Zitat von Himmelssonne: heute Nacht hatte ich so eine Heulattacke und Sensucht nach Familie. Die Vorstellung, dass wir nie mehr gemeinsam als Familie im Garten sein und lachen werden, die ganzen Familienbilder gingen mir durch den Kopf,
Deine Trennung ist ja noch gar nicht lange her. Ich hoffe, es frustriert Dich nicht, wenn ich Dir schreibe, dass diese Vorstellung mir am längsten als - manchmal - schmerzhaft geblieben ist. Inzwischen ist davon nur eine kleine Wehmut geblieben. Ich finde die schönen Erinnerungen inzwischen wieder schön. Das war lange nicht so. Ich hatte nur den Verlust gesehen, aber die guten Zeiten bleiben mir ja.
Was mir nämlich länger klar ist: Mein Exmann und ich sind schon lange nicht mehr die Menschen gewesen, die zusammen diese schönen Zeiten hatten. Wir hatten uns auseinanderentwickelt. Es hat gedauert, das zu sehen und zu akzeptieren.
Ich fand interessant, dass das Gehirn sich vor Schmerz schützt, indem es alte Erinnerungen selektiert und sich nur die positiven zieht. Das hat mir geholfen, in solchen Momenten des "Verlustschmerzes", sei es nach dem Mann oder später nach der Familie, genauer hinzuschauen. Du schreibst in Deinem Eingangspost auch über die negativen Seiten Deines Mannes. Ein Tool, das ich albern fand, war eine "Shitlist" zu unserer Beziehung bzw zu meinem Ex. Insgesamt erstaunlich hilfreich.
Zitat von Maike_30: Das kann doch nicht sein, dass man das alte Leben einfach so abhakt, oder?
Glaub, da kommen zwei Punkte zusammen: Die "Verlasser" haben sich ja in/während der Beziehung vom Partner/der Partnerin gelöst. Mein Mann hat sich innerlich getrennt, während er mit mir ein vermeintlich gutes Leben geführt hat. Ich hab's wohl gespürt, geredet und als Antwort gehört: Was hast Du denn, es geht uns doch gut miteinander (haha). Die Trennung, die für mich ein Schlusspunkt aus dem Nichts heraus war, war für meinen Ex das Aussprechen nach 2,5 Jahren innerer Verabschiedung. Also für ihn war's nicht "einfach so", er war lange durch mit "uns" ...
Plus: Abhaken heißt nicht schlecht finden, auch wenn man es verlässt. Ich weiß, dass mein Ex mich und unser Familienleben lange Zeit toll fand. Aber zum Zeitpunkt der Trennung war das alte Leben für ihn eben das alte Leben - und er wollte was anderes ... Ich schreibe das recht abgeklärt, aber ich war bis ins tiefste Innere verletzt, wie einfach ihm die Trennung fiel.
Heute sind es für mich genau diese 2,5 Jahre nach Trennung - und mein Ex ist mir egal. Ich bin schon lange nicht mehr wütend oder so. Ich verstehe bis heute nicht, wie er mich so lange belügen konnte. Unangenehm. Aber ich verstehe sachlich, dass ich ihm nach dieser inneren Wegorientierung egal war. Und never ever wollte ich ihn oder (in) die Beziehung zurück ...
Zitat von Himmelssonne: Ich bin immer wieder überrascht, wieviele von euch sich relativ schnell auf eine Affaire, Trost oder wie auch immer einlassen können. Ich kann das gar nicht. Vielleicht weil mir das gar nicht fehlt. Ich schütze mich eher davor, bin vorsichtig, vertraue nicht mehr.
Deine Trennung liegt ja "erst" ein halbes Jahr zurück. Zu dem Zeitpunkt hab ich auch erst angefangen, mich wieder zusammenzusetzen. Mein Selbstwert war weg, ich dachte, ist ok, das war's jetzt, ich hatte ein Leben, da kommt nicht mehr viel - neuer Mann? Kein Gedanke. Irgendwann merkte ich: Ich mag meinen Freundeskreis aus Paaren, aber die leben was anderes als ich. Über einen Tipp hier im Forum habe ich über spontacts/Gemeinsam erleben (App und Website) an Aktivitäten teilgenommen: Biergarten-Konzert, wandern, Radtouren.
Es war hilfreich für mich - ich hab unkompliziert neue Menschen kennengelernt, einige davon heute Freund/inn/e/n. Ich bin aufgeblüht: Einfach in Gruppen was unternehmen, zu merken, dass Menschen einen mögen, plus durchaus Bestätigung und bisschen Flirten. Klar muss der Selbstwert in einem selbst wieder wachsen oder aus einem selbst kommen. Aber ich mochte das, wie eine kleine Selbstwert-Starthilfe ins neue Leben. Und da ist Dein/unser Alter kein Thema.
Deswegen: Unabhängig davon, ob Du das Gefühl hast, "daten" zu wollen, tut es gut, Neues in sein Leben zu lassen.
Beziehung ... hm, ist für mich auch schwierig. Seit einem Jahr hab ich einen Partner, wir sind "exklusiv", aber so richtig Beziehung will ich nicht. Ich hab einfach auch ohne Partner ein schönes Leben, brauche z. B. auch viel Zeit allein. Und wirklich vertrauen, wie meinem Ex bis zur Trennung, das krieg ich vielleicht nicht mehr hin. Aber: so viel ist mit meinem Partner maximal besser als mit meinem Ex, und ich bin sehr, sehr froh, diese Erfahrung in meinem Leben machen zu dürfen

Zitat von Himmelssonne: Ich versuche zu akzeptieren, dass ich jetzt mein Leben alleine leben muss.
Für mich gab es einen ähnlichen Aha-Moment ein halbes Jahr nach der Trennung, war hier im Forum: Die Erkenntnis, dass ich nicht irgendwann aufwache und alles war ein böser Traum, sondern dass das jetzt mein Leben ist. Das bleibt. Für mich ging's mit dieser Erkenntnis aufwärts, ja: mit großen Schwankungen, viele Tiefs, viele Hochs. Aber aufwärts.
Vielleicht könnte Dein Satz für Dein zweites Halbjahr auch bisschen anders sein, so vielleicht:
Ich akzeptiere, dass mein Leben die Richtung ändert. Und ich wähle die Richtung, die ich gehen will.