Zitat von hanna111:Katze, mir ging / geht es wie Dir. Meine Beziehungen waren auch immer langjährig und mir fehlte auch die Fähigkeit "rechtzeitig" etwas zu beenden. Dazu kommt sicher eine große Angst vor dem Alleinsein. Das zeigt mir im Nachhinein meine Affäre. Denke viel nach am Meer gerade. Darüber auch, nicht auf meine Gefühle gehört zu haben. Misstrauen --berechtigt-- war früh da und dennoch hielt ich an etwas fest was es so nicht gab. Meinem Mann hab ich immer vertraut zu 200%. Sowas kannte ich nicht.
Was geblieben ist auch die Angst jemanden wieder zu vertrauen, aber größer ist die Angst mir selbst nicht mehr vertrauen zu können. Sind meine Gefühle "echt" oder nicht? Ist es Bedürftigkeit oder Liebe? Ist es Sehnsucht oder nur Angst vor dem Alleinsein?
Meine Therapeutin sagte mal einen weisen Spruch, der war nicht von ihr selbst. Mein AM und ich waren wie zwei Bedürftige Bettler die sich gegenseitig in die Taschen fassen und feststellen, dass der Andere auch nichts hat.
Das Zitat ist von Osho

(dem Baghwan-Gründer, also durchaus mit Vorsicht zu genießen, ich finde das nämlich irgendwie Quatsch - jede Liebe hat auch mit einer gewissen Bedürftigkeit zu tun, sonst gäbe es gar keine Liebe zwischen zwei Menschen, wenn sich wirklich jeder selbst genug wäre. Und dann wäre die Menschheit längst ausgestorben).
Zum Thema langjährige Beziehungen und Unfähigkeit, sich zu lösen - ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, den viele Affärenfrauen und Betrüger gemeinsam haben. Nennt sich Bindungsambivalenz - bindungsambivalente Menschen sind die, die einerseits große Angst vor der Bindung / Nähe haben, andererseits aber auch genau diese suchen und brauchen und nicht allein sein können. Und ihnen gemein ist, dass sie größte Probleme damit haben, eine einmal geschlossene Bindung wieder aufzulösen.
Im Gegensatz zu bindungssicheren Menschen, die langfristige Bindungen eingehen, diese aber auch auflösen, sobald sie ihnen schaden oder nicht mehr gut tun (der Idealfall quasi). Und bindungsunsichere Menschen gehen erst gar keine langfristigen Bindungen ein, das sind dann diese Menschen, die mit 50 noch keine Beziehung hinter sich haben, die länger als 3-4 Jahre gedauert hätte oder die sich von Affäre zu Affäre hangeln.
Bindungsambivalente Menschen sind daher wohl am anfälligsten für Affären, weil sie sich halt schlecht trennen können und daher lieber den "Ausweg" Affäre wählen. Und sie sind es auch, die anfällig sind, als Affärenpartner zu enden, weil sie ja auf der einen Seite die Nähe suchen, auf der anderen Seite aber Angst davor haben. Also erscheint eine Affäre erstmal perfekt, weil man da ja vermeintlich beides haben kann.
Und wenn man das mal verstanden hat, dass sich da zwei bindungsambivalente Menschen getroffen haben im Rahmen einer Affäre, wird einem soooo vieles klar ... warum der Betrüger es nicht schafft, sich für oder gegen die eine oder andere zu entscheiden. Warum die Affärenfrau es so schlecht hinkriegt, diese unsägliche Affäre zu beenden. Warum die Betrogene es nicht schafft, endlich richtig die Augen zu öffnen und sich der Affäre zu stellen (denn ahnen tun es wohl die allermeisten). Und so weiter.
Und - manchmal ist man nur temporär bindungsambivalent. Weil man gerade aus einer langen Beziehung kommt zum Beispiel. Dann kann man durch so eine Affäre die eigentliche Bindungssicherheit kaputtmachen und nach der Affäre plötzlich nicht mehr nur bindungsambivalent, sondern bindungsunsicher werden. Stichwort Vertrauen etc. Das ist das Problem, und daran sollte/muss man arbeiten, denke ich, wenn man so was hinter sich hat. Sonst kann das böse Auswirkungen auf das weitere Leben haben.