Guten Abend an alle,
Ich bin nun schon seit ein paar Tagen hier und bin überwältigt von den teilweise doch sehr krassen Lebensgeschichten und beeindruckt von der freundlichen und hilfsbereiten Community.
Ich weiß, dass ich meine Geschichte von vor nun 3 Jahren beginnend anfangen muss aufzuschreiben.
Wie schon so oft selbst gelesen, hatten auch wir eine gute Beziehung und Ehe. Ich w 41 und mein Mann 43 haben uns im/nach dem Abi durch Bekannte kennen gelernt und waren jahrelang befreundet bevor wir zusammen kamen. Haben sehr viele gemeinsame Interessen, ethische und politische Ansichten, Interesse aneinander und der Welt, er hat sich sehr schnell wie mein Zuhause angefühlt, was ich sehr beeindruckend fand, da ich vorher schon 3 andere feste Beziehungen hatte und es sonst nie so war.
Wir waren immer für einander da. Ich habe ihn in seinem Studium finanziell und emotional unterstützt und er mich genauso. Trotz Fernbeziehung hat es gut funktioniert und 1 Jahr danach haben wir auch geheiratet und ein weiteres Jahr später eine Wohnung gekauft. Er arbeitet für ein großes Unternehmen und macht Karriere und ich bin selbstständig, relativ prekär, da ich mich auch um unser Zuhause und unsere Tiere (nun Tier) kümmere, Kinder haben wir keine, war eine gemeinsame, bewusste Entscheidung.
So, nun zu vor 3 Jahren, das Jahr hat schon schlimm angefangen, ich hatte eine wiederkehrende Depression, die auch damit zusammenhing, dass mein Vater ein 3/4 Jahr zuvor gestorben ist und ich noch andere Dinge aufgearbeitet habe, ich kam aber gut voran. Mein Mann hat sich in der Zeit so stark entfernt, dass ich ihn kaum wiedererkannt habe, ich habe gefragt und gemacht und es war trotzdem immer nur ein auf Eierschalen laufen. Mitte des Jahres habe ich es gar nicht mehr ausgehalten und ihn vehement zur Rede gestellt und da hat er mir den Klassiker gestanden, Affäre mit einer Arbeitskollegin. Wohl „nur“ emotional, zum Sex haben die sich wohl beide mal auf einer Firmenfeier verabredet, da konnte er aber wohl gar nicht emotional und körperlich. Das habe ich aber alles scheibchenweise herausgefunden, er hat mir nie die volle Wahrheit erzählt. Da fing das mit dem Weglaufen an. Er konnte sich der Situation gar nicht stellen und hat alles auf Vermeidung und Verdrängung gesetzt, da war er auch schon 2 Jahre in Therapie und ich frage mich bis heute was er dort eigentlich macht und erzählt. Er musste nur noch raus, hat auf sich auf der Arbeit für Monate freistellen lassen und ist dann in mehrere Urlaube gefahren um „runterzukommen und wieder zu sich zu finden“. Ich konnte alles nicht fassen, vor allem jedes Mal wenn er wieder kam, der Kontakt zwischendurch war auch wahnsinnig schwer für mich, vor allem da er mich auch mit einem kranken Tier allein zurückgelassen hat und ich mich allein um mich und darum kümmern durfte. Ich war fassungslos, denn im Grunde war für mich tatsächlich nicht allzu viel passiert, ich dachte *beep* happens, Leute sind manchmal durch, wird schon wieder, Paartherapie, Neuanfang. Hab ihm das alles zur Option gestellt, hab selbst Literatur gelesen und ihm empfohlen, mich selbst wieder in Therapie begeben, neue Freunde gesucht, meditiert, Sport gemacht, mein Leben gelebt, alles gut.
In seiner letzten Woche an seinem letzten Urlaubsort hat er mich täglich angerufen, sich entschuldigt, gesagt dass er mich vermisst, mich liebt und alles wiedergutmachen will, der Frau auf der Arbeit direkt Bescheid gibt und ob es ok ist für mich, wenn er das persönlich klärt und sich mit ihr trifft, um das endgültig abzuschließen. War ich dafür. Habe auch ganz feste Regeln für einen Neuanfang gestellt: Paartherapie, offene Kommunikation, jedoch keine Gespräche über Trennung/Scheidung, da wir einen festen Anker haben müssen. Er hat allem zugestimmt, sich nur an gar nichts davon gehalten. Die Paartherapie war eine Farce, da wir seiner Meinung nach alles schon richtig machen, anstatt dort eventuell auch seine Therapie und die Punkte, die für ihn persönlich wichtig sind und welche Auswirkungen sie auf unsere Beziehung haben, zu besprechen, was ich zB versucht habe. Offene Kommunikation auch nichts, alle meine Fragen wurden nie beantwortet und nach mir hat er auch kaum gefragt. Trennung einige Male, in von ihm provozierten Streitsituationen, einfach rausgehauen. Sich nicht wirklich um mich bemüht, etc. Zwischenzeitlich hatten wir immer noch einen offenen Rechtsstreit mit einem Bauträger, eins unserer geliebten Tiere ist gestorben und das andere erblindet, meine Schwester an Krebs erkrankt und Meine Mama an Demenz, sein Vater mehrere unterschiedliche Krankheiten, seine Oma bettlägerig und auf höchster Pflegestufe. Alle recht weit weg, alles mit sehr viel Stress und Aufwand verbunden, vor allem da meine Mutter ganze Monate hier gelebt hat, bis wir eine andere Lösung gefunden haben.
Ich hatte immer wieder Schwierigkeiten, bin aber trotzdem dran geblieben und war positiv, auch als er plötzlich einfach ein Haus gekauft hat. Wir haben schon lange nach einem Häuschen aufm Land fürs WE gesucht. Er hat mir kaum was kommuniziert, hab das Haus auch erst nach seiner festen Zusage besichtigen können, beim Notartermin wollte er aber durchweg meine Hand halten.
Ok am Haus musste noch einiges gemacht werden, haben einiges selbst gemacht und auch viel machen lassen müssen, er gab immer wieder Schwierigkeiten, es ist immer noch bei weitem nicht fertig. Dort ist er jetzt aber hingezogen. War meine Idee, nachdem er mir eröffnet hat, dass er so unglücklich ist, zu viel Schlimmes in seiner Kindheit erlebt hat (weiß ich seit Tag 1, früher viel darüber geredet, weshalb ich ihm auch immer eine Therapie ans Herz gelegt hab) jetzt viele suizidale Gedanken hatte und einfach nicht mehr kann.
Hab ihm beigestanden, zugehört, alles. Er hat nur nicht aufgehört, wochenlang komplett mit immer den gleichen Gesprächen über Nächte gequält, nachdem ich ihn schon gefragt habe, Ober eine Pause braucht, er könnte ja ins Haus, ich helfe ihm beim Putzen und Einrichten, alles gut, alles gemacht. In der Zeit hat er sich emotional und körperlich komplett von mir entfernt und wieder Trennung angesprochen. Ich war sehr verzweifelt und retraumatisiert. Meine Freundin hat mich dazu aufgefordert mit auf einen von ihr geplanten Trip über Weihnachten und Silvester mitzukommen, damit ich dem nicht weiter ausgesetzt bin. Gesagt getan, kaum wieder zurück trägt er seinen Ehering nicht mehr „es fühlt sich gerade nicht richtig an“ und ich Idiot helfe ich ihm noch bei dem Umzug inklusive Schneeschippen, da ich die ganze Zeit denke, er muss nur zu sich kommen und ich muss ihm helfen.
Direkt am ersten Abend nach Auszug ruft er mich aufgelöst an, Nachrichten jeden Tag, wenn ich anrufe, ist er aber auf Krawall gebürstet oder komplett abgemeldet. Schlägt Treffen vor, wenn er auch sonst was hier zu erledigen hat. Hab ihm natürlich gesagt, dass ich das respektlos finde - war ja nicht so gemeint, sicher.
Treffen letztes WE auf seinen Wunsch um über Heilung, Vorankommen, Tipps etc. zu sprechen. War recht emotional und offen, aber null vorankommen zu bemerken. Er arbeitet nur, sieht fern, war bei einem Freund zu Besuch, das wars und meine Tipps waren unerwünscht (war es gar nicht, hab nur erzählt was mir selbst in der Zeit geholfen hat klarzukommen) fand er übergriffig, er müsse seinen eigenen Weg finden. Dienstag musste ich ihn dann herbestellen um auf das Tierchen aufzupassen, da ich mich um Familie kümmern musste. Hat er gemacht, konnte auch nicht schnell genug wieder weg, ohne mir noch mal zu begegnen. Hab ihn dann Mittwochs angerufen um zu fragen, ob alles ok ist und was los ist hab ihn erneut gefragt, ob er wirklich nur an sich selbst arbeiten will, da mir das langsam zu viele Anzeichen für ein Überdenken der Beziehung sind und ich mich damit nicht wohl fühle. Explizit gefragt, ob er mich noch liebt „nicht so wie ich es verdiene“ und wahrscheinlich reicht es nicht mehr für eine Zukunft. Hab dann gesagt, dass ich mich nun zurück nehmen muss. Seitdem Kontaktsperre, er hat sich aber auch kein einziges Mal gemeldet.
Nun große Trennungsschmerz Kristallkugel, was sagst du? Es ist aus, oder?