@Thymian
Zitat:Ich stelle wieder fest, es kann mich von mir selbst abbringen wenn ich zu viel gegen meinen N wettere- es ist dann fast ein wenig so, als sei ich wieder in der Beziehung zu ihm.
So geht es mir auch. Nicht, dass das zwischendurch nicht notwendig wäre, es tut ja gut zu benennen was alles passiert ist, sich das in der ganzen Tragweite vor Augen zu führen. Darüber hinaus muss ich mich aber mehr meinen eigenen Anteilen (die nichts mit Schuld zu tun haben!) zuwenden.
Zitat:Ich glaube, das was Betti gerade macht- ersteinmal gar keinen Mann zu wollen, ist vll. das beste was man nach einer Beziehung zu einem N machen kann denn wenn man sich ganz schnell wieder in Beziehung begiebt, ist die Gefahr groß, dass man sich selbst aus dem Fokus verliert. Ich möchte mich, meine Beziehungsmuster genau wie Du es tust ersteinmal wirklich verstehen, mich selbst fühlen, bevor ich mich wieder in eine Beziehung stürze.
Ich will auch nicht mehr. Ich muss mich erstmal selber erforschen, meine Muster aufdecken und verändern, bevor daran überhaupt zu denken ist. Da ich schnell auf die Bedürfnisse anderer anspringe, würde ich meine eigenen wieder viel zu schnell aus dem Blick verlieren. So wie vorher zu anderen, bin ich dabei eine Beziehung zu mir selber aufzunehmen, das ist momentan mehr als genug, weil irgendwie Neuland. Hätte ich vor einem Jahr noch nicht geglaubt, ich dachte immer ich kenne mich gut...Pustekuchen.
Zitat:Und ich schrieb ja am Wochenende, dass ich mich paradoxerweise von keinem Menschen so wie von meinem N gesehen, gespiegelt fühlte...Diese Aussage gab mir selbst zu denken, würde mich auch freuen, von Euch dazu noch etwas zu lesen. Ging es Euch auch so? Worin bestand also diese Spiegelung?
Ich hatte auch eine Zeitlang das Gefühl verstanden, erkannt zu werden und zwar im positiven. Was sich aber nach einer Zeit rauskristallisiert hat war, das er mir meine dunklen Flecken spiegelte. Für ihn ist "Liebe" mit absoluter (einseitiger) Loyalität verbunden. Ich komme erst jetzt dahinter (werde ich nachher gleich in meiner Therapie ansprechen), dass das exakt das gleiche ist, was meine Mutter damals von mir verlangt hat, neben vielen anderen Dingen, die sich so gleichen. Gehe ich also ständig über meine Grenzen (die sehr weit gefasst sind), dann ist es für den anderen gut, fühlt sich für mich aber irgendwann logischerweise nicht mehr stimmig an. Dahinter steckt das Muster, das hier auch schon so oft thematisiert wurde, ganz viel reinzubuttern und trotzdem am langen Arm emotional zu verhungern, kurzgehalten zu werden, sich aber auch selber kurzzuhalten, weil man zwar dagegen aufbegehrt und trotzdem gleichzeitig denkt, man müsste in dieses schwarze Loch noch mehr reininvestieren, bis auf den Grund hinabtauchen- weil da muss doch was sein, ein zu hebender Schatz oder so. Mit dieser Leere kann man sich nicht abfinden, man kann es einfach nicht glauben das da nichts ist.
Wenn man aber den Fokus vom anderen auf sich selber richtet, dann ist da ein hohes Potential sich selber zu entdecken, den eigenen Schatz unter all dem Schlamm.
Zitat:Ich stelle mir vor, ich habe mein Leben lang nur gemalt (weil meine Eltern meinten, in mir stecke eine große Künstlerin). Tatsächlich aber liegt mir das Malen gar nicht, vll. will ich eigentlich Kleider nähen oder Gärten pflanzen...Dann kommt ein Mann und spiegelt mir "Du malst fantastisch! Du bist eine Künstlerin" und ich fühle mich gesehen in dem was ich annehme zu sein. Wenn aber einer kommt und mir nicht sagt: so und so bist Du, sondern einfach nur offen fragt: wer bist Du? was machst Du gerne? werde ich unsicher weil ich ja noch gar nicht begonnen habe, Kleider zu nähen und Gärten zu pflanzen. Ist es das vll.?
Das ist eine schöne Metapher und ich verstehe genau was du meinst. Man sieht/lebt sich durch die Augen des Anderen und definiert sich darüber. Die eigenen, meist verschütteten Anteile/Potentiale werden lange gar nicht wahrgenommen und haben sich bei mir oft in einer Art innerem Groll ausgedrückt, nicht genug gesehen und gewertschätzt zu werden. Ich kenne das aus meiner Kindheit sehr gut.
Zitat:Zitat:
Also erklärt mir einer von Euch noch mal kurz das Wort Dissoziation?
Ich kanns Dir nicht wissenschaftlich korrekt beschreiben aber leide selbst teilweise darunter. Es ist eine Art Abgespaltenheit von seinen eigenen Gefühlen. Man ist wie taub, wie in Trance. Ein alter Schutzmechanismus in traumatischen Situationen...Man erlebt z.B. als Kind wiederholt Gewalt und spaltet irgendwann alle Möglichen natürlichen Reaktionen wie Wut, Trauer ab (hätten die Eltern ja abgelehnt) und wenn nun im Verlauf des Lebens ähnliche Situationen wieder auftauchen, erlebt man sie ohne diese Wut, ohne diese Trauer...Das kann man meistens auch regelrecht körperlich erleben- alles scheint wattiert, dumpf, man ist nicht im Kontakt mit sich.
Ist ja ein Ding! Genau diese Zustände kenne ich nur zu gut. Ich habe seit der Geschichte mit dem N oft dieses ""wattierte" Gefühl, kenne es auch aus vergangenen Geschichten. Ich neige dazu, schreckliche Situationen sofort irgendwo in meine dunkle Kammer abzuspalten, Wut und Trauer dringen nur sehr spärlich durch. Meine Therapeutin sagt mir immer wieder, das ich da ran müsste, das alles endlich mal fühlen. Manchmal dringt es auch durch und dann fühle ich mich wirklich schrecklich. Ich kann das gar nicht weiter beschreiben, es ist grausam. Am liebsten wäre es mir "schnipp"...und weiter gehts, ich ahne aber, wenn sich wirklich etwas verändern soll, dann muss ich diese Kammer aufmachen und mir diese Gefühle ansehen, wahrnehmen und annehmen.