Hallo!
@ Maus
Ich möchte nur etwas herausgreifen, das Du in Deinem letzten Beitrag geschrieben hast, nämlich, daß Du Dir nicht vorstellen kannst, daß jemand DICH wirklich einmal liebt ...
Das ist wirklich ein Problem (und ich glaube, dessen bist Du Dir auch bewußt), denn es gibt dann ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder, Du suchst Dir unbewußt Partner aus, die Dich tatsächlich nicht wirklich lieben und Dir Deine Vorstellung von Dir selber bestätigen (also daß Du nicht wirklich geliebt wirst, weil das gar nicht sein kann (d. h. Du fühlst Dich, aus welchen Gründen auch immer, nicht der (wirklichen) Liebe wert). Oder es liebt Dich ein Mann zwar wirklich, aber Du wirst dennoch alles Mögliche finden, das Deine Einstellung, nicht wirklich geliebt zu werden, bestätigt - und solche Dinge lassen sich immer finden, wenn man nur genau genug danach Ausschau hält bzw. sie als Indiz des Nicht-geliebt-Werdens interpretiert (das kann schon ein mißmutiger Blick sein oder ein vergessener Anruf usw.).
Ich glaube, das Wichtigste wäre, daß Du Deine Einstellung zu Dir selber veränderst, daß Du Dein Augenmerk auf all das Positive und Liebenswerte in Dir richtest, daß Du Dich selber als liebenswerte Frau zu verstehen und zu sehen lernst. Denn dann kannst Du auch vorbehaltlos annehmen, daß Du wirklich geliebt wirst.
Man muß sich dazu ja nicht gleich in einer narzisstischen Form selber lieben, das wäre auch ganz falsch und sinnlos. Sondern das Wesentliche ist, sich selber anzunehmen, mit all seinen Stärken und Schwächen, mit all seinen hellen und dunklen Seiten, sich als Gesamtes, ohne jedes Wenn und Aber (obwohl ich ja nicht gläubig bin, möchte ich doch etwas in dieser Richtung sagen, weil mir das sehr gut gefällt: so wie Gott Dich gemeint hat). Du bist, wie jeder, einzigartig, und dessen solltest Du Dir bewußt sein und Dich in dieser Einzigartigkeit auch annehmen, ja Du solltest bis zu einem gewissen Grad stolz darauf sein.
Du bist doch gerne im Wald unterwegs - empfindest Du dann den einen oder anderen Baum schön und "liebenswert" oder den ganzen Wald? Vielleicht gibt es den einen oder anderen Baum, der Dir besonders gefällt, zu dem es Dich hinzieht, aber deswegen wirst Du sicher nicht alles andere ablehnen oder gar verachten. Weil erst alles zusammen den Wald ausmacht, seine Besonderheit und Einzigartigkeit, nicht nur dieser und jener Baum, sondern noch das kleinste Moosästchen (eigentlich wollte ich ja Pflänzchen schreiben - aber wenn das womöglich Desdo liest, kommt er ja gleich wieder auf abwegige Gedanken

) und der verborgenste Stein. Alles zusammen macht es, daß Du den Wald liebst.
Und auf diese Weise solltest Du auch Dich selber sehen, diese Einstellung, dieses Empfinden solltest Du auch Dir selber gegenüber gewinnen, nicht einteilend (in gut/schlecht, stark/schwach, nützlich/unnütz usw.), nicht Einzelnes beurteilend und bewertend, sondern alles zusammen annehmen, weil es eben erst das ist, was Dich einzigartig macht, was Dich zu Dir selber macht und nicht zu irgendeiner Beliebigkeit.
Es wird schon so sein, daß Du als Kind zu wenig Liebe bekommen hast. Aber es sollte Dir bewußt sein, daß das in keiner Weise an Dir lag (wie denn auch?), sondern an den Bezugspersonen, die eben aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage waren zu lieben. Als Kind bezieht man das notwendigerweise auf sich und empfindet es so, als würde es an einem selber liegen (weil die Eltern oder andere Bezugspersonen immer nur als gut und fehlerlos erlebt und gleichsam "vergöttert" werden). Aber im Erwachsenenleben sollte man doch versuchen, die Realität zu sehen und auch anzunehmen, zu sehen und auch zu verstehen, daß die Eltern nicht der Liebe fähig waren (oder zu wenig oder nur unter Bedingungen) - das ist keine Schuld, sondern ein bedauerlicher Umstand.
Und weil Du von "wirklicher Liebe" schreibst: Weißt Du, wirkliche Liebe knüpft sich nicht an bestimmte Dinge, sagt nicht, ich liebe Dich, weil Du so schöne Augen hast und ein süßes Lächeln oder weil Du so fröhlich bist und Humor hast oder weil Du so romantisch bist oder so hilflos oder so niedlich usw. Sondern diese Liebe umfaßt alles, nimmt alles an, das eben macht sie aus, daß sie nicht sagt, dieses und jenes gefällt mir, dieses und jenes nicht - das wäre ja auch keine Liebe, sondern mehr ein Sich-Erfreuen an diesen und jenen Vorteilen.
@ Traumtänzerin
Du schreibst, Du weißt noch nicht, ob Du "kämpfen" sollst ... Worum willst Du den kämpfen? Über eines solltest Du Dir jedenfalls im Klaren sein: das, was Du Dir erkämpfst, wird mit Gewißtheit nicht das sein, was Du Dir zu erkämpfen hoffst. Du wirst, selbst wenn Du "siegreich" sein solltest, nichts in Händen haben, von dem Du dann meinen wirst, daß es sich gelohnt hat, darum zu kämpfen. Bestensfalls ein Schauspiel, eine Posse, schlimmstenfalls Widerwille und Verachtung und Demütigung. Und darum willst Du kämpfen?
Du hast Dich in den letzten Jahren komplett für ihn aufgegeben. Dann wird es nun vor allem Deine Aufgabe sein, wieder Du selber zu werden. Sonst gibst Du Dich noch mehr auf und es dauert dann noch länger, Dich wieder zu finden.
Obwohl es natürlich Deine Sache ist - aber ich würde Dir dringend empfehlen, Deinem Ex auch nicht mehr nachzustellen. Das nimmt Dir jede Würde und erweckt in ihm nichts als Abwehr und Abneigung.
Liebe Grüße