Nun habt ihr mir sehr viel Input gegeben, den ich erstmal auf mich wirken lassen musste. Vorweg Dank an alle, die sich Gedanken zu meiner Frage gemacht und mir Rückmeldung gegeben haben! Ich schätze jeden einzelnen Beitrag und werde im Folgenden versuchen, auf eure Fragen und Anregungen einzugehen. Bitte seht mir nach, wenn ich dabei etwas übersehe, denn da kam ja recht viel zusammen.
Zunächst scheine ich mich anfangs unglücklich ausgedrückt zu haben. Es ist so, dass ich ihm bereits anvertraut habe, dass ich auch mit dem Gedanken spiele, mir jemanden für S. zu suchen. Seine Antwort darauf war, dass dies meine Entscheidung aber dann eben auch mein Problem sei. Er macht mir keine Vorschriften aber auch keine Lösungsvorschläge, von dem was ich mache oder nicht möchte er nichts wissen. Für mich ist das schwierig, da ich aus meinen vorherigen Partnerschaften gewohnt bin, gemeinsame Entscheidungen zu treffen, und ich nun gefragt bin, für mich selbst zu entscheiden. Auch belastet mich, dass ich einen Bereich meines Lebens dann von ihm abschotten müsste. Ich hadere noch mit dem Konzept der Geheimhaltung.
Einige von euch meldeten mir zurück, dass sie in dieser Beziehung wenig Tiefgang sehen. Euch möchte ich sagen, dass dieser Eindruck stimmt. Tatsächlich war es von Anfang an nicht auf eine klassische Partnerschaft ausgelegt. Eine Schönwetterbeziehung sozusagen. Die dennoch eine Zeit überdauert hat, die ich als meinen persönlichen Hurricane Katrina bezeichnen könnte, um bei dem Bild zu bleiben. Da ich noch viel Raum und Zeit für mich benötige, um aus den Trümmern heraus Selbstliebe und Selbstfürsorge zu entwickeln, bin ich an einer engeren Bindung derzeit nicht interessiert. Er lebt unter ähnlichen Voraussetzungen, wobei ich inzwischen denke, dass er (im Gegensatz zu mir) vielleicht auch das Wesen einer engeren Bindung nicht so gut kennt oder versteht. Unabhängig davon ist er seit ich ihn kenne konstant dramafrei in seiner Zuwendung zu mir. Er behandelt mich die meiste Zeit liebevoll und wertschätzend und sucht viel Körperkontakt. Er ist meinem Herzen nah und meine wichtigste Bezugsperson, ohne mich je einzuengen. Bis auf den fehlenden S. geht es mir in unserer Beziehung gut.
Manche raten dazu, ihm zu sagen, dass die Beziehung in Gefahr ist, wenn er mir nicht entgegenkommt. Das möchte ich nicht. Ich liebe alles was man mir freiwillig gibt, ich lehne Drohen und Druck in Gefühlsthemen aus tiefer Überzeugung ab. Für mich stellt seine Unlust keinesfalls grundsätzlich die Beziehung in Frage. Somit wäre eine solche Drohung kontraindiziert.
Viele von euch sagen, dass sie es nicht gut finden, dass er mich mit meinem Problem so stehen lässt, bzw. dass es nicht mein sondern unser gemeinsames Problem sei. Da ist wohl etwas dran. Es hat mich Mut gekostet, mich ihm anzuvertrauen; dass ich hinterher im Grunde genauso schlau wie vorher war hat mich enttäuscht. Dieses Gefühl zuzulassen wirft ein anderes Licht auf meinen Wunsch nach gelebter S.ualität. Zu dieser Sichtweise zählt auch euer Zuspruch, dass mein Wunsch an sich legitim und normal ist. Danke dafür.
Die Frage, warum er keinen S. möchte, kam mehrfach von euch. Ich weiß es nicht wirklich, er vermeidet das Thema und alles was ich bisher dazu gehört habe war, dass er sich körperlich nicht danach fühlt. Es habe nichts mit mir zu tun. Ich halte das für glaubwürdig und nehme es hin. Ich kenne ihn und mich gut genug um einschätzen zu können, dass es nicht besser wird, wenn ich ihn darauf anspreche, ihn versuche zu verführen oder andere Wege einschlage um das Feuer neu zu entfachen. Es muss von ihm kommen. Ich bin mir sehr sicher, dass ich positiv reagieren würde, käme von ihm die Initiative, aber meine vorsichtigen Angebote wurden "übersehen" und im Moment möchte ich daher keine machen. Dennoch danke für deinen einfühlsamen Beitrag, E-Claire. Dein Vorschlag hat beim zweiten Durchlesen und gedanklichem Einlassen Potential an einer Stelle, an der ich selbst nie geschaut hätte. Ich werde darüber nachdenken.
Einige warnen mich vor den unkalkulierbaren Folgen von Affären. Dies ist ein Aspekt, der mich auch sehr beschäftigt. Einerseits schätze ich die derzeite Ruhe und Stabilität in meinem Leben enorm. Andererseits fehlt mir S. und Bestätigung als Frau und ich werde nicht jünger. Ich weiß nicht, ob Aussitzen oder Vermeiden in der Rückschau wirklich die beste Lösung ist. Aber das "Stöbern" auf besagter Plattform empfinde ich zwiespältig. Die weitaus meisten Zuschriften erhalte ich von verheirateten Männern. Ich bin nicht überrascht, aber finde das auch ein Stück weit belastend. Auf so ein Konstrukt möchte ich mich ungern einlassen. Momentan beschäftigt mich die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, für S. gezielt jemanden zu wählen, der für eine Beziehung nicht in Frage käme, um emotionaler Verstrickung vorzubeugen. Hat jemand hier dazu Erfahrungswerte?