whynot60
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@ Groupie
Also bei Deinem Rätsel würde ich auf Jung tippen.
Wobei ich sagen muß, Psychoanalytiker habe ich nicht sehr viele gelesen. Außer von Freud gleich die gesamte Studienausgabe - um hinterher zuerkennen: mehr oder weniger umsonst, wenngleich durchaus interessant.
Mir ist vieles in der Psychologie zu konstruiert. Die einzelnen Richtungen wirken wie Pfade, der immer mehr ausgetreten werden, aber nie zu einem Ende kommen. Und bei manchen kommt mir überhaupt vor, sie seien mehr eine Art Kunstwerk, das meint, (seelische) Wirklichkeit zu sein. Geradezu ein Verhängnis, weil dadurch eine psychische "Normalität" konstruiert wird (und damit ein entsprechender Glaube heraufbeschworen wird), die den Tiefen des wirklichen Lebens in keiner Weise gerecht wird. Und alles, was darüber hinauswächst, gilt als "gestört".
Hätten wir etwa nicht 2000 Jahre Christentum hinter uns, sondern 2000 Jahre Psychologentum, gäbe es z. B. keine Kunst (und natürlich auch keine Religion). Die Psychologie ist gleichsam der Gegenentwurf zur Kunst - und was von beidem mir lieber ist, darüber brauche ich nicht lange nachzudenken.
Ich halte es hier eher mit Karl Kraus: "Die Psychoanlayse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält."
Aber natürlich gibt es auch vieles Interessantes und Stimmiges, wenn man es nicht zu eng sieht.
Im übrigen halte ich noch immer das Leben selber für die beste Therapie, wenn man seine Symbolik, seine Wegweiser versteht. Das Leben ist gleichsam eine Art Selbstheilungsprozess, und die Probleme, die es macht, sind der Widerstand dagegen.
Da hast Du ganz recht - es ist nicht sinnlos, was "Verrückte" sagen (ganz wie bei Träumen). In Jungs "Psychologie der Geisteskrankheiten" etwa kommen Zitate einer eben "geisteskranken" Frau vor, die man heute geradezu als prophetische Hellsichtigkeiten bewerten könnte.
Was ich mit dem "ernsten Hintergrund" gemeint habe: Wenn ich so ganz intuitiv lese, was besagte Dame so schreibt, dann sehe ich ein kleines, zutiefst verletztes, zutiefst einsames Mädchen, das irgendwo ganz verloren herumsteht und sich sagt: aber ich habe auch viele liebe Freundinnen. Obwohl weit und breit nichts und niemand ist. Und wenn sie dann einmal Nähe sucht, dann tut sie das auf eine Art - weil sie es nie anders gelernt und nie anders erfahren hat -, die es fast erzwingt, daß auch noch auf sie hingehackt wird.
Und das erschüttert mich und erregt mein tieftes Mitleid (und das ist ohne die geringste Ironie oder Abwertung gemeint).
Wir sehen halt in allen nur den "erwachsenen" Menschen - aber bisweilen steht uns eben ein kleines, verletztes, wütendes, tobendes, wahrscheinlich nie geliebtes Kind gegenüber, das dermaßen vereinsamt ist, daß es sogar nach negativer Aufmerksamkeit sucht, diese sogar hartnäckig provoziert und dafür so manches einsteckt. Und würden wir eben das Kind sehen, nicht diese erwachsene Verkleidung, dann würden wir ganz anders, viel behutsamer damit umgehen (ich kann es leider auch nicht immer).
Und das finde ich eben tragisch.
Ich habe ja sogar - schon vor längerem, weil sie mich angeschrieben hat - einmal versucht, ganz normal mit ihr zu reden. Aber was sie letztlich wollte, war ein Verbündeter, der sie gegen ihre "Feinde" unterstützt, die sie damals hatte und die ihr haushoch überlegen waren. Ja, und dazu war ich nicht bereit - und bin dadurch selber zum "Feind" geworden, nach dem Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.
@ Maus
Weil Du sagst, Du fühlst Dich nirgendwo zugehörig: das ist natürlich ein unangenehmes Gefühl. Aber Du hast immer noch Dich selbst. Und das zu erkennen und auch zu fühlen ist bedeutsamer als jedes Zugehörigkeitsgefühl (obwohl natürlich auch das schön und wichtig ist!, aber zuerst muß man sich selber zugehörig fühlen) Und dieses Gefühl für Dich selber kann Dir, wenn Du es einmal hast, auch nicht mehr verlorengehen.
Man muß nicht immer mit dem Strom schwimmen, auch nicht gegen den Strom - sondern es ist manchmal auch ganz gut, sich ans Ufer zu setzen und den mehr oder weniger erfreut oder verzweifelt Schwimmenden zuzusehen ...
Im übrigen finde ich es, so wie Maik, wirklich bewundernswert, daß Du es geschafft hast, ihn trotz Deines Leidens nie zu kontaktieren! Und das ist wirklich sehr selten und vorbildhaft! Hätte ich Dich damals schon gekannt und hätte ich mir ein Beispiel an Dir genommen, wäre mir vieles erspart geblieben ...
@ Maik
Das freut mich, daß sich Dir ein Morgenlachen entrungen hat!
Ich hoffe aber, daß Dir keiner dieser albernen Namen womöglich hängenbleibt
Liebe Grüße

Danke!