Zitat von Urmel_:An was machst Du für Dich bei meiner Geschichte den Fuß in der Tür fest?
Es gibt ja einige Stimmen hier, für die ist es praktisch bewiesen, dass die den ganz harten Cut gemacht hat.
Für mich ist ein schlimmer Gedanke, dass ich in dieser Beziehung im Vergleich zu den vorherigen viel mehr richtig gemacht habe. Sicherlich nicht perfekt, die Probleme haben wir ja schon angesprochen, aber ich war auf jeden Fall sehr liebevoll. Klar, auch extrem Stur, aber nicht zu Lasten des Alltags, eher generell zu Lasten der Beziehung. Aber weit davon entfernt, der Ex ein schlechtes Leben zu machen.
Vor allem an der Sache mit dem gemeinsamen Projekt (ich glaube ich weiß ja, worum es geht). Bei einem ganz klaren Cut hätte ich zumindest dieses gemeinsame Projekt ganz sicher geopfert, um Dich nie wiedersehen zu müssen. Auch das Schweigen bzw. der fehlende "Abschluss" (um nicht unnötig böses Blut zu machen, sodass eine Annäherung - auf welcher Basis auch immer, ich persönlich denke da eher an freundschaftliche und/oder geschäftliche, aber nicht an romantische) irgendwann möglich sein wird.
Bei einem klaren Abschlussgespräch/Brief kann so viel böses Blut erzeugt werden bzw. der andere so verletzt werden, dass da nachher nix mehr geht. Da ich sie als sehr konfliktscheu einschätze (und ich das früher auch war, daher kenne ich das Verhalten durchaus) wäre das meine Mutmaßung, warum sie so stille bleibt und eher darauf wartet, dass Du auf sie zukommst (in der Hoffnung, dass Deine Annäherung dann auch auf freundschaftlicher Basis sein wird, ohne Groll und so).
So habe ich zumindest ihr "er meldet sich ja nicht" Deiner Schwester gegenüber aufgefasst
Man kann Beziehungen doch nicht "richtig" oder "falsch" machen, finde ich. Klar gibt es Menschen, die grundsätzlich beziehungstauglicher sind als andere, das ist aber für mich eher eine Frage der Erziehung und Sozialisation als des Charakters

Ansonsten kann Verhalten x in Beziehung x genau richtig sein, weil es perfekt zu Frau x passt - in Beziehung y mit Frau y hingegen kann exakt das gleiche Verhalten genau falsch sein. Beziehungen sind doch keine statischen Konstrukte, die man irgendwie "lernen" kann. Sie sind doch immer dynamisch, hängen immer von den beiden Beteiligten ab. Die Beziehung, die Du bisher geschildert hast z.B. wäre mir zu wenig gewesen. Viel zu "bequem" und gemütlich (ich bin schon raus, wenn einer mit mir auf dem Sofa fernsehen will - ist nicht

). Ich will auch in Beziehungen wachsen, denn dazu sind die für mich da. Wenn das nicht mehr gegeben ist und alles so als Einheitsbrei vor sich hin zähfließt, ist das nicht meins. Und das ist z.B. der Fall, wenn es keine Konflikte (mehr) gibt.
Ich kenne z. B. einen Mann, von dem ALLE Exen - und der hatte nicht wenige - gesagt haben, er wäre ein Riesenar***loch und untreu und verlogen und egoistisch und empathielos. Seine jetzige Frau (!) hingegen sagt, er wäre der liebevollste, treuste, ehrlichste und fürsorglichste Mann, den sie je hatte

Und das ist er tatsächlich auch bei ihr. Der hat nicht etwa aus all seinen Beziehungen vorher "gelernt", aber die Liebe zu DIESER Frau hat ihn verändert. Sein jetziges Verhalten ist nicht strategisch, sondern instinktiv, weil er sie halt wirklich liebt. Und die Frauen vor ihr hat er offenbar nicht wirklich geliebt, jedenfalls nicht so. Außerdem hat sie ihm von Anfang an klare Grenzen gesetzt, und weil er sie auf keinen Fall verlieren wollte, hat er sich immer an diese gehalten. Er hat nämlich keine Sekunde daran gezweifelt, dass sie ernst macht, wenn es soweit kommt. Das war bei den Frauen vor ihr eben anders - die haben zwar ständig Drama gemacht, gemeckert, geheult und was weiß ich, verlassen wollte ihn aber keine, die haben sich einiges gefallen lassen.
Bei einer konfliktscheuen Frau, die obendrein auch nicht in der Lage oder willens ist, offen über ihre Gefühle zu reden, kannst Du nur auf gut Glück was richtig machen. Du weißt es halt nicht, weil sie Dir nicht sagen wird, wenn Du was falsch machst. Die sagt dann nicht: Mensch, Urmel, Du Wurst, jetzt reiß Dich mal zusammen! Du hast jetzt lange genug depressiv auf dem Sofa rumgehangen, zu viel Alk, getrunken und Dich in Deinem Elend gesuhlt. Krieg den Ar*** hoch und sieh zu, dass Du wieder auf die Reihe kommst, sonst bin ich nämlich weg. So einen Mann brauche ich nicht an meiner Seite.
Eine solche Frau guckt sich das an, geht immer mehr auf Distanz, kriegt immer mehr und mehr Wut und denkt: Warum ist der coole Urmel, der tolle Mann, der er mal war, zu so einer Wurst geworden? Was soll das? Ich fühle mich verar***t!
Die redet darüber vielleicht mal mit Freundinnen und mault da rum, aber sie wird ihm das eher nicht deutlich sagen, sondern ihren Unmut in sich reinfressen. Das killt dann immer mehr ihre Gefühle, und wenn dann einer kommt, der das Gegenteil von einer Wurst ist (was auch immer das ist, ich denk noch drüber nach - ein Kotelett?

), ist sie halt schnell weg. Klassiker, sag ich mal so (bei Männern umgekehrt genauso, es gibt auch mindestens genauso viele konfliktscheue, verschlossene Männer, die so was machen

)
Du hast auch gesagt, dass sie gerne hätte, wenn sie auf Distanz geht und sich zurückzieht, dass der Mann dann "gegen ihren Willen" auf sie zugeht und die Nähe wiederherstellt. Das ist für mich weniger 6uell konnotiert, das ist für mich auch eher ein Zeichen davon, dass sie Konflikten zwar aus dem Weg geht, sie das aber eigentlich gar nicht will und dann die Herausforderung des Mannes sucht. Also er soll dann derjenige sein, der sie aus ihrem Schneckenhaus lockt, damit sie sich dem Konflikt stellen muss. Im Grunde verlangt sie da an der Stelle ja nach Führung durch den Mann. Und wenn der Mann sie nicht führt, siehst Du ja, was dann passiert
Es gibt sicherlich andere Frauen, die dann ihrerseits die Führung übernehmen würden, wenn der Mann mal (temporär) keine zeigt. Liest Du ja auch hier im Thread. Ich finde das auch eher "normal" bzw. gesünder oder einfacher. Aber wenn eine Frau so passiv ist und dem Mann die ganze Beziehungsarbeit überlassen möchte, läufst Du als Mann immer Gefahr, dass Madame aus dem Boot hüpft, wenn Du aufhörst, zu rudern, statt dann mal für eine Zeit selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Und wenn es ganz arg kommt, klettert Madame direkt beim nächsten strammen Ruderer an Bord, dessen Boot halt zügig unterwegs ist und nicht auf dem See kreist

Wäre für mich etwas, was man schon in der Anbahnungsphase herausfinden kann, und für Dich vielleicht eine Überlegung, ob Dir das zukünftig wichtig ist, lieber eine Frau zu haben, die auch mal anpackt und das Ruder ergreift, wenn es nötig ist, oder ob Du lieber bei Deinem "Beuteschema" möglichst "weibliche" (aka passive) Frau bleiben willst. Im Gegensatz zu Deiner Meinung, dass Frauen alle so und so sind gibt es meiner Erfahrung nach nämlich eher "solche" und "solche" Frauen (und diese und jene und Mischformen und überhaupt

Menschen halt). Aber wir suchen uns unsere Partner ja meistens nach Mustern aus. Nur wenn man mit seinem Muster jetzt mehrfach gescheitert ist, sollte man da vielleicht mal hinschauen und sich überlegen, ob man da immer die beste Wahl getroffen hat, oder ob man künftig vielleicht mal besser über den Tellerrand schaut ...