Zitat von Flashbackprofi:Aber ich fühle mich für mein Alter einfach als Verliererin. Alle um mich herum haben Partner, Familie. Ich weiß, dass es bei den meisten von ihnen nicht sonderlich gut läuf. Trotzdem fühle ich mich irgendwie 'abgehangen'.
Daß Du Dich so fühlst, hängt u.a. vielleicht auch damit zusammen, daß die Massenmedien seit den 1990ern penetrant suggerieren, Singles seien "defizitäre" Wesen. Ich hatte dazu vor Jahren mal diesen Thread eröffnet:
singles-vom-leitbild-zum-sozialschmarotzer-t29591.htmlDie Studie wurde nachträglich nochmal hier verlinkt, da die URL im Eröffnungsbeitrag dort inzwischen nicht mehr funzt:
singles-vom-leitbild-zum-sozialschmarotzer-t29591-s165.html#p2119038Du bist erst 30 und kannst das Lebensgefühl der 1980er daher nicht mehr kennen. Laß Dir von jemand, die fast Mitte 50 ist geschrieben sein, daß es ein völlig anderes war. Damals ging es noch um freie Entfaltung der Persönlichkeit im Leben und Singles galten sogar als gesellschaftliches Leitbild, war ihr Lebensstil doch Programm für eben das.
Du hast doch bereits eine Ehe hinter Dir und erlebt, was da alles schiefgehen kann. Zudem scheint auch hinter den vielen Kulissen um Dich herum nicht alles Gold zu sein, was glänzt - was im übrigen auch realistisch ist, denn in jeder zweiten Beziehung wird früher oder später fremdgegangen, jede zweite Ehe wird irgendwann geschieden, etc.
Hinter all den geschiedenen Ehen steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (Statistiken dazu wird es wohl kaum geben) nochmal eine hohe Dunkelziffer an Paaren, die sich aus praktischen Erwägungen heraus nicht scheiden lassen wollen, sondern miteinander arrangiert haben und nun in einer Familien-WG und / oder einer offenen Beziehung leben. Ich will das auf keinen Fall kritisieren, denn jedem Menschen steht es frei, sein Leben zu überdenken und wenn diese Menschen zufrieden damit sind, dann ist es doch o.k. so für sie.
Aber so wie sich das bei Dir liest, vermißt Du eben keine Familien-WG oder offene Beziehung, sondern blickst mit romantischen Vorstellungen auf die Ehe und wünschst Dir die klassische Variante. Da bist Du aber keineswegs "abgehangen", sondern bewegst Dich in bester Gesellschaft, denn für die allermeisten Menschen bleibt das ein Wunschtraum - also auch für die, die eine Ehe führen - eben weil sie auf Dauer dann scheitern bzw. ihre Ansprüche komplett in Frage stellen und sich miteinander arrangieren (meinen zu) müssen.
Ich sehe (überzeugte) Singles ganz im Gegenteil nach wie vor als Leitbild, nämlich was das zu-sich-und-den-eigenen-Bedürfnissen-stehen betrifft und bin im übrigen auch der Ansicht, daß man unbedingt erst in sich selbst ruhen und glücklich sein sollte, ehe man überhaupt bereit und fähig ist, eine "erfolgreiche" Beziehung zu führen. Ansonsten würde man den Partner ja früher oder später "brauchen" (nicht finanziell, aber emotional) und damit wird man erpressbar. Sobald dem Partner das klar wird, ist es mit Kommunikation auf Augenhöhe dann vorbei.
Früher gab es mehr mediale Vorbilder von Menschen, die sich selbst in dieser Weise treu geblieben sind, heute muß man dieses Glück halt von allein in sich finden. Der erste Schritt in diese Richtung ist, daß man aufhört, den eigenen Wert als Mensch darüber zu definieren, ob man eine intakte(!) Beziehung im Leben "hat" oder nicht. Das ist keine Frage des "Erfolgs" (wie im Berufsleben), sondern des Glücks, und letzteres läßt sich nun mal weder erarbeiten, noch erzwingen - und leider auch nicht "erlieben", wenn man an jemand geraten ist, dessen Schmetterlinge wieder davonflattern, nachdem der erste Kennenlernrausch vorüber ist.
Natürlich kannst Du Deine Chance darauf erhöhen, indem Du darüber nachdenkst, was für einen Mann Du Dir wünschst und wo speziell seine "Sorte" sich wohl am ehesten aufhalten könnte, um Dich dann in weiterer Folge an genau diese Orte zu begeben. Daß die Pandemie dabei derzeit nicht sonderlich hilfreich ist: geschenkt - aber sie wird ja (hoffentlich) nicht ewig dauern, sondern irgendwann gibt es halt eine Impfung und dann wird das Leben wieder normalisiert, so wie seinerzeit nach der spanischen Grippe auch.
Ich würde mich da an Deiner Stelle nicht ausgerechnet dieses Jahr so sehr unter Druck setzen, sondern die kommende Pandemiezeit nutzen, über mich, meine Bedürfnisse, meine Vorstellungen nachzudenken und mich vielleicht auch mit anderen Menschen ganz generell darüber auszutauschen, um letztere zu festigen. Bau Dir Dein eigenes Leben auf bzw. weiter aus und sei darauf focussiert - denk vielleicht auch mal über ein Haustier nach, falls Du die Möglichkeit dazu hast. Gerade als Hundespaziergänger kommt man mit Menschen (also auch Männern) meist rasch in Kontakt...
Was auch helfen könnte wäre die Begegnung und der Austausch mit anderen Menschen, denen es ähnlich geht wie Dir. Nun ist jetzt nicht gerade die ideale Zeit, um auf Städtestammtische oder New-in-Town-Veranstaltungen zu gehen, aber sicher gibt es auch Online-Foren für diese Zielgruppe - oder vielleicht gründest Du Deine eigene virtuelle Plattform dafür?
Wie auch immer: Bitte mach Dir wieder und wieder klar, daß
- hinter viel Licht auch entsprechend Schatten ist
- Beziehungen nicht der alleinige Sinn des Leben sind
- man im Alter meist eh allein dasteht, wenn's hart auf hart kommt
- es grausamer ist, sich in Beziehungen einsam zu fühlen, als mit sich allein zu sein
- etc.
Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, daß es Dir gelingen wird, diese negativen Gefühle in etwas Konstruktives umzusetzen und zwar ganz für Dich.
Zitat von Schlurfi2020:Sei Dir sicher, jene, die jetzt gerade Windeln wechseln oder gemeinsam Häuser kaufen, die schauen vielleicht in 12 Jahren später, so wie Du jetzt, dann ganz traurig drein, verlieren alles und sind einsam.
Nicht nur das: Ab einem gewissen Alter beneiden die einen oder anderen Paarmenschen einen sogar offen um den Singlestatus und die Freiheiten, die er mit sich bringt - allen voran jene, nicht mehr tagtäglich die Launen eines anderen Menschen im eigenen Zuhause ertragen zu "müssen".
Zitat von Schlurfi2020:Liebschaften, Freundschaft plus und so weiter findet man ganz leicht, gerade als Frau, der richtige Partner, das ist eine ganz andere Hausnummer. Da muss viel zusammenkommen, Zufall, Glück, der richtige Ort zur richtigen Zeit und natürlich auch der dann richtige passende Mann dafür. Das geht nicht immer so mal zwischendurch. Das braucht halt Zeit und die solltest Du Dir gönnen, bis Mr. Right vor Dir steht. Und ich denke, das wird schon.
Volle Zustimmung.
