Mindtricks
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Du bist hier (mit einigen anderen zusammen) wirklich Gold wert. Nicht etwa weil du schreibst, was ich gerne hören möchte sondern weil du die Situation (und meine Schwächen) wirklich zu 100 % analysiert und beschrieben hast.
Ich habe mich auch schon gefragt, ob es da kindheitliche Trigger gibt. Klar, meine Kindheit war nicht einfach - Vater ein Trinker, der die Familie fast in den Ruin gesoffen hätte...eine Mutter, die sich alles vom Munde abgespart hat, um mich durchbringen zu können. Flucht aus der Wohnung, um meinem gewalttätigen Vater zu entkommen...
Ich war immer ein sehr schüchternes und ängstliches Kind - habe mir nicht viel zugetraut.
Irgendwann kam dann bei mir - praktisch über Nacht - ein Hass bzw. eine Wut über mich selbst auf.
Ich wollte so nicht mehr sein...gemobbt werden, ein Außenseiter sein.
Ich habe mich selbst therapiert und mein Verhalten um 180 Grad gedreht: Ich wurde forsch, mutig, habe Stresssituationen ganz bewusst heraufbesschworen und gemeistert...kurzum: Ich habe eine sch.gal-Einstellung entwickelt. Keinem mehr vertraut.
Mein Ding gemacht...ohne Rücksicht auf Verluste. Habe Trauer, Angst und Zweifel aus meinem Leben vebannt und wurde so über die Jahrzehnte zu einem Mann, der (wenn die Rahmenbedingungen stimmen) selbstbewusst, in sich ruhend und souverän auf die Menschen wirkt...zumindest wird mir das immer wieder bestätigt.
Es ist nicht gespielt oder aufgesetzt - so bin ich mittlerweile wirklich. Ich fühle mich den Situationen gewachsen und auch Probleme im Job bringen mich nicht ins Wanken. "Das löse ich schon...da muss mehr passieren, um mich zu stressen"
Ich bin gereift, gewachsen und immer für andere Menschen da: In Lebenskrisen, bei Beziehungsproblemen...bei Sorgen oder Hürden im Job. Ohne Wenn und Aber. Wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen, wie gesagt.
Wenn ich nicht selbst von meinen Dämonen gejagt werden: Der Angst, vor dem Verlassenwerden...der Angst vor Armut oder Jobverlust.
Und da bin ich jetzt. Wo ich sonst für andere da bin und gute Ratschläge geben kann, bin ich heute selbst auf Ratschläge angewiesen.
Die Gedanken kreisen, der Kopf steht nicht still. Kopfschmerzen, Kälte, Zittern, Rastlosigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit....
Und all das, weil man mir Routine und Sicherheit genommen hat.
Ich mache da meiner Partnerin auch keine Vorwürfe...das hat sie sich alles selbst nicht ausgesucht. Aber sie hätte offener über ihre Gefühle und Probleme sprechen können, damit erst gar kein Raum für Spekulationen und Ängste aufkommt.
Im Prinzip musste ich ihr die Antworten aus der Nase ziehen - als ich ihr verändertes Verhalten angesprochen habe.
Da war ich aber schon komplett drin, in meinem eigenen Hamsterrad.
Wir sind nun so verblieben, dass wir uns offen und direkt kommunizieren - und sollte es noch so schmerzen.
Ich kann mit einem "Ich brauche Abstand" oder einem "Ich fühle mich durch unsere Nachrichten kontrolliert" eher leben, als wenn sie sich einfach zurückzieht...