Zitat von Chandos: Und wieso ich ausgerechnet die Bindungstypen anziehe,
die sich sehr viel ihres Selbstwertgefühls aus der Beziehung + Zweisamkeit ziehen.
Es gibt verschiedene zum Teils überlappende Modelle, die sich damit auseinandersetzen. Ich mag diese ganze Bindungstypen-Ideologie nicht besonders, sondern finde es für mich hilfreicher über Nähe-Distanz Bedürfnisse zu reden.
In jedem von uns steckt das Bedürfnis nach Nähe, genauso wie das Bedürfnis nach Autonomie, aber eben nicht in jedem von uns sind die Ausprägungen gleich. Es gibt Menschen mit einem großen Autonomiebedürfnis und andere haben eine sehr großes Nähebedürfnis.
Interessant ist zB, daß Menschen mit großem Autonomiebedürfnis mit noch größerer Distanz reagieren, wenn das Nähebedürfnis des anderen überhand nimmt, aber eben die größeren Distanzbemühungen das Nähebedürfnis des anderen umso mehr verstärken können.
Zitat von Chandos: Ich "stelle" nichts an, wenn ich für mich bin,
bzw. in den Rückzug gehe. Ich kündige das an, sage was ich mache
und ziehe auch Kraft aus mir selbst.
Aber ich brauche auch diese Momente. Vielleicht weil ich mich "erholen" muss,
von Zwischenmenschlichkeit. Meine das ja garnicht böse.
Aber was mich oftmals so mitnimmt, dass das oft so brutal missverstanden wird.
Trotz Ehrlichkeit. Und wieso ich ausgerechnet die Bindungstypen anziehe,
die sich sehr viel ihres Selbstwertgefühls aus der Beziehung + Zweisamkeit ziehen.
Naja, also zunächst, wie eben ein wenig angerissen, reagieren die meisten Menschen auf ein besonderes Autonomiebedürfnis des anderen mit einem erhöhten Nähebedürfnis. Will sagen, Du ziehst vielleicht gar nicht so sehr eine bestimmte Gruppe von besonders nähebedürftigen Menschen an, sondern das diese so reagieren, könnte Resultat einen Mechanismus sein, den Du in Teilen zu verantworten hast.
Darüber hinaus könnte es sein, daß Du eventuell eine Fehlvorstellung hast, wie Gefühle funktionieren. Natürlich kann man von Anfang an sagen, hey ab und zu brauche ich Zeit für mich und möchte mich da auch ein wenig allem entziehen. Das zu kommunizieren ist richtig und wichtig, aber an der Stelle eben nur der erste Schritt. Es wirkt auf mich so, als würdest Du auch wollen, daß das für den anderen nicht nur ok ist, sondern dieser darüber nicht enttäuscht sein darf. Und das ist schwierig, weil Du nicht steuern kannst, was und wie der andere fühlt. Schau mal, wenn man jemanden mag, dann möchte man automatisch mit dem (viel) Zeit verbringen und wenn der andere dann sagt, Du ich möchte jetzt aber eher allein sein, dann ist das für den anderen vielleicht in Ordnung und dennoch kann sich dieser gleichzeitig zurück gewiesen fühlen oder enttäuscht sein (es geht beides).
Wenn Du dann anstatt des "es ist in Ordnung" eher die Enttäuschung wahrnimmst, dann ist das schon auch mit einem gewissen Anteil von Dir zu versehen und zudem wirkt der am Anfang beschriebene Mechanismus, Du nimmst es als überforderndes Nähebedürfnis wahr und es treibt Dich nur weiter weg.
Ich kann verstehen das dies sehr frustrierend ist, wichtig für Dich wäre vielleicht mal grundsätzlich zu klären, welche Bedürfnisse Du in einer Beziehung hast, warum Du in einer Beziehung sein möchtest und welche Kompromisse für Dich lebbar sind und welche nicht.
Und ja natürlich gibt es Menschen, die mehr für das Leben in einer Paarbeziehung gemacht sind und andere, deren natürlicher Aggregatzustand eben das Single-Dasein ist.