Ich habe mich auch schon versucht in die Situation hineinzuversetzen, wie es gewesen wäre, wenn ich meinen EM betrügen bzw. mehrgleisig fahren würde. Wie wäre das? Das Lügengebäude aufrecht zu erhalten wäre für mich der pure Stress auf Dauer. Diese Heimlichkeiten, die anfangs vermutlich noch der Kick wären, würden sich wie Schlingen um meinen Hals ziehen.
Möglicherweise gibt es Menschen, die es gewohnt sind, zu heucheln und zu lügen, dass es ihnen schon gar nicht mehr auffällt bzw. so zur Gewohnheit wurde, dass sie ihre Lügen schon selbst für wahr erachten. Wer an diesem Lügengebäude rüttelt, ist ein Verräter und muss zum Schweigen gebracht werden, durch Manipulation, Drohungen, Schmeicheleien etc.
Das einzige, worüber ich durchaus froh bin, dass mein Ex es mir gleich gesagt hat, dass er jemanden anderes kennengelernt hat, dass sie mehrmals zusammen S6 hatten, sogar ungeschützt, der Idiot! Trotzdem fühle ich mich belogen, weil er immer betonte, wie wichtig im die Ehe und die Familie seien. Und dann benutzt er eine andere Frau, um aus der Ehe auszusteigen.
Aus diesem wirklich tiefsinnigen thread lese ich, dass es letztendlich fast egal ist, ob man als AF oder EF aus der Beziehung geht, dass es die "ungesunde" Art der Beziehung ist, die lähmt, krank macht, die Gefühle verletzt.
Diese Lähmung setzt sich bei mir nun fort: ich bin depressiv. Habe manchmal massive Angstattacken und kann kaum atmen. Die Trennung von meinem EM hat sozusagen den Stöpsel gezogen zu einem Fass voller aufgestauter Gefühle, die sich jetzt in quälender Langsamkeit wie eine Lawine von Tränen, Verzweiflung, Angst und Schmerz zu Tal wälzt und alles mitreißt, was eigentlich Bestand haben sollte. Die Trennung ist der das kleine Quentchen, was die Lawine zum Rutschen brachte, die Gefühle haben sich ja Jahre zuvor schon aufgestaut. Ich wünschte, diese Lawine käme bald mal im Tal an, die innere Starre würde weichen und ich könnte aufräumen, neu aufbauen, Kann man das wirklich so entscheiden und dann ist es vorbei? Oder muss ich geduldig abwarten?
Instinktiv weiß man das, dass die Trennung, die Kontaktsperre, den Startschuss ist für das Ablassen der angestauten Emotionen. Wir fürchten uns wohl davor, darin unterzugehen. Aber es gibt so viele Beispiele hier, die Mut machen. Wir gehen nicht unter, es geht vorbei.
Lernen, auf Lawinen zu surfen
