Hallo!
@Maus
Weil Du geschrieben hast, Du fragst Dich immer wieder, wer Schuld hat, Du, Dein Ex, Ihr beide? (Nach diversen Ratgebern und psychologischen Lehren natürlich immer beide ...)
Ich möchte Dir sagen, solange Du nach "Schuld" suchst, bist Du auf einem Irrweg, dessen kannst Du Dir absolut sicher sein. Selbst wenn es Dir gelingen sollte, irgendeine "Schuld" irgendwo festzumachen oder zu konstruieren, helfen wird Dir das gar nichts. Ich habe es ja bereits einmal geschrieben: Wenn man wirklich weiterkommen will, dann muß man zuerst Begriffe wie "Schuld", "verzeihen", "Fehler" usw. völlig aus seinem Kopf streichen. Denn das ist eine vollkommen falsche Herangehensweise, die schon im Ansatz verkehrt ist und zu absolut nichts führt außer zu endlosen Gedankenreihen, die wiederum ständig negative Gefühle produzieren, ob Schuldgefühle, Wut, Haß, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Rachlust oder was auch immer. Denn "Schuld" haften immer und ausnahmslos (negative) Gefühle an, und das ist ja das Verhängnisvolle, es hindert uns geradezu daran zu verstehen, es versetzt uns in die Lage zu urteilen, ja zwingt uns zum Urteilen und Beurteilen und Verurteilen, aber Erkenntnis, und darum geht es, gewinnen wir daraus nicht im geringsten.
Es würde ja auch niemand, der immer wieder ohnmächtig zu Boden fällt, der Gravitation oder seinem Blut oder seinem Herz oder seinem Hirn die Schuld geben - sondern er wird wissen, daß es dafür eine Ursache geben muß, diese suchen und auch finden (in diesem Fall unter Umständen mit medizinischer Hilfe) und an der Ursache etwas verändern. Und sobald die Ursache behoben ist, wird er auch nicht mehr ohnmächtig.
Was daher wichtig ist bzw. es zunächst ist, ist, die Ursachen zu verstehen, zu durchschauen, zu erkennen - eben um daraus zu lernen und in Hinkunft nicht dieselben Schritte zu setzen, die wieder nur ins Unglück führen. (Allerdings muß man, wie gesagt, daraus lernen, es muß zu entsprechenden Veränderungen kommen, denn alleine das Erkennen der Ursachen hilft auch nicht, das verändert ja noch nichts. Es wäre so, als würde man in ein Buch schauen und die Buchstaben als die "Ursache" eines lesbaren Textes erkennen - ohne den "Zustand" des Lesen-Könnens zu "erlangen", also ohne lesen zu lernen, bleiben einem Inhalt und Aussage natürlich dennoch verschlossen.)
Nun ist es aber so, daß man allein durch Erkennen der Ursachen (und entsprechender Veränderungen) auch noch nicht sehr viel weiter ist.
Wenn einem etwa das Haus abgebrannt ist und man erkennt als Ursache, daß man vergessen hat, den E-Herd auszuschalten, und man lernt daraus, achtsamer zu sein, so baut sich das Haus dennoch nicht wieder von selber auf. Sondern man muß akzeptieren: Ok, ich stehe vor einem Trümmerhaufen - was tue ich als nächstes? Bleibe ich mit nostalgischen Gedanken weinend vor dem Trümmerhaufen stehen und begnüge mich damit, an all das Schöne zu denken, was in diesem Haus war, was ich alles darin erlebt habe, was ich alles verloren habe, oder mache ich mich daran, ein neues Haus aufzubauen oder auch das alte wiederherzustellen, falls dies möglich ist?
Bitte verstehe das nicht falsch: Ich weiß, daß Du sehr leidest, und ich weiß auch, daß man Leid, Trauer und Verzweiflung nicht einfach abschalten kann - ich habe es ja selber zur Genüge erlebt. Es soll lediglich eine Perspektive wiedergeben.
Du schreibst weiters, daß Du immer wieder das starke Gefühl hast, es würde etwas passieren - aber es passiert nichts.
Dazu möchte ich Dir auch etwas sagen. Solange Du zwanghaft an diesem Gefühl festhältst, gleichsam verbissen und verzweifelt darauf wartest, daß etwas passiert, wird auch nichts passieren. Denn die Position, die Du dadurch einnimmst, der Zustand, in dem Du Dich befindest, ist eben der der verzweifelt Wartenden und nicht jener der quasi "Empfangsbereiten" - und das wirkt wie eine Blockade. (Du kennst sicher das Phänomen: man versucht sich mit aller Anstrengung etwa an einem Namen zu erinnern, aber er fällt einem nicht und nicht ein. Dann denkt man gar nicht mehr daran - und plötzlich ist er da ...)
Du schreibst auch, daß Du nach wie vor eine "starke Verbindung" fühlst. Dieser Eindruck täuscht Dich durchaus nicht. Diese Verbindung besteht mit Sicherheit, und Du kannst Dir sicher sein, daß Dein Ex genauso intensiv an Dich denkt. Nur ist auch das wiederum leider verhängnisvoll. Denn es ist im Grunde so, als wärt Ihr zusammen und würdet Euch gegenseitig endlos Vorwürfe machen - also sicher kein Zustand, den man anstrebt. Man muß das alles loslassen und wieder zur Ruhe und zu sich selber kommen. Anders geht es nicht. Wie gesagt, ich verstehe Deine Verzweiflung, Dein Leid, Deine Wünsche und Sehnsüchte - aber das, was Du dadurch vermittelst (auch und gerade auf der unbewußten Ebene, auf der Du eben mit Deinem Ex verbunden bist), ist eben der Zustand einer verzweifelten, hilflosen Frau - und eben das wirkt (bitte nicht falsch verstehen!) "unattraktiv", es zieht nicht an, sondern weist im Gegenteil ab (etwa im Sinne: da laß ich mal lieber die Finger davon ...).
Und noch etwas: Ich habe den Eindruck, Dir (und auch anderen hier im Forum) wäre es im Grunde am liebsten, Du würdest sofort wieder mit dem Ex zusammenkommen. Also etwa: er stände vor der Tür, Blumenstrauß in der Hand, leidvoller Blick und ein tiefes: Es tut mir ja so leid! Das würde Dich augenblicklich aus der Hölle in den Himmel katapultieren und würdest in der ersten Euphorie meinen, alles sei nun gut und alles wird schöner werden und bleiben. Nur - was glaubst Du, wie lange Du im Himmel wärst? Innerhalb weniger Tage oder meinetwegen Wochen wärt Ihr genau am selben Punkt, an dem Ihr wart, als es zur Trennung gekommen ist.
Ich bin überzeugt davon, daß manche hier wieder mit ihrem Ex-Partner zusammenkommen werden. (Das gilt für jene, bei denen nach wie vor eine beidseitige tiefe Liebe vorhanden ist, ganz gleich, ob der/die Ex bereits einen neuen Partner hat oder nicht, damit hat das nichts zu tun (das sind lediglich "Trostpartner", etwa in der Art, wie es desdo von seinem Psychiater vorgeschlagen worden ist - diese lenken zwar eine Zeitlang ab und helfen, die Gefühle kurzfristig zu verdrängen, aber über kurz oder lang geht das immer schief). Ist die Liebe allerdings nicht mehr bzw. nur einseitig vorhanden, dann muß man das akzeptieren - denn man kann Liebe nicht erzwingen und auch nicht wiederbeleben (vielleicht einen Abklatsch davon, wenn jemand irgendwelche Druckmittel anwendet, der/die Ex aufgrund von Mitleid oder Schuldgefühlen wieder zurückkehrt - aber mit Liebe hat das nichts zu tun und daher sollte das auch niemand anstreben); also sollte man in diesem Fall alles daran setzen, wieder in einen Zustand zu gelangen, in dem man sich einer neuen Liebe öffnen kann.)
Nun gibt es zwei Möglichkeiten: beide sind die "Alten" geblieben - dann wird auch die Beziehung sehr schnell wieder so sein, wie sie vor der Trennung war.
Oder beide haben gelernt, haben sich weiterentwickelt (und zwar wirklich, das nur zu glauben oder sich einzureden bzw. vom anderen einreden zu lassen, ist sinn- und bedeutungslos), begegnen sich gleichsam als zwei "neue" Menschen. Dann wird die Beziehung eine ganz andere Qualität haben und es besteht die berechtigte Hoffnung, miteinander auf Dauer glücklich zu sein. Oft ist es sogar so, daß die Trennung nötig ist, um die Liebe zu retten. Die "Seelen" wollen ja zusammen sein, weil sie eben Liebe miteinander verbindet (das spürt man auch deutlich und ohne jeden Zweifel), aber wenn die beiden Egos, die Persönlichkeiten mit allen ihren Stärken und Schwächen, Ängsten und Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen miteinander die größten Probleme haben, dann bleibt nur die Trennung, weil es sonst nie und nimmer zu einer harmonischen und liebevollen Beziehung kommen kann. Dies ist eben erst dann möglich, wenn sich die beiden Persönlichkeiten weiterentwickelt haben - dann erst kann es wirklich stimmig sein. Auch die berühmte sogenannte "Beziehungsarbeit" ist weitgehend sinnlos, weil Versuche, irgend etwas gerade zu biegen, das eben gegenwärtig schief ist, nicht paßt, zwar vielleicht kurzfristig irgendeine Scheinwelt aufbauen, in und mit der man leben kann, vielleicht mit Hilfe irgendwelcher fauler Kompromisse, aber letztlich scheitert das unweigerlich, weil der Schein die Realität eben nicht dauerhaft überlagern kann. Kleinere Unstimmigkeiten kann man zwar durch "Bearbeitung" aus der Welt schaffen, aber mit Sicherheit nichts Fundamentales.
So, erst einmal genug für heute, ich hoffe, ich konnte Dir und Euch ein paar Anregungen geben.
Liebe Grüße