Zitat von Assi07:@Kaetzchen
Woran erkennst du die Grenze deiner Leidensfähigkeit? Ich bin mir da bei mir nicht sicher. Manchmal hab ich das Gefühl ich könnte noch viel mehr leiden. Und ich glaub, das ist ja dann auch oft das Dilemma, weil man halt hofft, dass es trotzdem irgendwann gut ausgeht und dafür nimmt man ja das Leiden dann auch in Kauf. Und so leidet man und leidet und leidet .... was passiert mit einem, wenn es genug ist?
Tja, keine Ahnung. In einer Beziehung jedenfalls war meine Leidensfähigkeit immer sehr viel größer als jetzt in der Affäre. Das lag aber daran, dass ich halt nur eine Affäre wollte und nicht mehr, aber ich hatte auch gewisse Erwartungen an so eine Affäre, und wenn die mal wieder nicht erfüllt wurden, war meine Leidensgrenze eigentlich auch schon wieder erreicht.
Noch mehr leiden kann man sicherlich immer. Aber muss man das? Will man das überhaupt? Am Ende muss man sich ja die Frage stellen, wofür man leidet. Ich habe z.B. irgendwann gesagt: ich leide zwei Wochen lang unter meiner Sehnsucht, nur um diese dann für ein paar Stunden befriedigt zu wissen, danach geht das sehnsüchtige Leiden ja wieder los. Da hat das Positive das Negative irgendwann nicht mehr aufgewogen für mich, damit war meine Leidensfähigkeit an der Grenze.
Wäre ich leidensfähiger gewesen, wenn dieser Mann für mich meine große Liebe gewesen wäre? Eher nicht, denn dann hätte ich das sicher noch viel früher beendet, weil dann wäre meine Grenze schon erreicht gewesen - wenn ich jemanden liebe, der mich aber nicht zurückliebt, dann bin ich halt weg. Ratzfatz. Denn wozu hätte ich bleiben sollen? Um ihn von mir zu "überzeugen"? Ihn zur Liebe zu überreden?
Eigentlich habe ich die Affäre zwischendurch immer genau dann beendet, wenn meine Gefühle mir einreden wollten, dass ich doch mehr als nur ein bisschen verknallt in ihn bin. Das sehnsüchtige Leiden hat wohl dazu geführt, das mit Liebe zu verwechseln. Romantische Liebe halt

Aber ich bin nicht der junge Werther ... und sobald ich dachte, ich wäre in ihn verliebt, hab ich die Notbremse reingehauen und bin ausgestiegen, weil ich an unerwiderte Liebe geglaubt habe.
In den Pausen dann mit etwas Abstand wurde mir jedes Mal wieder klar, dass das gar keine Liebe war, was ich da gefühlt habe, sondern nur enttäuschte Erwartungen, gekränktes Ego, verletzter Stolz, Sehnsucht, Begehren ... und dann bin ich wieder eingestiegen. Bis zum nächsten "Gefühlssturm", den ich dann erst wieder rationalisieren musste (ja, der arme Mann hat auch ein wenig gelitten, fürchte ich ... aber dafür hat er ja auch was gekriegt - und dieses künstlich erzeugte On-Off-Drama hat natürlich auch die gegenseitige Leidenschaft immer ganz wunderbar befeuert

),
Das Ganze hat aber jetzt für mich zur Folge, dass ich meinen eigenen Gefühlen nicht mehr über den Weg traue ...