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mit Interesse verfolge ich den erstaunlich regen Austausch über Eure Erfahrungen mit (männlichen) Narzissten.
Der Grund ist simpel: Ich erkenne teils verblüffende, teils aber auch erschreckende Parallelen zu meiner letzten Partnerschaft. Was Euch jetzt wahrscheinlich überrascht: Ich wäre hierbei in der Rolle des männlichen Narzissten und bin nun dabei, alles so exakt wie möglich aufzuarbeiten, um zu schauen, wo ich ansetzen muss, damit ich nächstes mal ein besser Partner sein kann.
Bei dieser Analyse fällt mir einerseits auf, dass es sehr schwierig zu ergründen ist, da jede Partnerschaft ja nun mal auch anders verläuft. In meinem Fall gab es so viele Probleme, ausgelöst durch völlig unterschiedliche Partnerschaftsverständnisse und auch völlig unterschiedlichen Lebenssituationen. Für mich miserable Rahmenbedingungen kamen hinzu.
Wenn ich jetzt zum Beispiel hier lese "Narzissten akzeptieren keine Freundschaften und wollen die soziale Interaktion ihrer Partnerin auf sich reduzieren", geht bei mir erstmal eine Alarmlampe an, weil auch ich gegen Freundinnen von ihr wetterte und insgesamt eine wichtigere und zentralere Rolle einnehmen wollte. Mit zunehmender Unzufriedenheit fielen auch fürchterliche Worte.
Aber dann sehe ich wieder die Auslöser. Mich hat es zum Beispiel verletzt, dass sie sich alleine mit Ex-Freunden trifft und mit ihnen z.B. ins Kino geht.
Mich hat es verletzt, als ich von einem "Kumpel" von ihr ihr Handy abholen musste, weil sich beide zu zweit abends/nachts in einer Disco abgeschossen haben.
Mich hat es z.B. auch sehr genervt, als jener Kumpel ihr eine SMS schrieb, was ihr denn einfiele, mit mir (ihrem Partner) spontan für ein Wochenende zu verreisen, wo sie doch darüber nachgedacht haben (es war nichts konkretes verabredet), sich mal wieder zu treffen.
Ich könnte noch weiter aufzählen, breche hier aber mal ab.
Also Fazit: Sie pflegte eine...sagen wir mal...sehr offensive soziale Interaktion zum anderen Geschlecht ohne zu merken, dass natürlich ein gewisses Interesse auf der Gegenseite entsteht und mich das als Freund natürlich verletzt.
So...und dann etwas später wurden wir durch ihren Ausbildungsgang auch noch geografisch getrennt. Fernbeziehung.
Bei mir gingen alle Alarmlampen an. Ich ahnte, dass die Distanz in Verbindung mit ihrer offenen Art der sozialen Interaktion mir das Genick brechen würde, das Maß an "Exklusivität", das ich in einer Beziehung wie die Luft zum Atmen brauche, nicht mehr gegeben sein wird. Die Sorge davor warf mich völlig aus der Bahn, ich wurde sogar krank.
Tja, und so kam es dann auch. Nicht ich war bei ihr zu Hause, sondern die vielen neuen Freundinnen (ein Kerl war auch wieder dazwischen). Nicht ich konnte im Notfall für sie da sein, sondern die Freunde. Wir haben zwei Parallelleben geführt, kein gemeinsames.
Meinem Anspruch an Partnerschaft wurde das nicht ansatzweise gerecht und es ergab sich schließlich ein Bild, dass ich klar dominant war, böse Worte wählte und sie letztlich auch vieles versucht hat, mir zu gefallen, aber ich war nie zufrieden.
Typisch narzisstisch, das habe ich hier sehr häufig gelesen. Gibt mir zu denken.
Aber es spielen doch so viele Aspekte eine Rolle. Auch einige Vertrauensbrüche ihrerseits. Und sicherlich auch ein Stück weit meine Sorge, dass sie mit männlichen Mitmenschen wieder "zu weit" gehen würde.
Aber ich mächte jetzt weg von meinem Beispiel...diese ganze Geschichte hat noch sooo viele Farcetten. Das führt hier aber zu weit.
Ich möchte einfach nur darauf hinaus, dass alleine schon die Anzahl der Betroffenen, die vielen Seiten dieser Threads irgendwie ein merkwürdiges Zeichen sind.
Männer waren schon immer auch ein Stück weit Machos und die Konflikte über Exklusivität und die Rolle von Freunden gibt es auch seit eh und je.
Manchmal denke ich, dass man diesen Phänomenen einen Namen gibt, sie als Krankheit deklariert, Psychiologen abkassieren und als positiven Nebeneffekt können betroffene Frauen auch ein Stück weit Stärke darin finden, wenn der EX nun ein geisteskranker ist.
Und noch etwas: Die besitzergreifenden Macho-Männer sind jetzt Narzissten. So weit, so klar. Dann möchte ich aber auch mal gerne wissen, wie die Bezeichnung für Frauen ist, die sich über das Anbändeln an Männer und einer hohen Taktzahl sozialer Interaktion Bestätigung suchen. Welche "Krankheit" haben denn diese Frauen? Die vergeben sind, aber aufreizend in Discotheken rumlaufen, um sich darüber die Bestätigung bei den Männern zu suchen? Die damit ihre Partner verletzen und Unruhe in die Beziehung hereintragen?
Dieser "Typ Frau" soll jetzt nur ein Beispiel sein für die Vielzahl verschiedener Charaktäre, die mit ihren Verhaltensweisen Beziehungen gefährden.
Es gibt sooo viele...wir haben nur noch nicht allen einen Namen gegeben.
Fazit: Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich mit solchen Phänomenen wie Narzissmus auseinandergesetzt wird und ich werde mir weitere Gedanken machen, inwieweit ich davon betroffen bin.
Man sollte aber gewaltig damit aufpassen und den Begriff nicht so inflationär verwenden, wie das hier teilweise geschieht. Es gibt sehr viele Persönlichkeitsmuster, die in einer Beziehung, je nach Verlauf, Störfaktoren sein können. Wir haben nur noch nicht alle als Krankheit identifiziert. Und noch nicht alle haben einen Namen!
Ich wünsche Euch alles Gute!

und die Zuversicht, dass die verschwendete energie ein Ende haben kann.
