Auf Basis meiner Vita fühle ich zwar viele Dinge, die mich umgeben, deutlicher, aber eben dadurch auch intensiver. Das ist in einer Heilungsphase ganz schön anstrengend mitunter, weil die Wellen dann doch ganz schön groß sind. Hilft ja nix, da muss ich durch, dennoch ist es mitunter schon ganz schön kraftraubend.
Mir gelingt es mittlerweile öfter, Dinge aus einem gewissen Abstand zu betrachten. Ich glaube dieser Punkt, also die wechselnden Phasen, sind für Menschen, die sich nicht in solchen wechselnden Phasen befinden, mitunter schwer nachzuvollziehen. Davon losgelöst gibt es natürlich auch Menschen, die alles in einer gewissen Weise interpretieren, aber da muss man sich eben auch klar machen, dass diese Form der Interpretierung nichts mit den Umständen, sondern eben sehr viel mit den Menschen selber zu tun hat. Und zwischen eigener Ego-Bestätigung und einem guten Rat auf Basis der Realität gibt es dann doch eben Umstände.
Womit ich immer besser fahre: ich lasse die Emotionen da, wo sie hingehören, im anderen Menschen.
In Sachen Ex bin ich Phasenweise auch recht ruhig, in mir ruhend. Aber die negativen Ausschläge sind noch sehr beachtlich, aber glücklicherweise nur stundenweise präsent. Ich vermute, dass es mit der Form der Trennung zusammenhängt, und vor allem mit dem zerstörten Vertrauen. Sowas bringt jeden Menschen an seine emotionalen Grenzen. Aber auch da merke ich, zum Glück, dass ich weder in mir bitter bin, nach Rachegefühle habe, noch andere negative Dinge im Außen denke zu erlangen, damit es mir im Inneren besser geht. Und Zeit bringt Heilung, also mache ich mir da nicht so viel Sorgen.
Die ganze Geschichte wird für mich mit zunehmender Zeit immer weniger ein Rätsel, auch wenn ich in schwachen Phasen gerne Details analysiere und mich so über die schweren Stunden rette, bis in mir die Sonne wieder aufgeht. Ich würde mal ganz vorsichtig vermuten, dass meine Trennung und die nicht vorhandene Fähigkeit meiner Ex, über ihre Emotionen zu reden (vor allem die negativen) eng verbunden sind. Wenn man den Deckel auf seinen Gefühlen lässt, dann stauen sich alle Emotionen an. Und vor allem die, die man auch auf anderem Wege (Reden) nicht aus sich raus lassen kann. Ich hatte also einen Kochtopf an der Hand. Und da Menschen Fehler machen, auch wenn ich sagen muss, dass ich mich in der Beziehung wirklich am Riemen gerissen habe und ein offener und sehr liebender Partner war, gibt es natürlich immer Dinge, die man in einer Beziehung klären muss. Und da ich keine Gedanken lesen kann und mit mir nicht gesprochen wurde, konnte ich bei Problemen nicht gegensteuern. Es war also alles nur eine frage der Zeit. Man kann jetzt weiter vermuten, dass nicht über Emotionen reden können auch ein Hinweis auf andere Probleme ist und an sich auch einen Partner verlangt, der keine Fehler macht, denn dann platzt der Kochtopf auch nicht. Wie utopisch sowas ist, muss man ja nicht erklären. Bringt man in den Mix noch einen Partner, der nachlässt und eine eigene Schwächephase hat, man also im Partner auf einmal die Unsicherheit erkennt, die man in seinem eigenen Kochtopf versteckt hat, dann verstärken sich Emotionen, die man nicht mehr im Zaum halten kann. Und dann werden Auswege gesucht.
Ich würde einfach mal raten und sagen, dass der eigene Kochtopf in Kombination mit Schwäche im Außen, die die eigene Schwäche im Inneren nur multipliziert, für ganz schön viel Angst sorgt. Dazu noch das Bedürfnis, den perfekten Partner haben zu müssen, weil man ja den Druck aus dem Topf nicht entweichen lassen kann und schon gehts ab Richtung Desaster. Wobei Desaster in diesem Kontext ja auch nur heißt, dass man die stärksten Gefühle mit Schwung aus dem Topf lässt. Angenommen es wären Wut und Angst, dann haut man dem Ex was um die Ohren und sorgt gleichzeitig dafür, dass man keine Angst haben muss, denn ein frischer Partner übernimmt jetzt das Schöne im Außen, damit man nicht das Schlimme im Innen anschauen muss. Wir Menschen sind aber komplex. Das heißt, wenn die eine Emotion "bedient" ist, dann melden andere Emotionen ihre Ansprüche an. Das kann man teilweise mit der Umschreibung vergleichen "die Gefühle sind verschüttet". Die sind nie verschüttet, die sind überlagert, durch eine stärkere Emotion.
Nun kann man sich natürlich fragen, was denn solche Spekulationen bringen sollen, denn man muss doch nur die Augen aufmachen, denn man hat ja schließlich eine Trennung. Also ganz davon ab, dass Trennung nur ein Wort ist, gibt es immer Hinweise auf nicht aufgelöste Spannungen, Emotionen und schlichtweg viele Fragen. Ich heile, dass ist einfach so. Ich werde wieder unbelastet sein und ich werde wieder ne tolle Frau finden. Mache ich mir absolut keine Gedanken drüber, alles zu seiner Zeit. Aber es gibt immer auch die Möglichkeit, dass ein Ex-Partner zurück kommt und ich würde gerne vorher alles verstehen, damit ich nicht offen und erneut in ein Messer laufe. Oder, falls ich als Partner nicht gut war, daran arbeite, dass ich als Partner besser werde. Doch eins werde ich nie: perfekt sein. Für mich und meine Geschichte heißt das, dass ich mehr Probleme bei meiner Ex sehe als bei mir. Und zwar schwerwiegende Probleme. Und ich bin mir sicher, dass sie das selber auch weiß.
Zeit, die jetzt vergeht, zeigt meiner Ex möglicherweise, dass die schlimmen Gefühle nicht an mir liegen, sondern diese in ihr sind. Einer der Gründe, warum ich vollkommen aus der Sache, bis auf den kleinen Fehler mit dem Chat mit Bestis Mann, ausgestiegen bin. Ohne mich aus der Gleichung zu nehmen, kann sie ihre eigenen Gefühle gar nicht genau anschauen. Sie hat bei der Trennung dennoch versucht, die ganzen Emotionen aus ihrem Topf bei mir zu belassen. Wäre ich flehend und heulend angekommen, wäre das auch hingehauen, dennoch ein trügerischer Plan. Denn im Endeffekt wäre es nur das Hochgefühl gewesen, mit weißer Weste aus der Sache rausgekommen zu sein, als der wertvollere Partner, was die Emotionen in ihrem Kochtopf überdeckt hätten. Es wäre Selbstbetrug gewesen, der ohne das Hochgefühl sofort wieder mit voller Härte präsent ist. Manche Leser lesen aus solchen Ausführungen immer die Unterstellung, dass der Ex-Partner etwas bewusst macht, einen Plan hat. Dabei ist es viel einfacher. Der oder die Ex hat ein Ego und das will nicht als der Böse aus der Sache raus. Und vor allem nicht als der Part, der sich zwar getrennt hat, aber eigentlich etwas sehr wertvolles verloren hat. Daher sind die meisten froh, wenn der Ex ihnen die Bestätigung gibt (flehen, bitten), dass man ja ganz viel Wert ist. Und so kann man lustig pfeifend aus dem Haus gehen und das Leben genießen. Auch nur temporär, aber immerhin.
Bei meiner Geschichte kommt hinzu, dass ich bei der Trennung nur minimal Validierung gegeben habe. Und auch, dass meine Ex sich irgendwie auch der anderen Emotionen im Kochtopf noch bewusst war. Und deswegen habe ich eine Trennung ohne Abschiedsbrief (eher vernachlässigbar) und auch nach der Druckphase (zeig eine Reaktion!) den Wandel zur Lockphase (zeigst Du bitte eine Reaktion?). Mit dem Wunsch, für sich selbst und die Entscheidung Sicherheit zu haben. Denn bereits jetzt melden sich die anderen Gefühle aus dem Kochtopf. Und auch die angenommene Schwäche von mir hat sich nicht bestätigt, denn ich habe sie in Ruhe ziehen lassen. Dazu kommt, dass ganz langsam auch das Vermissen einsetzt. Denn Urmel war ja nicht nur mies, er hat auch für viele schöne Dinge gesorgt. Und in dem ganzen Drama des Kochtopfes noch ein Next, der alle Gefühle im Kochtopf, die allesamt mitgenommen wurden, bedienen darf. Prost Mahlzeit.
So, Wort zum Samstag.