin also gerade dabei erst mal wieder vor meiner eigenen Tür zu fegen.
Ich hab das Gefühl es verändert sich etwas bei uns beiden und der Humor, der jetzt manchmal bei ihm durchschimmert, ist erstklassig

Über sich selbst zu lachen ist erwartbar nicht so Seins, aber einen Sinn für Situationskomik angesichts unserer Situation ist gelegentlich da.
Mir geht es jetzt viel, viel besser als noch vor ein paar Wochen. Wohin sich das entwickelt, weiß ich nicht.
LG Vidi