Zitat von Dude0815:Für mich bist Du nämlich ein Bärchi, und Bärchis wünsche ich von Herzen nur das Beste!
Wow, selten so eine Abwertung gelesen. Oarg.
Irgendwie scheint es bestimmte Reizworte in einem Thread zu geben und schon haben wir sie wieder die Genderdebatte. Geschlechterkampf ist wohl passender.
Zitat von Ricky:Ist ja super, dass es immer mehr tun, denn was die Polizei dort erfasst, sind ja nur die Straftaten, die auch gemeldet wurden.
Genau da liegt ein wirkliches Problem. Ob es überhaupt Sinn macht, gewalttätige Männer und gewalttätige Frauen vergleichen zu wollen, halte ich ja für zweifelhaft, aber was hier leider im wieder nur am Rande angeführt wird, ist daß all diese Zahlen aufgrund von Datenmaterial erstellt wird, welches deutlich zu hinterfragen ist.
Das erste Problem ist die Nichtanzeige, wobei das Problem mE deutlich früher beginnt, beim Bewußtsein. Lassen wir allerdings mal die Double-Standards hinsichtlich einer Watschen und die unterschiedliche Bewertung je nachdem, wer die Watschen verteilt, außen vor. Das Stichwort ist Dunkelziffer.
Und zwar auf allen Seiten. Allein die Aussage, daß mehr Tötungsdelikte durch Männer verübt werden, ist extrem fragwürdig. Das simple Argument ist, die Tötungsdelikte, die entdeckt werden, damit in der Statistik landen, werden mehrheitlich von Männern verübt.
Jetzt könnte man noch etwas differenzierter herangehen, diese Diskussion ist strafpolitisch mal vor ein paar Jahren aufgetaucht, in dem sich fragen läßt, ob diese Statistik auch Morde miteinschließt oder nur Totschlag. Aufgrund tendenziell vorhandener körperlicher Unterlegenheit verwirklichen Frauen bei Tötungen zumeist auch das Merkmal der Heimtücke, weil im direkten Angriff kein Blumentopf zu gewinnen, muß der Angriff unter Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit erfolgen.
Bleiben wir aber noch einen Moment bei diesem Spiel und schauen uns das Gewaltverhalten von Frauen genauer an: Es ist spannend zu sehen, daß, wenn wir von Gewalt von Männer gegen Frauen reden, wir wenig Differenzierung betreiben. Ein Übergriff auf eine 14Jährige (mag zudem als Angriff auf ein Kind verstanden werden), aber im Grunde schreien doch viele von uns, ah Gewalt gegen Frauen.
Gewalt durch Frauen (gegen Männer) kommt in vielerlei Gestalt daher. Am auffälligsten finde ich dabei, daß die Gewalt von Müttern gegenüber Kindern nach wie vor marginalisiert wird und daß wir zwar über männliche Gewalt reden, aber weibliche Gewalt, so zB bei Münchhausen by proxy (die Anzahl der Männer die dies verwirklichen ist verschwinden gering), immer wieder reflexartig mit Bagatellisierung begegnet wird.
Was auch mE. nicht hinreichend diskutiert wird, ist das Ende der physischen Überlegenheit eines Mannes, welches statistisch gesehen, Männer leben kürzer als Frauen (so allgemein, ne), eintritt, wenn zB Ehefrau noch am Leben ist. Wie viele Ehefrauen mag es da draußen geben, die mit der Pflege des Ehemannes, welchem sie nichts mehr als Ressentiments und Wut entgegenbringen, betraut werden?
Und wir wollen alle wirklich glauben, daß, nachdem Vati sie zweimal in 40 Jahren betrogen hat, weil der auch mal wieder nett gefunden werden wollte, Mutti jetzt nicht hingeht und ihm das heimzahlt?
Persönlich glaube ich ja, daß es deutlich mehr Tötungen durch Frauen gibt als irgendeine Statistik abdeckt, weil Frauen seltener entdeckt werden.
All das unter dem schönen Deckmäntelchen des vermeintlich aggressiven Geschlechts, welches ein männliches ist.
Blöd daran ist nur, daß sich in der modernen Psychologie unter Zuhilfenahme von neurologischen Erkenntnissen langsam aber sicher die Kenntnis durchsetzt, daß Aggression kein Instinkt ist. Menschen kommen nicht auf die Welt und fühlen automatisch auch Aggression, weil es in unserer Natur liegt. Aggression ist RE-aktion. Reaktion auf vorangegangene Kränkung.
Mich wundert ja, daß noch niemand auf diese ausgesprochen schwierige #metoo Debatte Bezug genommen hat.
Nun ja den Männern genug Futter geliefert. Werfen wir noch schnell einen Blick auf die Frauenseite.
Tja, was haben wir denn da? Also die Entwertung, welcher sich Ricky, Urmel und andere stellen müssen, ob nun als Bärchi, armer einsamer Mann oder jemand, dem die Frau wohl mal ordentlich einen mitgegeben haben muß, finde ich extrem schwierig.
Aus zwei Gründen: Double-Standards, im Forum werden immer mal wieder auch unterschiedliche Ansichten zu Konflikten, eine Frau, die einer anderen sagt, na hast Deinen Mann wohl nicht halten können, finden wir nicht nett, manchmal greifen wir ein. Wehe aber ein Mann würde dies zu einer Frau sagen.
Der zweite Grund ist für mich wichtiger. Es fehlt die echte Auseinandersetzung. Ich bin nicht die größte Anhängerin ihrer Thesen und es gibt immer wieder Momente, in denen ich einen solchen Beitrag lese (kommt ja nicht nur von den beiden) und im ersten Moment denke, hä, schon a bissl verkürzt und sehe ich echt anders. Dennoch gibt mir das ein ums andere Mal auch wieder Gedankenfutter. Beim nächsten Blick ins Forum wird sich aber dann doch nur mit Statistiken zum womöglich nicht vorhandenen Gender-Pay-Gap beworfen, von einer echten Auseinandersetzung sind wir weit entfernt.
Frauenrechte sind wichtig und nach wie vor aktuell. So lange noch ein junges Mädchen irgendwo im Niger beschnitten wird und vielleicht an den Folgen auch noch stirbt; so lange Frauen in irgendwelchen Ländern nicht Autofahren dürfen, obwohl sie es möchten (von wählen und so einem Kram mag ich ja nicht mal anfangen), so lange Frauen in Indien einfach mal so überfallen und gequält werden, so lange bleibe ich in jedem Fall auch Feministin.
Aber das ist ja hier nicht Thema.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann zielen Beiträge wie der von Urmel oder Ricky auf die Frage ab, ob es nicht einer neuen Bewertung bedarf, wen wir als das schwächere Geschlecht ansehen und was sich ändern müßte. Immer wieder wird thematisiert, daß Männer ein weibliches Emotions-Handling beigebracht wird, was sie früher oder später ins Unglück stürzt.
Meine Frag dazu wäre folgende: mal angenommen, das stimmt, wo waren da eigentlich die Väter?