Zitat von Cinderella01:Ich glaube wohl in jedem Mensch das Gute, wie blauäugig. Ich sehe halt auch immer, in was für einem Dilemma sie stecken, weil ich selbst in einem bin. Also hin und her gerissen.
Ich finde das gar nicht blauäugig. Ich glaube auch an das Gute in jedem Menschen und bin auch überzeugt, dass in jedem etwas Gutes steckt.
Meinen Ex-Am hasse und verurteile ich übrigens auch in keiner Weise.
Das Problem hierbei ist halt, dass diese Haltung einen allzuleicht dazu verführen kann, jemanden "retten" zu wollen oder aber nicht hinnehmbare Verhaltensweisen doch hinzunehmen, weil man sie ja versteht. Da liegt ein ziemlich großes Gefahrenpotential drin.
Wenn seine Amibavalenz mich kaputt macht, dann muss ich mich abgrenzen und zwar sehr deutlich. Wenn es darauf hinausläuft, dass jemand mich hinhält und als Zweitfrau missbrauchen will, weil er keine Entscheidung auf die Reihe kriegt, dann muss ich eine Entscheidung für mich treffen auch wenn ich seine Ambivalenz hundertmal verstehen kann.
Und vielen Menschen fällt diese Abgrenzung umso schwerer, wenn sie emotional total verstrickt sind, wenn sie in diesen Menschen nunmal verliebt sind.
Da ist es leichter und manchmal auch besser, sich zunächst einmal mit gesunder Wut gegen seine missbräuchlichen Verhaltensweisen (denn missbräuchlich sind sie, auch wenn er selbst in einem Dilemma steckt) zu wehren.
Sonst kommt man vor lauter Verstehen nie aus dem eigenen Dilemma raus.
Ich selbst bin übrigens diesen sehr schweren Weg gegangen. Ich konnte ihn nicht hassen, konnte nicht einmal wütend sein. Ich verstand ihn und verstehe ihn heute noch. Da ist kein Fünkchen Wut in mir.
Mich mit dieser inneren Haltung nach außen rigoros gegen ihn abzugrenzen war jedoch enorm schwer und ich bin nicht sicher, ob ich diesen Weg irgendjemandem empfehlen würde. Ich weiß im Nachhinein gar nicht, wie ich das geschafft habe.
Inzwischen ist es gut. Es ist lange vorbei und ich würde mich nicht mal mehr ganz harmlos auf einen Kaffee mit ihm treffen - wonach er mich immer wieder mal fragt.
Ich verweigere das aber nicht, weil ich ihn hasse oder wütend auf ihn bin. Schon gar nicht, weil ich ihm eins auswischen will.
Ich verweigere ihm das aus dem Grund, den ich weiter oben in einem Beitrag mal beschrieben habe. Ich verweigere es ihm, weil er auch das heimlich tun würde. Weil er es hinter dem Rücken seiner Frau tun würde, weil er vor Freunden, Bekannten, Familie nicht dazu stehen würde.
Aus dem gleichen Grund verweigere ich die Schreiberei mit ihm und auch jeden sonstigen Kontakt.
An dem Tag, an dem er sich offen und ohne etwas hinter dem Rücken von irgendwem zu treiben mit mir auf einen Kaffee treffen wollen würde: Sehr gern! Ich mag ihn immer noch.
Aber ich denke, dieser Tag wird nie kommen.
Bildlich gesprochen: Ich weigere mich, mich mit ihm hinter dem Schuppen zu treffen um heimlich eins zu rauchen. Egal, wofür diese Zig. steht. Egal, ob sie für Seggs oder für einen angeblich harmlosen Kaffee steht.
Ich will keinen Typen, der sich verstecken muss wie ein Zehnjähriger und ich bin mir selbst zu viel wert, um mich von ihm verheimlichen lassen zu müssen. Wer sich nicht im Licht der Öffentlichkeit mit mir blicken lassen will, der soll es halt bleiben lassen. Der soll allein in seine dunklen Winkel gehen oder sich eine andere suchen.
Das hat nichts mit Wut oder Zorn zu tun.
Es hat einzig und allein mit meiner Einstellung zu mir selbst zu tun und damit, was ich von anderen an Basics des Umgangs erwarte.