Poldy7
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So, liebe Selbsthilfegruppe,
hier kommt ein kleines Update von mir.
Es sind ja nun schon zwei Wochenenden vergangen – aber ich hatte weder die Kraft noch die Zeit zu schreiben.
Wir lenken uns ab.
In den letzten Tagen waren wir auf mehreren Konzerten, und das hat wirklich gutgetan. Wir haben viel gelacht, viel geredet – und langsam wird es tatsächlich jeden Tag ein bisschen besser.
Auch die Phasen des Schimpfens und Grübelns über die Vergangenheit werden spürbar weniger.
Am Dienstag habe ich endlich meinen Termin beim Anwalt. Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden und alles mit der Rechtsschutzversicherung zu klären. Ich habe aber schon mit ihm telefoniert – das Gespräch war angenehm und hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Er wurde mir von meinem Neffen empfohlen, der seine Scheidung gerade hinter sich hat.
Zurzeit bin ich damit beschäftigt, alle Lastschriften auf mein neues Konto umzuleiten. Gar nicht so einfach: Jeder will etwas anderes.
Dem einen reicht eine E-Mail, der nächste verlangt ein Formular mit Unterschrift beider bisherigen Kontoinhaber.
Von unserem gemeinsamen Konto gehen noch immer Kosten ab, die eigentlich ihr zuzuordnen sind – ohne dass Einnahmen von ihr eingehen. Ich halte das alles in einer Tabelle fest (Tipp vom Anwalt).
Aber: Ich kämpfe mich durch. Schritt für Schritt.
Morgen treffe ich mich vor der Arbeit (Spätdienst) mit meinem besten Freund und erzähle ihm das Wichtigste. Das wird sicher nicht leicht, aber ich glaube, es wird mir guttun, endlich mal alles auszusprechen. Und falls er mir den Kopf abreißen will – er hat nur anderthalb Stunden Zeit dafür 😉
Neulich musste ich ihr einen Brief nachsenden. Ich habe ihr ein Foto des Briefes geschickt und nur gefragt: „Nachschicken?“ – darauf kam eine Antwort mit viel „Danke“ und sanftem säuseln.
Ich weiß nicht, ob das ein Versuch war, mich zu triggern, ob sie einfach nett sein wollte oder ob sie nur „schönes Wetter“ machen wollte.
Ich habe es nicht kommentiert. Dann habe ich noch ein Foto vom eingetüteten und frankierten Brief geschickt – wieder kam eine zuckersüße Antwort.
Darauf habe ich nur geschrieben, dass ein einfaches „Danke“ reicht.
Seitdem gab es nur noch einen weiteren Kontakt – und der war immerhin "normal".
Vor meiner letzten Therapiesitzung musste ich ein paar Tests ausfüllen. Bei der Auswertung kam heraus: BDI-II-Wert 29 – also einen Punkt in der schweren Depression.
Aber: Ich lasse den schwarzen Hund nicht gewinnen. 🐾
Es ist phasenweise schwer, ja – aber es geht auf und ab. Ich merke, dass sich ganz langsam etwas verändert.
Das alles bewegt mich sehr und kostet viel Kraft.
Aber immerhin: Ich weine weniger.
Was mir im Moment noch Sorgen macht: Mein Sohn ist ab Anfang November für sieben Wochen im Schulblock und kommt nur ein Wochenende zwischendurch nach Hause. Ich habe ein bisschen Angst davor, in dieser Zeit allein zu sein – vor allem in der dunklen Jahreszeit und an Weihnachten.
Ich habe sonst immer so gern die Wohnung weihnachtlich geschmückt – das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen. Aber tief in mir hoffe ich, dass das Gefühl irgendwann wiederkommt.
Bis dahin heißt es: Durchhalten bis zum 19. Dezember. Und nicht zusammenbrechen. 💪
Ich weiß, dass es noch ein Weg ist, aber ich spüre auch: Schritt für Schritt kommt ein kleines Stück Stärke zurück. 🌱