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Tagebuch zum Untergang einer Ehe

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Es tut mir leid zu lesen, wie sehr er dein Selbstbild entstellt hat. Gut dass du es nicht ganz verloren hast.
Wenn du deine eigenen Texte ließt, als wären sie fremd, erkennst du dein liebenswertes Wesen darin.
Lass dich nicht unnötig verletzen

02.09.2019 00:08 • x 1 #61


Nocheinechance


Man könnte lachen.
Wenn es nicht so weh tun würde.

Weißt du, alles, was du denkst, ist falsch.
Ganz falsch.
Denn an gar nichts hast du allein die Schuld.

An meinen Gedanken bin ich ganz allein Schuld und weißt du was?
Das ist auch viel besser, es so zu sehen.
Da hat man immerhin noch die Illusion, es läge bei einem selbst, daran etwas zu ändern...

Weißt du, dass ich immer, wenn ich an deine Arbeit denke, auch an die Briefe denken muss, von von Kleist?
Daran, dass ich Dir vorgelesen habe und du eingeschlafen bist.
Und dass ich selbst darüber lächeln muss, dass ich etwas stinkig war, weil du eingeschlafen bist, weil mir das in dem Moment so ungeheuer wichtig vorkam.

Dass du am nächsten Tag gesagt hast, dass du erstaunt warst, wie nett man von einem Menschen denken kann und das sogar ausdrücken kann.
Wie froh ich da war, weil du ja doch alles mitbekommen hattest.


Ich muss immer daran denken, dass er geschrieben hat, dass sie mit Gold und Diamanten behängt waren.
Aber wenn sie mit einem redeten, dann kamen sie ihm kalt vor.

So kalt wie das Metall und die Steine, mit denen sie geschmückt waren.

Und dass er das Gefühl hatte, obwohl der Schmuck wunderschön war, er doch vielleicht auch das Schönste an ihnen war...


Daran muss ich immer denken, wenn du etwas von der Arbeit erzählst.

Und das Gefühl, was ich hatte, wenn ich wusste , was du meinst, das mochte ich.
Weil ich dich verstanden habe.
Weil ich immer verstanden habe, warum du dich so fehl am Platz da fühlst.

Und du verstehst nicht, dass diese Verbindung im Herzen manchmal einfach da ist.
Dass die durch keinen Streit und auch sonst durch nichts, zu kappen ist.
Du hast kein Verständnis davon....

Goethe hat das so gesagt:
Es gehört zu den traurigsten Bedingungen unter denen wir leiden, uns nicht allein durch den Tod, sondern auch durch das Leben, von denen getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen und lieben und deren Mitwirkung uns am besten fördern könnte.


Und du meinst, dass ich alles an Dir negativ sehe.
Du denkst das ernsthaft.

Und nur, weil DU dich so siehst.
Das ist irgendwie einfach irgendwann passiert, weil du in keine der Welten richtig passt.
In keiner der Welten bist du richtig und du kannst es auch nicht sein.

Aber das heißt nicht, dass DU nicht richtig bist.
Du hast versäumt, das zu lernen.
Niemand hat es dir gezeigt und niemand hat es dir gesagt.

Und du wurstelst herum an Äußerlichkeiten und verabscheust sie zur gleichen Zeit...


Und du hast keine Ahnung, was du mir bist.

Das ist ziemlich traurig.
Aber es gehört dazu.
Erst später, viel später, wirst du verstehen, was DU für MICH gewesen bist.


Ich hab so viel gelernt an Dir.
Verzeihen lohnt sich.
Verzeihen muss man.
Egal wie.
Man muss so lange nachdenken, bis man es schafft und es nützt nichts, immer auf dem selben Punkt stehen zu bleiben.

Wenn man die Sache nicht verändern kann, aber man kann die Position verändern, aus der man auf die Sache blickt.

Hass, Frustration, Schuld abschieben...
Niemals kann man damit glücklich werden.
Und man muss sich ENTschuldigen.

Wir haben so eine schöne Sprache, eigentlich.
Ein: Es tut mir leid!, heißt, dass man sich seiner eigenen Schuld entledigt.
Das ist doch gut.
Auch wenn man sich davor erst seiner Wut entledigen muss, von mir aus.

Aber du bist doch nicht mal bis dahin gelangt.....
Du kannst das nicht, du weißt dich dann nicht mehr einzuordnen.

Das darf so nicht sein...
Das musst du immer wissen, selbst dann, wenn es niemand sonst versteht.
Mich darfst du auch nicht darüber stellen.
Das gilt nicht.
Das verletzt die Spielregeln.
Niemand muss mit dir klar kommen.
Aber du selbst.
Du musst das....




Komisch, aber du hast mich auch daran erinnert, wie mein Leben in zwei Hälften geteilt wurde in dieser Nacht.

In ein Davor.
Und in ein Danach.

Und, wenn du mich fragen würdest, ich mochte mich selbst Davor lieber.

Ich hatte viele sehr gute Eigenschaften.

Ich war sehr hilfsbereit und ich habe nie nein gesagt.
Das gab es einfach nicht.
Ich habe auch nie darüber nachgedacht.
Nie über irgendeine Berechtigung sinniert.
Jemand hat mich gebeten und ich habe das gemacht und die Leute mochten mich dafür.

Ich habe auch alles verziehen.
Eigentlich gab es ja auch nichts zu verzeihen im eigentlichen Sinn.
Ich hatte ja keinen Anspruch zu stellen.
War froh und dankbar, wenn man sich mit mir abgab.

Da war auch einfach nichts, was das in Frage gestellt hätte.
Nichts in mir oder um mich, ich hatte den anderen möglichst wenig zur Last zu fallen und mir eine Daseinsberechtigung zu erarbeiten und verdienen.

Und wenn mich jemand verletzt hat, war das eben so.
Selbst wenn es höchst unfair war,
war das eigentlich ohnehin, was ich verdient habe, wozu ich da war.
Das war nichts ungewöhnliches oder komisches.
Es war halt so.
Und ich habe darunter gelitten, aber mehr eben auch nicht.

Und, ha, irgendwie passt es ja, kam es mit einem Knall.
Und plötzlich war alles anders.

Auf den Kopf gestellt, umgedacht.
Alles weg.
Wie ein weißes Blatt Papier, was man neu beschreibt.
Mit eigenen Regeln.

Das hat vorallem eines aus mir gemacht: einen Egoisten.
Davor mochte ich mich lieber.


Ich wünschte, du hättest mich auch Davor gekannt.

Und genauso wünsche ich mir, du findest dein Danach.


Und eines bleibt uns: Wenn die oberflächlichen und auf Äußerlichkeiten bedachten Menschen uns über den Weg laufen, werden wir uns immer gegenseitig angrinsen und wir werden wissen, was wir denken.

Du wirst denken: Sag jetzt bloß nicht laut, was du jetzt gerade denkst!

Und ich werde denken: Ey, zu meiner Belustigung: sag doch bitte jetzt einmal laut, was du gerade denkst!

Aber niemand wird etwas sagen.
Weil es ausreicht, wenn wir uns angrinsen.


Ich will dich nicht verlieren.
Ich kann dich nicht verlieren.

Du bist zu wichtig für mich.

Aber ich muss dich loslassen.
Ich muss.
Weil du dich so nicht entfalten kannst.
Und du musst mich loslassen, weil ich mich so nicht entfalten kann.

Aber ich liebe dich.
Mit diesem ganzen Getue, mit diesem ganzen Gequatsche, ich liebe diese Unsicherheiten, die du dir selbst zurecht denkst, ich liebe, was sie aus dir machen.

Aber ich hasse, wie sie dich quälen.
Und ich will das nicht mehr sehen.
Und ich bin trotzdem ein Teil davon.
Weil ich doch auch nicht anders kann...
Ich geben meinen Teil dazu.
Und das ist es, was ich nicht ertragen kann.

Ich hatte es so schön gedacht.
Nur gedacht.

Wie witzig man es haben könnte.
Wie witzig könnte alles sein, was wir tun.
Wie lustig hätten wir auch die schlimmen Dinge machen können, wenn wir nur zusammen und beieinander gestanden hätten und das zusammen erlebt hätten.
Wie oft hätten wir einfach da stehen und uns angrinsen können, wie oft hättest du lachen können über das, was ich nicht hätte sagen sollen und ich hätte gelacht, über das, was du hättest sagen müssen und was wir beide dann nur gedacht haben.

Es hätte schön sein können, weil unsere Überzeugungen sich verstehen.

Ich habe dir nichts anderes sagen wollen, mit dem, was ich Dir alles vorgelesen habe.
Nicht, dass du falsch liegst.
Du liegst nicht falsch.
Du bist du.
Und ich bin ich.

Und ich fühle mich verantwortlich für dich.
Auch, wenn das wahrscheinlich falsch ist.
Bestimmt.
Bestimmt würde jeder Möchtegern-Psychologe (lustig, dass ich sogar Leute, die das studiert haben, als Möchtegern bezeichne) mir sagen, dass das falsch ist.
Bestimmt gibt es Gründe, warum ich das nicht sollte.

Aber ich tus.
Weil du mir ans Herz gewachsen bist.
Man sagt das so.
Aber ich meine das so.
Du bist da dran gewachsen, du bist ein Teil davon.

Und kein Streit und kein schlechtes Wort ändern etwas daran.

Ich weiß nicht, warum das so ist.
Aber es ist so.
Es wird mir nie egal sein, ob es dir gut geht, oder nicht.
Ich werde immer Anteil daran nehmen.


Du hast mir einen vertrauten Menschen mehr gemacht auf dieser Welt.

Einen, der mich verletzt hat.
Der mit mir gelacht hat.
Auf den ich wütend war.

Aber eben einen, mit dem ich in den grundsätzlichsten Dingen überein gestimmt habe.
Sogar, wenn sie uns auseinander gebracht haben.

Du hast mir einen Menschen auf der Welt mehr gegeben, den ich verstehen konnte.
Und glaub mir, davon gibt es nicht so viele....

Und das liebe ich an Dir.
Auch wenn ich hasse, was wir daraus gemacht haben.

Aber das war nicht allein deine Schuld...

19.09.2019 22:59 • x 1 #62


Via

Via


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Hallo
Es sind nun 3,5 Jahre vergangen seit dem ersten Post. Wie hat sich Euer Leben entwickelt?
LG

19.09.2019 23:15 • x 2 #63


Nocheinechance


Oberflächlich ganz ok eigentlich.
Ich bin ja da weggezogen, er ist dort wohnen geblieben.
Ich hatte dadurch eine neue Stelle angefangen, die war nicht der Hit.
Ich hab dann noch mal gewechselt, letztendlich habe ich mich finanziell weit besser gestellt.
Von der Sicht ist es ok.
Auch wohnungstechnisch habe ich mich letztlich verbessert, viel größer und ich zahle das selbe.

Meine Kollegin hat das letztens so gesagt:
Das ist wie mit 16.
Nur dass man zur Arbeit geht statt zur Schule.

Ihm geht es, glaube ich, ganz gut.
Hat wohl auch wie neue Freundin, mit der es ganz gut läuft.
Aber da frage ich auch nicht so genau nach.

21.09.2019 18:34 • x 1 #64


Nocheinechance


Also ich erzähle mal etwas ausführlicher, jetzt kann ich auch mehr erzählen, wir haben eben telefoniert....

Wir haben eigentlich kaum Kontakt.
Ich war ja da weggezogen, habe mich hier, in meiner alten Heimat, neu eingerichtet.
Wohnung, Arbeit, alles halt.
Anfangs war das auch sehr sehr schlimm.
Ich kam nicht wirklich klar mit mir selbst.
Erste Arbeit war doof, Stadt gefällt mir nicht, kaum Kontakte.
Obwohl ich zwei gute Freundschaften, die ich auch schon hatte, bevor ich weggegangen war, wieder neu aufleben lassen konnte.
Das ist sehr schön und freut mich auch.
Meine Familie wohnt auch hier.

Freundschaften von dort sind alle eigentlich eingeschlafen inzwischen.
Von mir so forciert, muss man ehrlich sagen.

Da kommen wir zum eigentlichen Problem:
Ich kann nicht gut zurück sehen, mich macht das fertig.
Ich kann kaum in diese Stadt fahren, ich fühle mich da unwohl und ich kann auch meine eigene Wohnung da nicht mehr betreten.
Das letzte mal, als ich zu einer Eigentümerversammlung da war, bin ich hinten durch den Garten und habe mir von außen angeschaut, was er mir da erzählen wollte, damit ich da gar nicht durchgehen muss.
Wie eine unsichtbare Absperrung.
Er wohnt da ja noch zur Miete (ich bin quasi jetzt seine Vermieterin....) und ich kann aber da nicht mehr hin.
Das liegt nicht an ihm, das liegt an mir.
Ich denke, das ist einfach deshalb, weil das mein einziges, richtiges Zuhause war, was ich je hatte.
Wo man hinkommmt und sich auch zuhause fühlt.
Viel mehr als eine Wohnung...

Naja, wir haben eben recht viel und intensiv gesprochen, sein Leben geht irgendwie weiter.
Er hat Kontakte zu meinen alten Freunden, hat auch schon mal was mit denen gemacht, alle gemeinsam, wie früher wir zusammen.
Alle hatte er über mich kennengelernt.
Ich kann aber sehr schlecht damit umgehen, ich habe alle Kontakte entweder abgebrochen, oder einschlafen lassen.
Ich kann das nicht hören, es geht nicht.
Sogar gute Freunde, mit denen ich teilweise echt viel zu tun hatte: null Kontakt inzwischen.
Mich zieht das jedes Mal zu sehr runter, ich brauche dann Tage, um wieder klar zu kommen und das meine ich echt.
Ich sitze dann tagelang nur zuhause, abgesehen von der Arbeit.
Jetzt gerade ja auch wieder, ich kann nicht, ich weiß nicht, warum.
Obwohl mich schon Leute fragen, was machen wollen, es geht nicht, ich werde regelrecht depressiv davon.
Ich bin nicht mal sauer.
Man könnte ja meinen, ich würde es zutiefst ungerecht finden, dass er da jetzt in MEINER Wohnung sitzt, mit MEINEN Sachen, mit MEINEN Freunden weggeht, sowas.
Aber das ist es nicht.
Es ist auch keiner fies zu mir oder gemein.
Er hat mir gerade sogar noch geschrieben, dass er es schön fand, mit mir geredet zu haben und er hofft, dass wir irgendwann normale Freunde sein können.
aber für mich scheint das unmöglich zu sein.
Wir hatten unsere Zeit und die war teilweise schön und dann aber sehr schlecht und es ist jetzt SEIN Leben.
Und darin habe ich keinen Platz und ich möchte auch keinen haben.
So fühlt sich das an für mich.
Ich wollte hundert Prozent und gegeben hat er mir siebzig und sich letzten Endes dafür entschieden, mich weiter zu belügen, um seiner Familie ein nettes Leben zu finanzieren und es geht gar nicht ums Geld dabei, sondern um das, was das gemacht hat.
Die ganzen Lügen, direkt in mein Gesicht.
Ich will ihn nicht mal mehr bestrafen (eine Zeit lang habe ich mir das gewünscht).
Das ist es alles nicht, ich hoffe, er findet jemandem, mit dem er glücklich wird und ich wünsche ihm nichts schlechtes.
Aber ich komme über diesen Punkt nicht hinweg.
Irgendwie geht das nicht.


Er hat übrigens seine Freundin schon nicht mehr.
Jedes Mal, wenn wir telefonieren (alle paar Monate) erzählt er etwas über eine andere.

Er sagt, er glaubt, er kann sich nicht mehr verlieben.
Er hat das so gesagt:
Ja, ich gehe raus, ich muss mich über Geld nicht beschweren, ich spare nicht mal was von dem vielen Geld, ich mach Urlaub, ich geh feiern, ich lerne Frauen kennen....
Nur glücklich bin ich nicht.
Die glückliche Zeit hatte ich mit dir.
Und ich denke, die ist jetzt einfach vorbei und damit habe ich mich halt arrangiert.

So hat er das eben gesagt.

Wir können normal reden.
Über alles auch.
Er erzählt, dass er mit seinen Jungs in einschlägigen Clubs war, ich lache über die Geschichten darüber.
Auch ohne, dass mir das weh tun würde.
Ich frag mich dann höchstens, wie viel von seinem eigentlichen Leben, was ER gern geführt hätte, was er jetzt eben auch so macht, ich ihm weggenommen habe in der Beziehung.
Denn das überschreiten der Türschwelle zu solchen Clubs wäre für mich ein Trennungsgrund gewesen.
Emojis kommen offensichtlich nicht an, deshalb: hier war ein lachender dahinter.

Achso, ich habe ihn vorhin auch mal gefragt, ob seine Familie (dahin ist ein großer Teil der fünfstelligen Summe, die weggekommen ist, geflossen) , denn mal irgendwas gesagt hat....
Weil ich selbst habe NIE wieder mit denen Kontakt gehabt.
Zu niemandem.
Ich hatte ihn kennengelernt über seine Schwester.
Wir waren mal ganz gute Bekannte...
Mich hat NIE jemand angerufen oder mir geschrieben.
Nichts. Und ich auch nie.


Jedenfalls war seine Antwort darauf, dass seine Schwester wüsste, dass er nie jemanden so geliebt hat wie mich und er manchmal in ihren Augen sehen kann, dass sie sich mit die Schuld daran gibt, dass das auseinander gegangen ist.
Und seine Mutter hat bis diesen Sommer geglaubt, dass wir die Scheidung absichtlich verzögern, weil wir nochmal zusammen kommen....


Tja, so hat sich das entwickelt.
Langsam immer mehr auseinander halt.


Ich denke, ich bin so ein Gewohnheitsmensch.
Ich arbeite gern immer am selben Platz, gehe zu den selben Ärzten, zum selben Bäcker zum selben Einkaufsladen, habe die selben alten Freunde mit ihren Macken und Kanten, fahre das selbe Auto jahrelang, wohne gern für immer da, wo ich mich wohl fühle und schlafe neben dem selben Mann.
Alles, sofern es mich nicht belastet.
Ist der Arzt doof, kann man den wechseln, den Laden auch, den Physiotherapeuten, was auch immer... das stört ja nicht weiter.
Aber eine Beziehung, die belastend ist, ist etwas anderes.
Das haut bei mir ordentlich rein.
Und ich brauche offensichtlich sehr lange, um da wieder klar zu kommen.

Ich habe ja auch jemanden kennen gelernt.
Den ich auch mochte.
Mehr als das.
Viel mehr sogar.
Aber der hat auch so seine Probleme und dass ich es so schwer habe, mit meinem alten Leben abzuschließen, hat, denke ich, viel auch damit zu tun, dass mir mein neues nicht gefällt.

Ich mag die Wohnung nicht.
Ja, die ist fast doppelt so groß, ist auch eine super schöne Wohnung..
Aber es ist nicht mein zuhause.
Ich weiß nicht mal, ob man das verstehen kann, wenn ich das so sage.
Aber ich fühle mich hier wie in einer sehr luxuriösen Übergangslösung.

Ich bin chronisch krank, habe aber hier einmal so ins Klo gegriffen mit einem neuen Arzt, dass ich nicht mal Lust habe, mir einen neuen zu suchen, ich finde die Motivation dazu nicht und lasse notwendige Untersuchungen einfach, seit ich hier wohne, schleifen.
Genau genommen hatte ich nicht eine....
Und fällig wären die eigentlich jedes halbe Jahr.

Mit dem Mann läuft es halt auch nicht.

Ich drücke mich auch davor, mit ihm zu reden, weil ich gar nicht weiß, was ich ihm sagen soll.
Er hat mir vorgeworfen, dass ich manchmal einfach nicht antworte.
Er hat auch gemeint, dass er es schade findet, dass sich unsere Gespräche meistens nur auf Scheidung und Wohnung beschränken, dass ich aber mehr für ihn war und auch immer mehr sein werde.
Ich WILL aber gar nicht mehr.
Ich KANN nicht.

Ich hätte gerne, dass wir zusammen mal was essen oder trinken oder sogar feiern gehen könnten.
Ehrlich, ich würde mir das wünschen.
Kann ich aber nicht.
Ich glaube, wenn er mir jemanden vorstellt (egal ob Mann oder Frau), aus seinem neuen Leben, würde ich heulend aus dem Raum laufen.
Weil ich das irgendwie nicht verpackt bekomme, dass wir mal ein gemeinsames Leben hatten und es jetzt ein anderes ist und das dann noch aufs Brot geschmiert zu kriegen, ist zu viel irgendwie.

Ich glaube, weil ich in meinem alten Leben, auch vor ihm, so glücklich war.
Zumindest sieht es aus der jetzigen Position so aus.
Das ist irgendwie krank, ich weiß.

Ich weiß aber auch nicht, was ich ihm erzählen soll.
Ich will auch nicht nur jammern.
Er versucht das ehrlich freundschaftlich zu halten, mehr als ich das verdiene eigentlich.
Er versucht halt, das auf eine andere Ebene zu heben, wo wir uns nicht ganz verlieren.
Erzählt mir Stories, auch von Frauen.
Ich glaube, um mir zu sagen: Hey,ist ok, ich mach das auch, also erzähl mal von deinen Geschichten, ich freue mich, wenn du glücklich bist.
Er fragt auch nach lustigen Sachen, die mir passiert sind.
Und ich glaube, es zieht ihn runter, wenn ich den Eindruck vermittle, dass ich aber nunmal nicht glücklich bin.

Ich glaube sogar, dass das ein großer Punkt ist, der ihn auch daran hindert, weiter zu kommen.
Weil er sich irgendwie verantwortlich fühlt.
Was er in meinen Augen aber nicht ist.

Sein Ding ist sein Ding und meines ist meines.
Und ICH bin eben so.
Ich brauche halt meine Zeit für Dinge.
Zeit, um mich neu einzuleben, für alles eben.
Mag sein, dass das zu viel Zeit ist, ich weiß nicht.

Irgendwann wird das auch wieder gehen, irgendwann könnte ich mir vorstellen, dass wir sowas wie Freunde sein könnten.
So in meiner Vorstellung.
Weil der unglaublich witzig sein kann.
So ein Spinner halt.
Man hat mit ihm immer etwas zu lachen.
Und im Prinzip bin ich ähnlich gelagert.
Ich glaube, es stört ihn, zu sehen, dass ich das im Umgang mit ihm total verloren habe.
Wir haben so unglaublich lustige Sachen gemacht.
Aber ich kann das nicht mehr.
Ich kann noch über alte Sachen lachen.
Alles, was er neu macht, darüber kann ich nicht lachen.
Es tut nicht weh oder so, aber ich frage mich halt, warum er mir das erzählt.
Warum er will, dass ich das weiß, wenn er sich doch aber mit seinen Lügen für ein Leben ohne mich eigentlich damals schon entschieden hat.
Mich trifft das nicht mehr so.
Aber ich verstehe es halt nicht.

Und dann denke ich, dass das vielleicht nur irgendwie Mitleid ist.
Oder schlechtes Gewissen.
Oder eine Kombination aus beidem.
Und dann denke ich, dass ich dafür aber nicht zur Verfügung stehen muss, weil das ja sein Problem ist.
Nicht meines.
Und dann melde ich mich halt ein paar Wochen wieder nicht zurück, wenn er mich was fragt, weil das so ein blöder Kreislauf ist zwischen nicht verstehen und drüber grübeln und sich mies fühlen und eigentlich bin ich erwachsen und sollte damit besser umgehen können....

Naja.
So hat es sich entwickelt.
Ich glaube, nicht gut.
Hier steht ein Emoji, was zwinkert. Hehe.

22.09.2019 16:19 • x 1 #65


n-ever

n-ever


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Ich finde es völlig in Ordnung, nicht zu antworten. Tut dir bestimmt gut.
Vielleicht möchte er immernoch seine 70% geben und das ist immernoch zu wenig.

29.09.2019 11:30 • x 1 #66


Nocheinechance


n-ever:
Danke für deine Antwort.
Ehrlich Danke, weil du mir eine Sicht gesagt hast, auf die ich so nicht gekommen wäre.

Könnte wahr sein...


Ich hatte an manchen Stellen das Gefühl, dass er manche Sachen sagt, um irgendeine Reaktion zu erhalten.
Aber ich habe nicht verstanden, welche.

Ich verstehe, dass er mir sagen will, dass er auch andere haben kann.
Das sollte ich auch verstanden haben, nachdem er mir Bilder gezeigt hat und alles...
Ich kapiere nicht sofort die Intention.

Aber ich habe gelacht und gefragt, ob er sich das Foto von einer Internetseite gezogen hat.
Hab ihm auf die Schulter gehauen und noch mehr gelacht.
Ihm suggeriert, dass ich das nicht ernst nehme.
Hab ich auch nicht.
Tu ich bis heute nicht.
Zum Glück habe ich so reagiert....

Und DAS empfinde ich eigentlich schon als....
Ich weiß gar nicht als was.

Ich finde es irgendwie beschämend.
Auch für mich persönlich.

Ich sehe jetzt nicht mies aus.
Ehrlich nicht.

Ich finde es aber beschämend, dass man mich auf so eine austauschbare Stufe hebt.
Nimm halt irgendeine andere blonde Tussi und mach sie damit eifersüchtig.
Mit äußeren Werten.


Als wäre ich nur das gewesen.
Das finde ich traurig.
Als ob ich einfach irgendjemand austauschbares gewesen bin für jemanden, mit dem ich so viel Zeit intensiv verbracht habe.
Leere, nette Hülle. Ohne Inhalt.



Auf der anderen Seite finde ich das nicht mal nur traurig für mich.
Mich macht es sogar traurig für ihn.

So eine Sichtweise zu haben ist nicht für die Objekte (Anführungszeichen funktionieren auch nicht...aber sie sollen bei Objekt stehen) traurig.
Sondern auch für einen selbst, denke ich.
Oberflächlich, irgendwie.
Und das ist ja seine Denkweise und nicht meine.

Als ob man gar kein ernstzunehmender Weggefährte war, sondern etwas, was man zur Schau stellen konnte.

Am Ende komme ich damit klar.
Muss ich ja.
Ich kann mich da schon irgendwie raus denken ohne, dass ich eine miese Wut habe, die ich auch gar nicht haben will, weil die einen ja auch nicht weiter bringt.

Aber ich werde mir bei diesem Menschen nie klar sein über seine Absichten, und das ist traurig.
Weil ich deshalb auch immer einen gewissen Zweifel an mir selbst haben werde.
Ich kann mir nie sicher sein.
Über seine Fehler. Oder über meine.

Was mir noch in dem letzten Telefonat aufgefallen ist:
Er übernimmt keine Verantwortung für seine Sachen.
Ich spreche ihn auf etwas an, und mir fällt das schwer.
Mir fällt das schwer, weil ich keine weiteren Lügen hören will.
Ich kann auch keine Freundschaft aufbauen, wenn ich das merke.
Und ich WEISS das.
Ich WÜRDE aber gern eine Freundschaft haben.
Also stelle ich Fragen auch nur sehr zögerlich...
Wenn ich denke, er ist locker genug, um mir die Wahrheit zu sagen.

Aber manchmal merke ich, dass er weiter lügt.
Dieses Schauspiel, was er so gut drauf hat.

Er ist nie er selbst.
Vor mir nicht.
Vor Freunden nicht.
Vor seiner Familie schon gar nicht.

Das geht so weit, dass ich Angst vor ihm habe.
Angst davor, dass er einen Spruch bringt, der mich extrem verletzt, von dem er WEISS, dass er mich extrem verletzt.
Ich aber nichts sagen kann, weil man ihm das immer als Witz oder als Scherz auslegen könnte.

Und diese Angst besteht bis heute...

Obwohl er eigentlich nichts mehr sagen kann.
Ich bin zu weit weg davon.
Mir macht es nicht mehr soviel.
Egal was er machen könnte: Es kann nicht schlimmer kommen.

Und ich habe immer gedacht:
Ok.
Kommst du schon mit zurecht.
Kannst du drüber stehen.
Baust Dir halt alles neu auf.
Haste einmal geschafft.
Schaffst du auch ein zweites Mal.

Und das werde ich auch.

Aber immer, wenn ich mit ihm rede, bin ich zerrissen, zwischen einer (meiner eigenen!) netten Denkweise und einer, die ihm nur schlechtes unterstellt.

Und ich frage mich immer, ob ich mit meiner vorsichtigen (auch hier stehen wieder Anführungszeichen) Denkweise nicht etwas total ungerechtes unterstelle.
Oder ob ich vielleicht das Problem bin.
Ich selbst.
Mir diesen vielen Gedanken.

Und jemand, der einen immer in diese Selbstzweifel fallen lässt...
Mit einem Anruf...
Mit ein paar Aussagen.
Das kann ja nicht gut sein.

Aber ich bin mir nie sicher, ob er das Problem ist, oder ich.

Und ich werde noch ewig brauchen, um das objektiv beurteilen zu können.

Und deshalb will ich lieber gar nicht antworten.

Und ich finde das an mir selbst inzwischen komisch.
Und damit komme ich auch nicht sehr gut klar.
Obwohl sich das alles etwas sehr krass anhört.
Der Alltag geht halt schon weiter.
Aber mein Innenleben ist etwas verwirrt.
Und hier steht wieder ein lachender Smiley.
Immerhin...

30.09.2019 20:47 • #67


Nocheinechance


Es ist irgendwie einfach.
Und das ist es, was ich an Dir mag.

Dass du mich um einen Gefallen bittest, oder zumindest so tust.

Würdest du, könntest du?

Und ich sage: Klar. Aber an EINEM Tag? Etwas anstrengend.

Und du machst ALLES.
Buchst ein Hotel, besorgst einen Mietwagen.
Alles auf meine Bequemlichkeit bedacht.
Achtest darauf, dass wir Essen und Spaß haben dabei.
Bist chillig, stresst nie.

Hast Tränen in den Augen, wenn ich sage, dass ich damit noch den nächsten Monat abwarten muss, weil es einfach vorher nicht geht und du weißt, dass ich mir das so sehr wünsche.

Ich weiß, du willst mir helfen.
Ich weiß es, wenn ich den Umschlag, den du mir aufzwängst, in die Heizung stecke und wieder raus hole, aus Angst, er könnte brennen.

Ich weiß es, weil du merkst, dass ich paranoid werde, wenn überhaupt Bargeld im Haus ist.
Ich weiss es, weil du es mir mal einfach überhaupt nicht sagst, dass du das ganze Geld einfach dabei hast.


Ich weiß, dass du mir helfen willst.
Aber du musst dabei auch MICH akzeptieren.
Ich will das nicht.

Ich will keine Almosen und ich spare lieber dafür und liebe es dann umso mehr, weil es einen WERT hat.

Geschnorrte oder irgendwie erschlichene Dinge haben keinen Wert für mich.
Auch wenn sie perfekt sind ansich.
Aber sie bedeuten dann nichts.


Ich habe lieber Dinge, die nicht sooo perfekt sind und wenn ich meinen Vater frage, ob ER glaubt, dass ich eine Terrasse selbst verlegen kann, dann sagt er:
Klar, das haben wir doch schon gemacht.
Split und Kies drunter, Platten drauf, du kennst das doch.
Aber wird sicher einige stolperfallen geben, wenn du das allein machst.


Aber ich mache mir Sorgen um das schwere Heben auf dem Weg.

Weil DAS haben die Männer gemacht....


Sogar als ich noch einen Mann hatte, den ich gerade noch dazu bringen konnte, die Steine in das Auto zu heben und ich sie dann von dort stückchenweise in eine Mülltonne gelegt und zum Garten gezogen habe und mir irgendwann ein Freund aus Mitleid geholfen hat, weil ER das vor seinem Urlaub nicht mehr geschafft hat, sie mir dahin zu tragen.....
Sogar da haben die richtige Arbeit ja eigentlich die Männer gemacht.

Aber mir ist das peinlich.
Unangenehm.
Und ich würde von mir aus niemals danach fragen.
Nur meinen Vater.
Und sogar den frage ich nur nach seiner Meinung.
Ob er glaubt, dass ich eine Terrasse verlegen kann.
Ich würde sogar den nie fragen, ob er mir hilft.

Weil es MEIN Garten ist.
Mein Problem, wie ich das mache.
Ich wollte den und muss damit dann andere nicht belasten.
So denke ich das.

Du hast dich über diese Denkweise am Anfang furchtbar aufgeregt.
Inzwischen machst du dich nur noch lustig und das ist mir viel lieber.
Weil ich stur bin.
Sturer als du.


Ich will das nicht.
Ich will nicht, dass du dich um Dinge bemühst, die MEIN Wunsch sind.
Ich freue mich viel mehr, wenn du irgendwann kommst und sagt: Ist cool geworden. Ich fühle mich wohl hier.

Wenn wir da herum hängen, lachen, Spaß haben.
Nicht perfekt aber halt mit Wohlfühlcharakter.

Und ja......
In dem Punkt hast du Recht: Auch, damit ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn es auseinander geht und ich es behalte.

Das hatte ich schon und das hat mich tief getroffen.
Mein zuhause war weg.
Bis jetzt habe ich kein neues.

Ich weiß sogar, dass mein eigenes Denken in eine Sackgasse führt und wenn du darauf beharren würdest, würde ich Dir dann auch den Garten lassen...

Weil ich so bin.
Ich ziehe mich dann lieber zurück und baue alles neu auf.
Den Stress kann ich schlecht vertragen.
Es macht mich nicht glücklich Krieg zu führen gegen ehemalige Freunde.


Und trotzdem..... ich will das mit dir.
Ich will ein Zuhause mit Dir.
Wo wir uns beide zuhause fühlen.
Ich will nicht mit dir zusammen sein und das Gefühl haben, dass alles halbherzig ist.

Und du veralberst mich.....
Du tust so, als wärst du auf mich angewiesen, aber dann fängst du langsam an, dass du dein Auto doch nicht abgeben willst und dass du ja eh den Firmenwagen bekommst und dass vier Autos für zwei Leute dann viel zu viel sind.....

Mein Auto ist nicht toll.
Und alt ist es auch.
Ich weiß.
Aber es ist MEIN Auto und es hat mich nie im Stich gelassen.
War günstig und dankbar.
Und ich mag solche Sachen.

Und ich verstehe, wenn du unsere Leben in einem Leben denkst.

Aber du hast auch Mist gemacht mit mir.
Und ich finde, du kannst nicht erwarten, dass ich einfach deinem Sinneswandel vertraue.
Warum sollte ich?
Etwas provokativ frage ich dich das auch manchmal.
Warum sollte ich?


Unfair.
Vielleicht.
Bestimmt.
Selbstgerecht.
Ganz bestimmt ziemlich unfair und selbstgerecht.


Aber ich SEHE, was du versuchst.
Sogar, wenn ich weiß, dass du gegen Mauern rennst, nehme ich wahr, was deine Absicht ist.

Das solltest du wissen.
Auch wenn ich es dir niemals so sagen würde.
Ich würde es dir nicht sagen, weil es eine angriffsfläche bietet.

Aber ich nehme es wahr.
Und deine positive Einstellung zu mir, die eigentlich viel zu nett ist.... aus meiner Sicht....

Die macht, dass ich am liebsten an deinem Rücken schlafe. Immer.
Jede Nacht.
Für immer.
Seit eineinhalb Jahren.

Ich liebe die Art, wie du mich siehst.
Ich liebe, wie du riechst.
Ich liebe so vieles an dir, dass ich denke, ich kann sagen, dass ich dich liebe.

Sieh mal wie du bist....
Du bist einfach liebenswürdig.

Witzig.
Doof.
Menschenfreundlich.
Entspannt.

Du bist ein guter Mensch.

Ich finde nur mies, dass DU dich nicht so siehst......

Das müssen wir ändern.
Du deinen Anteil.
Und ich meinen....

Gerade eben • #68




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