soulsea
Gast
Writer, ich dachte mir schon, dass du dich da mit den Namen vertan hattest. Trotzdem möchte ich dazu jetzt etwas schreiben. Ich habe mal in einer Werkstatt für geistig Behinderte ein Praktikum gemacht. Ist schon lange her. Erst hatte ich eine große Scheu davor, konnte mir das gar nicht vorstellen, aber ich brauchte einen Praktikumsplatz für das, was ich eigentlich beruflich vorhatte.
Und was passierte? Ich entwickelte eine ziemlich große Zuneigung zu diesen Menschen. Obwohl es manchmal Situationen gab, die ganz schrecklich für mich waren. Da ist eben viel in ihnen, was einfach pur rauskommt, wenn es raus will. Positive und negative Gefühle. Ohne Berechnung und nicht gesteuert von irgendwelchen "normalen" Verhaltensregeln... eben ohne darüber nachzudenken, weil sie das eben nicht können - sage ich mal so. Im weitesten Sinne ein ewig kleinkindliches Verhalten. Und nicht unbedingt mit dieser Mischung an Gefühlen, die ein kleines Kind hat.
Jedenfalls verschwand meine Scheu fast augenblicklich im Umgang mit ihnen. Es entwickelte sich etwas, was es mir dann nach 6 Mon. unmöglich machte, mich von ihnen zu verabschieden, meiner Gruppe. Ich brachte es nicht fertig. Mir ging es total schlecht morgens am Abschiedstag meines Praktikums. Und ich blieb zu Hause. Sah sie nie wieder. Ich hatte Angst vor meinen Gefühlen beim Abschiednehmen. Hatte Angst, davon überflutet zu werden. Lebe damit, feige gehandelt zu haben.
Ein Narzisst denkt viel. Kann mehr denken als fühlen. Oder?
LG soulsea