Danke Hanna, geerdet ist das gesuchte Wort
Zitat: Ein/e Therapeut/in kann nur mit dem "Material" etwas anfangen, was ihr/ihm mitgeteilt wurde/wird.
ja, das ist wahr aber dennoch nur die eine Seite. Wir können es nicht beurteilen aber manchmal passen Therapeut und Patient nicht gut zueinander, manchmal auch nur "energetisch" nicht. Ich hatte als ganz junge Frau eine sehr gute und engagierte Therapeutin aber sie konnte mir nicht zur Erdung verhelfen. Es fehlte das tiefe Feeling für mich. Dafür kann sie natürlich nichts. Aber Theorien und Analysen sind mMn das unwesentlichste in einer Thera. Es muss emotional was passieren.
Ich habe euch ja erzählt, dass ich früher Probleme hatte, Frauen so richtig nah an mich heran zu lassen. Bezeichnend dafür war, dass ich meine engsten Freundinnen nie umarmte.
Das war lange Thema in meiner Therapie. Viel durchaus sinnvolles Gerede und Verstehen aber geändert hat sich nichts. Irgendwann traute ich mich, meiner Thera zu offenbaren, dass ich sie sehr angenehm finde, wirklich nichts finden kann, was mir missfällt, sie ist sogar sehr schön für mich anzusehen

Und dennoch fühlte ich in ihrer Gegenwart stets eine tiefe Ambivalenz. Ein Teil von mir konnte es jedes Mal nicht erwarten, aus der Praxis abzuhauen. Und etwas in mir dachte "Komm mir bloß nicht zu nah!" Sie reagierte daurauf fantastisch, ohne Kränkung etc.
Dann hörten wir auf zu reden und sie fragte mich, ob ich mal versuchen wolle, ihr gegenüber zu sitzen, dabei die Beine und Arme nicht wie stets zu verschränken und sogar die Augen zu schließen. Hab ich trotz anfänglichem großem Widerstreben gemacht. Mit der Zeit verflog mein Näheproblem. Wohl nicht zu 100% denn noch immer werde ich sehr verlegen wenn sie mal meine beiden Hände nimmt und mir liebevoll in die Augen schaut aber ich muss nicht mehr abhauen
Ich finde es so toll, was alles geschieht wenn man sich entwickelt! Einige Monate später trat unverhofft eine neue Frau in mein Leben, heute eine enge Freundin, die voll die Knuddlerin ist

Sie hat mich dauernd umarmt, sich eingehakt und mich geküsst
Und gerade erst vor einigen Tagen erzählte ich das alles erstmals meiner Mutter. Auch, dass ich auch bei ihr immer eine starke Ambivalenz fühlte und abhauen wollte.
Noch vor einigen Jahren wären von beiden Seiten sowas von die Fetzen geflogen! Beide sind wir sowas von unreif mit Problemen umgegangen. Aber siehe da- ich habe ihr beim Erzählen nicht die Verantwortung zugeschoben, blieb bei mir und es rührte mich zu Tränen, als sie dann sehr liebevoll sagte, dass sie mich ja auch ein Leben lang heillos überfordert habe und mein Fluchtimpuls daher nachvollziehbar sei. Und sie entschuldigte sich. Nach dem Telefonat habe ich so geweint. Einfach Frieden zwischen uns.
Das war gerade auch ein wenig für Assi (und auch für mich selbst

). Denn es zeigt mal wieder: immer bei sich selbst mit den Veränderungen beginnen und nicht bei den anderen beginnen.
Sorry, habe leider kein themenspezifisches Beispiel. Aber ich denke, so in etwa könnte es ablaufen. Übrigens, wenn ich meine Therapeutin zeitweilig mit Männerthemen zuschwadronierte, hat sie oftmals einfach nichts dazu gesagt

Ist gar nicht in die Argumentation eingestiegen, sondern hat immer nur nach meinen Gefühlen, nach mir gefragt.
Wenn ich bsw. sagte: und dann hat er doch tatsächlich die Dreistigkeit besessen abc zu tun! Was halten Sie davon? Was steckt dahinter? Meinen Sie, der hat einen an der Klatsche?

usw., dann hat sie sich einfach wortlos geweigert, mit zu rätseln, analysieren und hat sich nur meine Gefühle heraus gepickt. Und habe ich gesagt "Oh Mann! Sagen Sie doch bitte mal!", dann fragte sie wieder nach mir- was da in mir so drängt, sie zu drängen usw usf.