Jetzt vielleicht mal Konkretes, um zu veranschaulichen, was ich meine, aus der echten Arnika-Welt: Ich denke, die Corona-Situation, die Herausforderungen, die uns diese Zeit auch im Beruflichen oft abverlangt, sind nicht ganz ohne. Kommt auf die Branche an, die Umstände, die Lebenssituation an sich, aber für viele nicht ganz einfach. Und so kam es auch bei eurer Arnika vor 3-4 Wochen durchaus zu einer massiven Beziehungskrise. Wir hingen durch einige Verschiebungen, Veränderungen beruflich jeder für sich teilweise etwas blöd in der Luft, auch im Privaten (über die Beziehung hinaus) war vieles nicht unbelastet, andere KommunikationspartnerInnen fehlten - und plötzlich konnten wir nicht mehr wirklich miteinander kommunizieren. Nicht 2 Tage, sondern über Wochen. Mal mehr, mal weniger. Mein Mann ließ seinen Unmut an mir aus, ich meinen an ihm. Und dazwischen diskutierten wir viel über Themen, die einen selbst gerade beschäftigen, aber weniger über Themen, die "uns" beschäftigen. Oft schwiegen wir auch. Oft funktionierten wir "harmonisch" nebeneinander her. Dann kam es zum Streit. Wiederholt. Er drängte mich verbal ins Eck, ich ihn auch. Nach einer hitzigen Debatte (wir wohnen auch nicht zusammen) ging ich.
Und danach tauchte ich etwas ab, ging auf Abstand, wusste nicht, was ich ihm noch wie sagen soll, wenn die Gesprächsbasis offenbar so darniederliegt. Was macht er? Lässt nicht locker, sucht das Gespräch, sagt: "Ich liebe dich. Wir gehören zusammen. Und wir würden jetzt einen großen Fehler machen, den wir auf ewig bereuen, wenn wir aufgrund von Blödsinnigkeiten, Stolz und Sturheit das jetzt aufgeben." Danach diskutierten wir nochmal, waren emotional. Aber fanden miteinander zusammen, er bewies mir, dass er mir zugehört hatte und ich ihm, dass ich ihm zugehört hatte. Und seit dem läuft es wieder innig, verliebt und miteinander. Auf eine gewisse Weise mehr als je zuvor.
Wir sind auf der Bananenschale ausgerutscht, jeder irgendwo für sich und auch miteinander - und haben uns dann doch gegenseitig gefangen, gehalten, gestützt und wieder aufgerappelt. Und haben nicht auf "Der Ball liegt jetzt im dem oder dem Feld", "er oder sie ist dran", "Frau/Mann tickt halt so und deshalb", "er/sie hat nicht abgehoben oder angerufen oder ein Fahrrad abgestellt, weil sie versuchte, mich zu manipulieren, und deshalb muss ich jetzt.., um.." agiert, sondern und darauf konzentriert: Herr Arnika und Arnika ticken jetzt grad jeder für sich etwas neben der Spur, aber was würden wir verlieren, und was ist jetzt wirklich wichtig, wie kriegen wir die Kurve. Das nennt man Liebe. Und auch Reife.
Und hätte sich Urmel an meinem "Silberrücken" ein Beispiel genommen, dann würden wir hier jetzt nicht über 300 Seiten diskutieren, wer wie was warum und Regeln, und Dogmen und irgendwas und sowieso und überhaupt.. Dann wäre es vermutlich nur ein Stolperer gewesen, und sie hätten sich gegenseitig auffangen können. Stattdessen diskutiert man hier seitenlang über die Bedeutung, ein Fahrrad aus der Garage zu führen - aus Genderperspektive. Das hat doch alles hier nichts mehr mit Urmel oder seiner Ex zu tun , sondern ihr bestätigt euch gegenseitig nur mit euren Stereotypen, vereinfachten Weltanschauung und Ängsten.
Aber hilft das Urmel in seiner Situation? Hilft ihm das wirklich? Denkt mal darüber nach.