Liebes Nachtlicht,
Zitat von Nachtlicht: Liebe Odette, dein Anteil ist, dass Mann dich wochenlang auf Abstand halten und zu erziehen versuchen kann, ohne dass das die angemessene und gesunde Konsequenz nach sich zieht, dass du dich dauerhaft von dieser Person abwendest.
100 % - das versuche ich mir gerade zu verzeihen. Mittlerweile konnte ich ein wenig einordnen, dass die Scham weniger ihm gilt, sondern eher mir vor mir selbst. Nicht komplett, aber größtenteils. Klingt das logisch?
Zitat von Nachtlicht: Eine andere wäre, das eskalierende Drama als Manipulation, als emotionale Erpressung zu interpretieren.
Ich kann mir vorstellen, dass es eine Mischung aus beidem ist. Am Ende ist es egal, mir ist klar, dass es einfach nicht passt. Es tut dennoch weh, nach so einer furchtbaren Situation verlassen zu werden. Mit der Begründung durch mein Verhalten fühlt er sich schlecht behandelt. Das nagt an mir.
Zitat von Nachtlicht: Das führt zu wiederkehrendem Drama zwischen euch, welches wiederum deinen Eindruck, das zwischen euch habe Bedeutung und sei wichtig, künstlich verstärkt
Ich glaube fest, dass unsere Beziehung von Bedeutung war. Betonung auf war. Und ich möchte nicht die Liebe oder aber die Kompatibilität (emotionale Bedürfnisse ausgeschlossen) in Frage stellen. Ich weiß nicht, ob ich dich missverstanden habe, aber ich denke nicht, dass die Beziehung wertvoller ist, als andere, welche ich geführt habe, oder haben werde. Ich lege nicht mehr Gewicht hinein. Hier bin ich gerade recht rational.
Zitat von Nachtlicht: Er hat sich nun erneut aus dieser Dynamik zurückgezogen (nachdem er am Entstehen der Dynamik ebenfalls erneut gewaltigen Anteil hatte).
Und das ist der Punkt, der die erste Trennung wieder aufreißt. Und der weh tut. Es sind quasi die gleichen Gründe. Wieder habe ich zugelassen, dass mich jemand derart mürbe macht, aus der Mitte holt und meine Psyche so sehr in die Enge treibt, bis ich nicht mehr bei Sinnen bin.
Es nervt, dass er seinen Anteil nie sehen wird, irrelevant, ich weiß.
Zitat von Nachtlicht: Naja, ehrlich gesagt ist die Antwort doch sehr einfach, liebe Odette: keine zweite Runde drehen.
Er hat so gekämpft, wirkte so reflektiert, wollte alles anders machen.
Aber du hast recht: das ist der springende Punkt.
Zitat von Nachtlicht: Letztendlich läuft alles darauf zurück, dass du auf keinen Fall akzeptieren wolltest, dass dieser Mann kein geeigneter Partner für dich ist.
Weiß ich nicht, siehe oben. Bei der ersten Trennung, war ich ja komplett dabei alle Schuld auf mich zu nehmen, und konnte damals nicht sehen, dass ich Teil einer schlimmen Dynamik war. Ich dachte, da ich das Problem war, und mich ja 1,5 Jahre gefixt hatte, könne ich es jetzt besser. Gepaart mit seinem auftreten, dachte ich wirklich, wir machen es anders.
Und es tut weh, dass ich nicht sheen konnte, dass wir inkompatibel sind und sein Verhalten oder Umgang mit gewissen Dingen, eine ganz schlimme Seite an mir triggert.
Zitat von Nachtlicht: Alles hier - die Forumstherapie, das intensive Sezieren eurer Beziehungsdynamik und das Rätseln über mögliche Ursachen für deine Muster - ist im Grunde auch nur die Fortsetzung dieses Dramas mit anderen Mitteln.
Empfinde ich anders. Ich brauche das gerade, um zu verstehen, dass ich eben nicht nur alleine "Schuld" bin. Ich ganz schlimme Situationen teilen kann, Meinungen dazu höre, für mich vernünftig wegsortieren kann. Es hilft mir bei der Verarbeitung, denn ich habe keine Lust, jetzt im Kummer unterzugehen, oder den Mann jemals wieder als Partner zu haben. Auch wenn es weh tut und ich mich hier manchmal emotional und irrational lese und dies künftig werde. Ein bisschen wie mein Tagebuch nur mit Feedback, weil es mir gerade hilft.
Ich gehe an den Erinnerungen und den kreiseln im Kopf sonst kaputt.
Zitat von Nachtlicht: Der Weg zur Heilung wäre wahrscheinlich wesentlich verkürzt, allerdings wäre der Preis dafür, dass dein Kandidat und das mit ihm verknüpfte innere und äußere Drama in milde Nostalgie bis hin zur Bedeutungslosigkeit versinken dürfen, wahrscheinlich erstmal eine große Leere.
Weiß ich nicht. Also ich weiß, was du meinst. Aber ich bin wirklich irgendwie seltsam ruhig. Komplett anders als bei einer Trennung, von wem auch immer, jemals. Ich mag es gar nicht aussprechen, aber fast schon erleichtert. Eher erschöpft.
Ich habe eher das Gefühl, dass ich verkürze, weil ich jetzt direkt rein gehe.
Ab davon ist es gerade mal Tag 6.