Zunächst möchte ich einmal sagen: Ich verstehe die Attacken gegen die TE absolut nicht!
Wie sie in ihrem Eingangspost geschrieben hat, ist sie schwierig und as.uell, also nicht eben das, was gerade herausragend beziehungserfreulich ist.
Wünschenswert wäre es, wenn nicht 5% so selbsterkenntnisfähig, selbstkritisch und zudem auch lösungsorientiert wären wie die TE, sondern 95%. Dann würde es gleich ganz anders aussehen. Aber leider meinen ja im Normalfall noch die größten Vollkoffer, die am allerwenigsten für eine Beziehung geeignet sind und an sich dafür gar nicht in Frage kommen, sie seien letztlich ja doch die Traumprinzen und -prinzessinnen schlechthin und alles andere als unzumutbar. Und schon gar nicht kommen sie in ihrem Beziehungsdelirium auf die Idee, auch entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Sonst kämen sie ja in die unglücklich Lage, alleine dazustehen oder sich mühsam womöglich über Jahre mit sich selber auseinandersetzen zu müssen, um sich vielleicht erst einmal überhaupt zu einer halbwegs annehmbaren Beziehungsfähigkeit zu entwickeln.
Das Zweite ist: Der TE wird vorgeworfen, sie behandle ihren Mann wie ein kleines Kind. Ob man es glaubt oder nicht, ob man es wahrhaben will oder nicht - es gibt auch Erwachsene, jeden Alters, und es sind nicht einmal wenige, die SIND auf der emotionalen Ebene Kinder. Und was macht man mit Kindern, damit sie sich entwickeln und auf eine andere Spur kommen, um letztlich aus dem Nest fortfliegen zu können? Man wird sie da und dort etwas anschubsen. Und das wird man kaum für etwas Schlechtes befinden können. Aber sobald das Kind in einen erwachsenen Körper gekleidet ist, sollte dies anders sein?
Auch finde ich es völlig nachvollziehbar, daß die TE nicht länger den Leidensgrund für ihren Mann abgeben will, selbst wenn dieser darin sein heimliches Glück finden sollte.
Ich würde nicht anders handeln, wäre ich in einer Beziehung und würde erkennen, daß meine Partnerin wegen mir mehr oder weniger nur leidet oder meinetwegen auf vieles Wesentliche verzichtet. Denn auch ich möchte nicht der Grund sein für ein versautes Leben.
Das wäre dann zwar nicht ihre Entscheidung, aber meine, und wenn sie nicht grundsätzlich der Leidenstyp ist, wird sie froh sein über diese Entscheidung, und sollte sie es doch sein, so wird sie mit Gewißheit wieder jemanden finden, der ihr wieder das Leiden ermöglicht. Ich würde jedenfalls nicht derjenige sein wollen, der neben sich alle Lichter eines anderen Menschen ausgehen sehen will. Auch dann nicht, wenn es dessen Lebenserfüllung sein sollte. Ebenso, wie ich keine Partnerin täglich auf die Folterbank schnallen würde, nur weil ihr das vielleicht gefällt. Mein Ding wäre es eben nicht.
Was sich hier alles im tieferen Untergrund abspielt, welche unbewußten Verstrickungen es hier geben mag, das wird sich kaum erkennen lassen aufgrund einiger Aussagen. Offensichtlich jedoch ist, daß es hier wohl kaum um eine glückliche Beziehung geht, die beiden guttut und beide weiterbringt, sondern um eine Beziehung, die beide leiden macht. Wenn der Mann der TE dennoch daran festhalten will aus angeblich edlen Motiven, dann ist das natürlich seine Sache. Aber es ist ebenso die Sache der TE, aus noch edleren Motiven daran eben nicht mehr festhalten zu wollen.
Einem gefangenen Vogel die Käfigtür zu öffnen, kann so falsch nicht sein. Noch dazu, wenn man sich sogar darum bekümmert, daß er hinterher nicht verhungert.
Oft kann man hier den bodenständigen, wenn nicht schon untergründigen Satz lesen: Sei froh, daß Du ihn/sie los bist! Und hier ist es einmal gerade umgekehrt? Erstaunlich!
@Realistin
Ja, wenn ein Partner verdunkelt und negativistisch ist, wird das mit der Zeit auch auf den anderen abfärben, wenn er nicht rechtzeitig die Reißleine zieht. Und leider ergeben, anders als in der Mathematik, zwei Verdunkelte nichts Helles.
Wie lange seid Ihr denn eigentlich schon zusammen? Ich glaube, das hast Du nicht erwähnt oder ich habe es überlesen.
Und hast Du eigentlich auch schon einmal selber den Grund für Deine Verdunkelung erforscht?
@ysabell
Ja, natürlich wird es so sein, daß es auch an der eigenen Problematik des Mannes liegt, warum er überhaupt im Unglück ausharrt und nicht von sich aus die Beziehung bereits verlassen hat. Gewiß wird er seinen Leidgewinn daraus ziehen. So, wie manche gerne süßen Wein trinken, trinken andere gerne bitteren Wein.
In diesem Sinne sehe ich es durchaus nicht so, daß die TE ihn ins Unglück stürze. Jeder ist selbstverständlich seines Unglücks Schmied.
Die Frage ist aber: Was tun, wenn jemand nicht mehr der Hammer sein will, mit dem das Unglück geschmiedet wird? Ein Zwang dazu wird ja nicht bestehen, auch wenn so manche den sogar mit Lust und Schadenfreude ganz vergnügt ausleben.
Es wird also nichts bleiben, als daß die Steine irgendwie ins Rollen kommen, und da dies der Mann selber ja nicht einmal will, werden sie durch etwas anderes ins Rollen kommen müssen, soll es nicht bleiben, wie es ist, bzw. sich weiter verschlechtern.
Man muß bei solchen Negativ-Beziehungen ja auch bedenken, daß sie immer weiter nach unten ziehen und die Beteiligten immer mürber, lebloser und - besonders fatal - schickalsergebener machen (zumindest den "schwächeren" Teil davon).
Eine andere Frage ist, inwieweit es irgendwie "berechtigt" ist, für den eigenen Partner vor- und fürsorglich einen anderen Partner zu suchen. Das mag zu weit gehen und kann vielleicht auch nur der Besänftigung etwaiger eigener Schuldgefühle dienen oder einer Überverantwortlichkeit entstammen. Dennoch finde ich dieses Ansinnen nicht gar so abwegig wie offenbar die meisten hier. Der Mann kann dazu ja jederzeit nein sagen und muß sich ja keine neue Partnerin aufdrängen lassen.
Ich kann mich z. b. an einen Fall erinnern, wo jemand, der von einer tödlichen Krankheit betroffen war, einen Partner für den eigenen Partner gesucht hat, oder auch im Fall einer schweren Behinderung ist mir einmal etwas ganz Ähnliches zu Ohren gekommen. So verwerflich, wie es scheint, ist das nicht. Auch wenn es natürlich sehr ungewöhnlich ist. Aber nur, weil etwas ungewöhnlich ist, muß es ja noch nicht bösartig oder schädlich sein.
Meine Idee dazu, die ich ja auch schon geäußert habe, war ja eine andere. Nämlich daß beide dort wohnenbleiben sollten, auch an ihrem Verhältnis gar nichts großartig ändern sollten, aber eben eine Frau gewissermaßen in diese Gemeinschaft holen, die dem Mann dann eine Partnerin im eigentlichen Sinne ist und sein kann. Leicht wird die zwar nicht zu finden sein, aber völlig ausgeschlossen ist es auch nicht. Bisweilen kommt so etwas ja auch heimlich vor, und wenn es sogar heimlich funktioniert, warum sollte es dann nicht auch unheimlich funktionieren können? Wer die ausgetretenen Pfade verlassen will, muß auch das Außerordentliche wagen, selbst um den Preis, dafür zunächst einmal von der Gewöhnlichkeit gesteinigt zu werden. Ist der Schädel dick genug, wird man auch das überleben, und ist er es nicht, wird man ohnehin nicht auf solche Gedanken kommen.