Zitat von Urmel_:Hallo Julika, vielen Dank für Deinen Beitrag. Der hilft mir in der derzeitigen Situation, wie auch viele andere mir hier helfen. Vor allem in den Phasen, wenn sich die Schlangengrube unter einem auftut, ist sowas der Grashalm am Rand, an dem man sich mit den Fingerspitzen festkrallt.
Ich stimme Dir auch hier in allen Punkten zu. Und ein Teil von mir weiß auch, dass an dieser Situation kaum ein Weg vorbei ging. Ich sehe es so, weil ich mich selber in einer langsamen Abwärtsspirale befand. Ich konnte immer weniger aus mir raus, war emotional in der Defensive, war schlichtweg überlastet. Das bin ich auch jetzt noch etwas, aber der Ablauf zeigt mir, dass man den Konsequenzen seiner Handlungen nicht entgehen kann. Auch wenn man nichts tut, rauscht der Zug weiter. Ein Teil von mir weiß also jetzt schon, dass ich aus der Situation besser heraus kommen werde, als sie zumindest jetzt im Augenblick ist. Diese Hoffnung zu halten, das ist angesichts der Verletztheit derzeit vielleicht noch etwas zu viel verlangt. Aber immerhin den ersten Schritt (im Geiste) gemacht.
Ich Wechsel jetzt mal in die abstrakte Sichtweise, denn sonst ufert es aus. Die meisten Mitleser dürften es verstehen. Die, die sich daran stören, müssen das Ganze einfach mit bunter Farbe anmalen, denn abstrakt heißt ja nur, dass ich es herunterbreche. Das alles ist Umgeben von Emotionen in mir und sicherlich auch Liebe.
Was mir hier serviert wurde war die logische Konsequenz meiner Handlungen (oder eben nicht-Handlungen). Ich bin mir da recht sicher, denn ich habe hier keine "normale" Trennung, bei der alles irgendwie aufgeräumt ist. Ich habe eine Trennung, in der es noch viel Zuneigung gab, Trauer auf beiden Seiten gibt, aber auch Wut auf beiden Seiten, viele unausgesprochene Fragen, Unsicherheiten, mögliche (kapitale) Fehler, Unwägbarkeit neuer Partner, die viel zu früh aufgestellt wurden und noch viele weitere Aspekte. Will sagen, dass da gerade noch ein Cocktail gemixt wird, der so in alle Richtungen sehr lebendig ist. Ob im Offenen oder Verborgenen spielt dabei keine Rolle. Und den kann ich auch mitgestalten. Mache ich ja gerade, nur eben auf eine Weise, die einigen Schreibern als total kontraproduktiv vorkommt.
Was ich bekommen habe war der Mega-Sh*ttest, die Mutter aller Tiefschläge. Trennung ist nur ein Wort. Und selbst das Wort habe ich nicht bekommen. Das sollte den Lesern an sich sofort ins Auge springen. Wer nach offener Kommunikation Ausschau hält, der wird in die Irre geführt. Das liegt daran, dass wenn man als Partner angezählt ist, der Gegenüber nicht mehr auf Basis von gegenseitiger Zuneigung, sondern auf Basis von großem Zweifel in den Ring geht, aber eben auf der emotionalen Ebene!. Das ist vor allem für Männer verwirrend, die noch auf der Ebene verbleiben, auf der die Frau Mitleid hat, eher freundschaftlich präsent ist. Die bekommen es nicht in den Kopf, dass die emotionale Ebene an Deinem Stuhl sägt (weil sie es nicht anders kann, wenn Zweifel vorhanden ist) und die Rationale/Freunde-Ebene gleichzeitig Halt geben will. Dann stellt man sich völlig falsch auf und arbeitet selber am eigenen Untergang. Weil die "Signale", denen man folgt einem andere Handlungen nahelegen, als es angesichts der emotionalen Zweifel angebracht wäre.
Was passiert denn nun, wenn es emotional zu arg wird, der Zweifel zu groß ist, aber ganz weit hinten im Kopf dennoch der Gedanke ist, dass zumindest auf dem Möglichkeiten-Horizont, weil man emotional weiß, wie wertvoll der andere Partner wirklich sein kann? Und vor allem, was passiert, wenn diese Situation über eine gewisse Zeit vom Partner nicht wahrgenommen wird und die sanften Hinweise nicht mehr ziehen? Sagen wir mal, weil der Partner in sich selbst verloren ist und die sanften Drücker in eine andere Richtung nicht wahrnimmt? Dann kommt an irgendeiner Stelle großes Kaliber zum Einsatz. Ist ja logisch, man fängt mit einem Zahnstocher an und wenn der Gegenüber selbst beim Filetmesser nicht mit der Wimper zuckt, dann gibt es Sauers.
Jede Frau wäre verrückt, einen Partner einfach so ziehen zu lassen, der sehr lange für sie wichtig war, wichtig ist und wo sie mindestens instinktiv weiß, dass die aktuelle Lage eher temporär sein könnte, denn das sein Wesen ihr völlig offen liegt. Keine Frau macht das, wenn da der leiseste Zweifel besteht, dass man sich irren könnte, ohne Rückversicherung. Nach 5 Jahren und 10 Jahren Freundschaft weiß eine Frau, dass da viel auf dem Spiel steht. Die hat den Mann lange genug durchleuchtet um zu wissen, dass zumindest dieses Exemplar Eigenschaften hat, die sich für sie nicht abnutzen. Fähigkeiten, die es für sie spannend halten, Fähigkeiten, die eine Herausforderung ist. Wenn also auf Basis temporärer Umstände der Frust groß ist und die Chance da ist, dass sich das auch ändert, man aber am Ende ist, weil einem die Mittel ausgehen, dann gibt es die Atombombe.
Und diese Atombomben sind nicht genau. Die reißen viel mit. Aber das lässt sich nicht vermeiden. Oft wird auch nicht nachgedacht, weil es ja emotional ist, oft wird nur gefühlt und spontan gehandelt. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Ein Nachteil ist, dass man nach dem Zünden der Schnur selber die Kontrolle abgibt. Man hofft halt, dass es schon irgendwie gut geht. Da darf man sich jetzt auch nicht täuschen. Es gibt keine "gute" Atombombe, die Bombe soll zeigen, dass ihr im Kern wirklich so ein Depp seid, wie die Frau es gefühlt hat und wie ihr euch gerade gebt. Denn ist dem so, ist die Angst, die Unsicherheit, einen Fehler gemacht zu haben (die immer da ist!), nicht mehr vorhanden (stimmt auch nicht, Zeit bringt immer wieder Unsicherheit zurück, deswegen wird man ja auch als Ex-Freund manchmal an der Leine gehalten). Aber wie wir ja wissen, ist Unsicherheit die Triebfeder der Anziehung. Also arbeitet die Frau aktiv daran, die Anziehung in sich zu vernichten, in dem sie die Bombe zündet, damit man auf die Knie gehen kann und absolute Sicherheit gibt (Verlass mich nicht!). Und will man da nicht alle Karten auf den Tisch legen, dann muss man den Sturm an sich vorbei ziehen lassen, denn wenn man eben nicht reagiert, auf die emotionalen Breitseiten, dann ist man anders. Und dann läuft das Spiel.
Hast Du wieder sehr bezeichnend erklärt, darfst aber auch mal auf den Tisch hauen!
Du hältst Dich tapfer und wacker, Respekt.

Zitat von Urmel_:Da unsere Trennung ja eher wortkarg war, wäre da nicht eine Form von Abschiedsnachricht von ihr angemessen gewesen?
Der Gedanke kam mir eben erst. Ja, wir haben kaum was gesagt, aber wir beide waren ja schon in einer schönen Beziehung. Nicht perfekt, aber weit entfernt von mies.
Hätte da nicht mindestens eine Mail kommen müssen, in der sie sich für die gemeinsame Zeit bedankt und vielleicht auch etwas zum Sohn sagt, dass der mir auch Grüße ausrichtet oder sowas. Damit ich bei dem Schmerz dann doch etwas Trost habe?
Oder sehe ich das falsch?
Dagegen kann man kaum was sagen, ne Abschlussszene ist ja schließlich kein Zacken in der Krone. Aber Du weißt ja, bei mir habe ich, und dieses nur durch eine dritte Person, eine solche erhalten. Nach fast 6 Jahren.
Manche Menschen, glaube ich, können nicht mal "Adieu" oder "Ich wünsche Dir alles Gute, Danke für die schöne gemeinsame Zeit" sagen oder wenigstens ein paar Zeilen schreiben. Die Gründe wissen nur sie. Schade, aber ich glaube, das kommt gar nicht so selten vor.
Sehr bedauerlich!
