Zitat:>>Oh je, wenn ich einer von Euch wäre, würde ich denken, was ist der Typ (also ich) für ein Weichei.<<
Nein! Im Gegenteil finde ich, dass du und ihr alle Chancen der Welt habt, um die Kurve noch mal zu kriegen. Und das liegt unter anderem auch hieran:
Zitat:>>Ich müsste es nicht verlangen. Sie wollte es mir erzählen, aber ich will es nicht wissen. Vielleicht ändert sich irgendwann meine Einstellung, aber momentan könnte ich ganz schlecht damit umgehen.<<
Du hast nämlich so viel Lebenserfahrung, dass du die Gefahren von Zuviel-Wissen kennst. Alles, was wir wissen, müssen wir auch verarbeiten. Und gerade dieses Wissen würde spontan Bilder erzeugen. Ob du diese Bilder verarbeiten kannst oder ob sie dich traumatisieren weißt du vorher nicht. Und das scheint dir bekannt zu sein.
Ich sehe es nicht so, dass du die Augen vor etwas verschließt, sondern ich sehe es so, dass du Schädliches vom Nützlichen unterscheiden kannst; Positives vom möglicherweise Negativen. Dabei hat man als intelligenter Mensch auch die Möglichkeit, aus scheinbar Negativem positive Schlüsse zu ziehen. Und am Ende des Ganzen könnte stehen, dass diese Episode notwendig war, damit ihr beide den Wert eurer Beziehung (und die Stabilität, die ihr überraschenderweise zu eigen ist) schätzen lernt und daraus Konsequenzen zieht.
Zitat:>> Ich muss aber erst für mich herausfinden, was ich will. Will ich mit der Frau zusammenbleiben, die mich hinter meinem Rücken betrügt und verlassen wollte? Diese Frage konnte ich mir nicht innerhalb von weinigen Tagen, auch nicht innerhalb von Wochen beantworten und ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht.<<
Sie hat hinter deinem Rücken etwas getan, das dich verletzt, weil es heimlich war und weil es auf einen Ausbruch hinaus gelaufen ist. Solche Episoden haben nun mal die Eigenschaft, ein Eigenleben zu entwickeln, auf das die Protagonisten nicht soviel Einfluss haben, wie sie es wünschen würden und wie sie es zu Beginn glauben. Deine Frau ist also in einen Sog geraten, der sie ins Unrecht gesetzt hat, weil das vor dir verborgen blieb und weil es eine Trennung zur Folge hätte haben können. Hat es aber nicht.
Stattdessen redet ihr intensiver miteinander als vorher, stellt fest, was euch aneinander bindet
Zitat:>> Mmhhh ... wir haben gemeinsame Träume, Reden - unabhängig von dem was vorgefallen ist - immer miteinander, schmieden gemeinsam Pläne für uns, unsere Kinder und was eben anliegt.<<
und ihr schmiedet Pläne, habt gemeinsame Träume. Warum um Himmel willen sollte man das wegwerfen? Würdest du trotz der positiven Entwicklung auf der Trennung bestehen, so wäre das als Strafe an deine Frau zu verstehen, weil sie Verbotenes getan hat, das außerhalb eurer Vereinbarungen lag. Du würdest dich selber aber genau so bestrafen, und darin kann kein intelligenter Mensch einen Sinn sehen. Ich jedenfalls nicht und du glücklicherweise auch wohl nicht.
Zitat:>>Gestern Abend lag ich mit tränen im Bett. Ich dachte meine Frau schläft ... hat sie wohl nicht. Sie fing von sich aus an mit mir drüber zu sprechen, dass sie mit ihm geschrieben hat. Auf die Frage, ob sie wisse was sie mir damit angetan hat und wie sehr sie mich verletzt hat.<<
Gut! Es wurde deutlich ausgesprochen, was es bei dir angerichtet hat. Sie weiß das nun und muss daraus Konsequenzen ziehen.
Zitat:>>sagte sie, sie habe einen Schlussstrich gezogen und ihm klar gemacht, dass sie bei mir bleiben will und nichts mehr mit ihm zu tun habe wolle. <<
Das ist eine ENTSCHEIDUNG. Eine Entscheidung für dich und für euch als Paar. Und damit steht bei euch jetzt , wenn du das willst, das WIR wieder im Mittelpunkt. In euren Gesprächen sollte es nicht mehr um Du-Botschaften gehen, sondern es sollte darum gehen, wie ihr dieses GEMEINSAME PROJEKT anpacken und zu einem Erfolg führen könnt. Dabei sollte in den Formulierungen immer wieder das WIR vorkommen.
Zitat:>>Daraufhin fragte ich, warum sie ihn nicht schon Anfang des Jahres blockiert habe. Sie meinte, dass sie sich eben gut mit ihm verstanden habe und sie auf freundschaftlicher Ebene mit ihm zu tun haben wollte - also zum Geburtstag gratulieren, über Musik unterhalten etc. - was aber nicht ihrer Aussage nach nicht geht, da er mehr will und sie nicht.<<
Das ist stimmig. Ich habe es oft in Begleitungen erlebt, dass Paare, die es in angehenden Affären zueinander gezogen hat, für einen Vernunftsentscheid dieses Hintertürchen gesucht haben (Freunde bleiben zu wollen). Und ebenso oft habe ich erlebt, dass ihnen das nicht gelingt. Es ist also nichts dagegen einzuwenden, dass sie das so gedacht hatte, es wäre nur etwas dagegen einzuwenden, wenn sie versuchen würde, das durchzuziehen. Das will sie aber gar nicht. Sie hat sich gegen ihn entschieden und für dich.
Diese Entscheidung hinterlässt bei ihr Narben und schmerzende Stellen. Die muss sie heilen, das ist nicht deine Aufgabe. Aber es wäre hilfreich, wenn du berücksichtigst, dass es ihr Mühe bereitet. Das ist nicht gegen dich gerichtet, es ist ein normaler Prozess.
Zitat:>>Sie meinte, sie hätten sich monatelang nicht geschrieben, er habe sie die Tage angeschrieben und als sie gemerkt habe in welche Richtung es (wieder) läuft, habe sie den Kontakt abgebrochen und ihm mitgeteilt, dass sie das nicht mehr will.<<
Mir ist klar, dass es naheliegt, das nicht zu glauben. Aber dann wird ein neues Fass aufgemacht, von dem man nie weiß, ob man es bewältigen kann. Also rate ich dazu, es als Tatsache zu nehmen, nicht in Frage zu stellen und es als eines der Fundamente für euer gemeinsames Projekt Neuanfang zu nutzen.
Das alles ist natürlich noch fragil. Aber die Chance ist meines Erachtens größer als die Gefahr. Ich hoffe, ihr könnt sie nutzen.
Dazu meine besten Wünsche.