Zitat von Urgestüm:Warum es anders betrachtet werden sollte als z.B. Mobbing ist mir ein Rätsel.
Der Vergleich hinkt zumindest bei den Affairendreiecken, wo der Fremdgänger nicht mal die
Absicht hegt, seine Hauptbeziehung aufzulösen, sondern das Beste aus beiden Welten mitnimmt (also quasi eine Menage à trois anstrebt, soweit das eben geht) - und die beiden anderen Beteiligten sich damit ebenfalls abfinden, ohne Drama zu machen.
Eben die
Absicht ist aber
Schlüsselmerkmal von Mobbing, wo über einen verhältnismäßig langen Zeitraum hinweg
bewußt versucht wird, das Opfer aus der Abteilung oder gar komplett aus seinem Arbeitsverhältnis hinauszu
drängen, wobei man ihm
gezielt eine Behandlung angedeihen läßt, die es mürbe (krank) genug dafür machen
soll.
Mobbing ist im Grunde nicht anders, als würde man jemand physisch verdreschen und in all seiner Boshaftigkeit erzielt es leider auch allzu oft einen vergleichbar hohen Schmerzensgrad beim Gemobbten. Das ist motivationstechnisch gesehen normalerweise ein völlig anderer (kriminellerer) Tobak und nicht umsonst steht das in Deutschland mittlerweile auch gesetzlich unter Strafe.
Mag sein, daß es auch Affairenführer gibt, die sich in ähnlicher Weise am Betrogenen austoben, um ihn (oder sie) aus der Hauptbeziehung zu drängen - Beispiele dafür werden sich leider sicher finden. Durchgängig ist dies jedoch nicht gegeben; man muß hier schon Einzelbetrachtungen anstellen und da tun sich erhebliche Unterschiede in der Motivation aller Beteiligten auf. Daher würde ich Affairen nicht 1:1 mit Mobbing vergleichen.
Zitat von Urgestüm:Da muss man sich schon fragen in was für einer Gesellschaft wir leben, dass solches Leid regelmäßig in Kauf genommen wird.
IMO kommt eine Gesellschaft, die persönliche Selbstentfaltung hochhält und staatliche Einmischung so weit wie möglich zurückzudrängen sucht (auch um politischem Kollektivismus in all seinem Grauen von vornherein vorzubeugen) gar nicht umhin, eine hohe Scheidungsquote ebenso in Kauf zu nehmen wie den Umstand, daß Menschen auch affairentechnisch tun, was sie de facto tun können und (rein gesetzlich gesehen) auch tun dürfen. Freiheit hat einen Preis.
Umso wichtiger wäre allerdings, hier durch öffentliche
Meinungsbildung entsprechend gegenzusteuern - wie es bis in die 1980er auch noch durchaus der Fall war (ein Grund mehr, diese Zeit als goldene Mitte zwischen dem Mief davor und der moralischen Anarchie danach zu empfinden). Natürlich gab es damals auch bereits eine Menge Affairen, aber die öffentliche Wahrnehmung war schlicht eine andere; zwar realistische, aber eben auch deutlich skeptischere als heute.
Doch das ist etwas, wofür jeder Einzelne von uns mitzuständig ist:
Haltung beziehen dazu.
Zitat von Urgestüm:Eifersucht ist ein sehr natürliches und tief verankertes Gefühl. Zeigt sich schon bei Kleinkindern. Es ist eine Ur-Angst und weder einfach wegzudiskutieren, noch ein Produkt moderner Gesellschaft.
Bei Kleinkindern ist es blanker Futterneid. Bei Affairen je nach finanzieller Ausstattung des Fremdgängers allerdings letztlich leider auch. So emanzipiert sind viele Frauen - betrügende ebenso wie betrogene - leider immer noch nicht, daß es für sie so gar keine Rolle mehr spielt, ob sie sich vom Fremdgänger scheiden lassen bzw. ob er womöglich tatsächlich eines Tages mit einem Gehalt à la Düsseldorf(er Tabelle) und dem ganzen Patchworkgedöns bei der Next vor der Türe steht, oder ob man es nicht schon aus praktischen Gründen lieber so weiterlaufen läßt, wie es vor dem Auffliegen ja eh bereits über eine gewisse Zeit mit durchgelaufen ist...
... den Opportunismus der Menschheit sollte man nicht unterschätzen. Und ich persönlich maße mir auch nicht an, mich da einzumischen. Allerdings erwarte ich mir von solchen Pragmatikern eine gewisse Stoik - wer das Affairendreieck aus Angst vor finanziellen Konsequenzen bewußt weiter erhalten will, der braucht mir irgendwann auch nicht mehr die Ohren vollzujammern, wie schlecht es ihm darin geht.
Hosea 8, Vers 7.