Lailani
Mitglied
- Beiträge:
- 31
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 32
- Mitglied seit:
Vor gut drei Monaten hat sich der Kontakt mit einem alten Freund (Ende 40), ich nenne ihn mal Dennis, über WhatsApp intensiviert. Wir sind beide verheiratet, damals auch noch nicht getrennt. Ich mit Kindern, er ohne. Wir hatten vor elf, zwölf Jahren eine sehr gute Freundschaft (zu viert, mit Partnern) und haben uns schon immer gut verstanden. Jetzt ergab sich eben der Kontakt und ziemlich schnell schlug da so richtig der Blitz ein – als hätten wir unseren Seelenverwandten (wieder-)getroffen. Vor allem auch er war Feuer und Flamme, sprach von großer Liebe, von seiner unglaublichen Faszination für mich, wollte unbedingt eine Zukunft mit mir (am liebsten auch mit den Kindern). Ich war erst noch zurückhaltender, weil ich wegen meiner Familie gezweifelt habe (die Gefühle für meinen Partner waren ehrlicherweise schon lange weg). Wir haben uns dann auch getroffen und es war echt – unglaublich. Eine Nähe, eine Intensität, ein Liebesgefühl wie noch nie vorher. Ich war völlig aus dem Leben geworfen. Es kam, wie es kommen musste – alles kam raus und als mein Ehepartner mich ehrlich fragte, sagte ich auch, dass ich unsere Beziehung nicht mehr sehe, aber unsere Familie bestehen bleiben soll. So machen wir es jetzt auch, wir waren uns direkt einig, dass unsere Liebe nur noch eine Freundschaft ist und leben jetzt so zusammen, als „Eltern-WG“ sozusagen, das klappt gut, was mich sehr freut.
Auch Dennis trennte sich von seiner Frau, hatte in der Trennungsphase sehr große Schwierigkeiten, hat es aber durchgezogen. Kurz (nur vielleicht zwei, drei Wochen!) war alles so weit gut, wir trafen uns endlich nicht mehr heimlich, gingen essen, redeten in Ruhe und waren glücklich. Ich bin kein überschwänglicher Mensch, aber schwebte absolut auf Wolke 7. Dennis suchte jetzt eine neue Wohnung, leitete die Scheidung ein, stand beruflich unter Druck – man merkte es ihm an, dass es viel war. Aber ich sagte mir, es wird schon wieder besser. So richtig besser wurde es nicht, ich spürte plötzlich mehr und mehr Distanz. Vor allem im Chat, wo ja alles angefangen hatte. Nur immer, wenn wir uns trafen, war alles gut! Das war wegen der Lebenssituationen aber natürlich nicht so oft möglich. Auch seine vorher nicht enden wollenden Liebesgeständnisse wurden etwas weniger, aber nicht weniger intensiv. Jedes Mal, wenn wir uns sahen, „flashte“ es uns einfach.
Dann sprach Dennis das erste Mal von beruflichen Schwierigkeiten (er ist Freiberufler), eventuell veränderten Situationen mit Auftraggebern und einer ungewissen Zukunft. Eventuell würde er ins Ausland gehen, das wäre aber alles nur etwas in ferner Zukunft und nichts konkretes. Ich war erstmal perplex und dann ging alles sehr schnell. Er ruderte auch zurück, dass er die Kinder doch nicht kennen lernen wollen würde. Nach einem Termin war dann alles anders – er würde nächstes Jahr ins Ausland gehen und wüsste generell nicht, was er überhaupt mit der verbleibenden Zeit in seinem Leben noch anfangen wolle. Vermutlich würde er alles abbrechen und das Land für immer verlassen. Ob ich die Zeit mit ihm noch genießen wolle. Kurz danach war auch das kein Thema mehr, erst wollte er uns noch eine Chance geben (die ich gar nicht hatte! Wir hatten ja nie „Ruhe“ für uns bisher.), das war aber zwei Tage später wieder hinfällig. Nun war er sich gar nicht mehr sicher, was er überhaupt im Leben will, es sei alles nur noch Chaos in seinem Kopf, er würde alles und jeden abblocken und wäre überfordert, ohne Kapazitäten für nichts. Wir schaukelten uns auch hoch, ich war natürlich echt sauer, dass er mir vor sechs Wochen noch ewige Liebe und eine gemeinsame Zukunft als seine Traumfrau versprochen hat und davon jetzt nichts mehr übrig ist?! Das kann er sich auch nicht erklären, wie sich seine Gefühle und alles so schnell ändern konnten.
So klangen zum Beispiel seine Nachrichten:
„Solltest Du Dich irgendwann (wer weiß, was die Zeit bringt) trennen…ich breche alles hinter mir ab und bin da, wenn Du mich dann noch willst. Mit Dir möchte ich alt werden, echt. Ich warte hier auf Dich – meinetwegen auch nochmal zehn Jahre.“
Jetzt ist davon nichts mehr übrig, er antwortete kaum mehr auf Fragen, ist völlig abweisend. Nun haben wir in einem Telefonat vereinbart, dass wir erstmal ein paar Tage keinen Kontakt haben, was das erste Mal seit ein paar Monaten der Fall ist. Dann wollen wir nochmal reden, er sagt aber, sein Entschluss, das Land im nächsten Jahr zu verlassen, steht fest und er wüsste nicht, ob er noch Gefühle für mich hat - er müsse sich erst einmal über alles klar werden. Er könne gar nichts genau sagen, weil er in einer psychischen Ausnahmesituation stecken würde.
Ich bin einfach total fertig. Für mich ist jetzt in den letzten zwei Wochen eine neu geplante Zukunft zerbrochen. Ich hatte mir alles so schön vorgestellt, erstmal richtig in einer Beziehung kennen lernen, die Zeit genießen, später dann mal was mit den Kindern unternehmen, usw. – es war so schön in meinem Kopf! Im Moment kann ich nicht mal dran denken, ohne zu weinen. Und meine Güte, ich bin erwachsen, ich habe Kinder – wie kann etwas nach ein paar Monaten mich so aus der Bahn werfen? Ich kann nicht essen, nicht schlafen, kaum arbeiten, mich um die Kinder kümmern. Ich habe so schreckliches „Heimweh“, fühle mich so einsam und verloren. Ich denke nur an ihn und vermisse ihn so sehr!
Die Trennung von meinem Ehepartner war kein Fehler, das war wirklich nur noch Freundschaft und keine Liebe mehr. Aber auch das alles fühlt sich gerade so schlimm an und verstärkt das Gefühl, nirgendwo „zu Hause“ zu sein.
Ich kann wohl nicht erwarten, dass jemand schonmal in so einer Situation war – die ist doch echt absurd. Aber vielleicht gibt es einfach Meinungen, die mich weniger einsam fühlen lassen? Und wie würdet ihr in das kommende Gespräch gehen (der Termin steht in ein paar Tagen)?
Danke an alle fürs Lesen, das war ja schon viel
