Ex-Mitglied
Gast
Meine beste Freundin und ich kennen einander seit 25 Jahren. Zur Einordnung: Wir sind beide Mitte 40.
In all den Jahren haben wir unendlich viel zusammen erlebt. Wir teilen dieselben Interessen, verbringen oftmals Tage, auch mal ein ganzes Wochenende zusammen. Unsere jeweiligen Partner:innen akzeptieren das, sie hätten auch keine andere Wahl. Wir sind einfach die allerbesten Freunde und waren das auch in Phasen, wo es dem/der anderen mal gesundheitlich nicht so gut ging.
Nun beobachte ich seit einem Jahr, dass meine beste Freundin hin und wieder mit Sachen im Leben überfordert ist, sei es beruflich, sei es privat, die Eltern werden halt älter und kränker, so etwas.
Und da hat sich ein sehr unschönes Muster eingeschlichen, schon mehrmals in wenigen Monaten: Wir telefonieren, ich erwische sie wegen irgendwas auf dem falschen Fuß, sie redet sich zwei, drei Sätze lang "in Rage" - und legt dann auf. Und dann wird nicht mehr rangegangen, gerne auch das Smartphone mal ausgeschaltet, und ich stehe da. Ich bin ein eher unsicherer Mensch, habe dann jedes Mal Angst, dass die Freundschaft zu Ende gehen könnte. Jedes Mal endet es in einer Aussprache, jedes Mal im Versprechen, genau das nie wieder zu tun.
Bis zum nächsten Mal.
Ich kann sogar verstehen, dass man mal überfordert ist und dass das dann der abbekommt, der einem am fast nächsten steht. Auch das Auflegen ist nicht der Kernproblem. Das Kernproblem ist, dass dann eben nicht, sagen wir eine Stunde später, ein "Sorry, war gerade viel, ich melde mich, wenn ich wieder ruhiger bin" kommt. Es kommt dann immer nur was von mir.
Jetzt gerade ist es wieder so. Es wurde aufgelegt. Ich habe dann geschrieben, dass ich mir gewünscht hätte, dass sie einfach sagt, dass ihr das alles gerade zu viel wird und nicht einfach auflegt. Heute Abend wäre ich an sich bei ihr zu Besuch. Was meint ihr? Hinfahren? Hoffen, dass wir uns wie immer vertragen?
Ein wenig habe ich Angst, dass sie das macht, weil sie es mit mir machen kann.
Die Situation heute hatte sich angedeutet, Überforderung flutet bei ihr immer an, dann kann man das eine Weile noch mit viel Mühe auf Kurs halten - und dann bricht es aus.
Ich hab sie sehr lieb. Sie micht auch, das weiß ich. Aber mich zermürbt das total. Und gerade vor Weihnachten will ich so gar keinen Streit, wir feiern auch immer einen Tag gemeinsam.
Jetzt "auf den Tisch hauen"? Oder nicht? Oder nie? Ich bin in 50 Wochen des Jahres sehr froh über diese Freundschaft, es gibt immer so zwei Wochen, da hab ich das Gefühl, dass ich bitte und bettele, damit sie "bei mir bleibt". Ich weiß nicht, ob ich das noch kann und will.