Zitat von Urmel_: In dem Punkt würde ich mir wünschen, dass ich so wie Du wäre. Dass ich nicht hier rumhirschen würde, sondern klar für mich erkennen würde, was denn da passiert ist. Und natürlich ist es eine Enttäuschung, dass ich mich scheinbar so in einem Menschen getäuscht habe. Wie hast Du denn noch die nächsten 1,5 Jahre überstanden? Das hört sich nämlich nicht besonders schön an, mit dem Knacks zu leben.
Du, es hat bei mir mehrere Jahre gedauert, bis das rational Klick gemacht hat. Da war damals nur dieses Gefühl von Dr Jekyll und Mr Hyde - ich war einfach nur geschockt und verstand nicht, was da passiert war. Da stand plötzlich ein ganz anderer Mensch vor mir als der, den ich seit 16 Jahren zu kennen glaubte. Da ist in diesem einen Moment (es waren echt ganze fünf Minuten

irre) SO viel in mir zerbrochen, dass ich danach stundenlang heulend in einer Ecke gesessen habe.
Aber ich war damals komplett unfähig, in Worte zu fassen, was genau da passiert war. Ich war regelrecht geschockt, aber danach war so eine dicke, hohe Mauer zwischen meinem Ex-Mann und mir, durch die auch kein Durchkommen mehr war. Hätte ich das damals rechtzeitig kommunizieren können und ihm dadurch die Chance gegeben, das wiedergutzumachen, wäre vielleicht alles anders gekommen. Aber ich konnte es einfach nicht

Das ist mir erst Jahre (!) nach der Trennung (!) wirklich bewusst geworden, was genau da los war. Auch die Therapeutin, die wir nach der Trennung ja noch konsultiert hatten wusste nichts von diesem "Schlüsselmoment". Das einzige, was sie nach zwei Sitzungen zu meinem Ex-Mann sagte, war: Man kann sich nicht jahrelang auf einen Menschen aufstützen. Das Gewicht wird immer schwerer und schwerer, und irgendwann bricht der Mensch darunter zusammen. Nach dem Satz bin ich heulend geflüchtet, da schwappte dann MEIN Tsunami endgültig über mich herein (und ich muss heute noch heulen, sogar wenn ich nur darüber schreibe, stelle ich gerade fest

).
Die letzten 1,5 Jahre meiner Ehe waren meine persönliche Hölle, ehrlich gesagt. Deshalb gehe ich auch immer noch fünf Jahre nach der Trennung allem, was auch nur ansatzweise nach Beziehung riecht, konsequent aus dem Weg

Mir geht es alleine tausendmal besser, als es mir in dieser Zeit ging. Und ich will so was nie nie wieder erleben. Da ich mich nicht leicht damit tue, mich zu trennen, selbst wenn eine Sache für mich aussichtslos ist, habe ich ein echtes Problem mit Trennungsangst

und das kann man ja prima vermeiden, indem man erst gar nix eingeht, wovon man sich trennen müsste
Zitat von Urmel_:Ich kann Schwäche aus einer Position der (inneren) Stärke zeigen.
Ich hatte den Satz tatsächlich schon eingetippt

um Dich damit ein bisschen zu foppen. Hab ihn aber wieder gelöscht. Musste aber gerade lachen, als ich es gelesen habe. Es ist halt traurig, wenn andere Menschen diesen Unterschied nicht (er)kennen.
Zitat von Mira_:Wie genau stellst Du das an? Und funktioniert das echt? Ich mein, wenn der Mann dich heiß findet, wird ihm deine Schwäche doch nicht wirklich auffallen?
Ich kann das gar nicht genau erklären, weil ich es ja nicht wirklich bewusst mache. Aber ich bin ein Mensch, der selten Schwäche gezeigt hat. Wenn ich mich schwach fühle, ziehe ich mich wie ein verletztes Tier in meine Höhle zurück und mache das mit mir selbst aus, und wenn es mir wieder besser geht, komm ich wieder raus. Das habe ich mir abgewöhnt in den letzten Jahren, auch FreundInnen gegenüber (da war das früher nämlich auch so). Wenn ich mich jetzt schwach fühle, dann zeige ich das einfach. Und ich sehe ja dann, wie mein Gegenüber darauf reagiert - leider alle Menschen in ansatzweise "romantischer" Beziehung zu mir immer und immer komplett falsch. Freunde hingegen nicht, da habe ich das Problem seltsamerweise nicht oder nur selten (und wenn, dann ist die Freundschaft für mich an der Stelle auch erledigt und wird zur Bekanntschaft degradiert

ich brauche nämlich einseitige Freundschaften ebenso wenig wie eine einseitige Beziehung).
Meine Oma sagte mal zu mir, da war ich 12 oder 13: Heirate nie einen schwachen Mann. Ich habe das damals nicht verstanden. Heute verstehe ich es besser denn je, und sie hatte recht.