@81Ma
Ich glaube, das Schwierige an Deiner Geschichte ist, dass man von außen gar nicht so eindeutig sagen kann, wer hier wen „kaputt gemacht“ hat. Seine Eifersucht, das Kontrollieren Deines Online-Status und das ständige Misstrauen waren sicher nicht gesund. Aber Dein eigenes Verhalten war – so wie Du es selbst beschreibst und auch in Deinen weiteren Beispielen geschildert hast – ebenfalls nicht gerade positiv. Kälte, Rückzug und verletzende Worte hinterlassen beim anderen genauso ihre Spuren. Vermutlich habt Ihr Euch über längere Zeit gegenseitig immer weiter voneinander entfernt und verletzt.
Was seine jetzige Funkstille betrifft, sehe ich zumindest zwei Möglichkeiten: Vielleicht ist sie tatsächlich Selbstschutz. Vielleicht weiß er, dass jedes Gespräch ihn wieder zurückziehen würde und versucht deshalb, konsequent Abstand zu halten. Es kann aber genauso eine Machtdemonstration sein – gerade wenn Kontrolle und Eifersucht schon vorher ein Thema waren. Welche Variante stimmt, kann hier niemand wissen. Und vielleicht weißt Du es im Moment selbst nicht.
Ich werde ehrlich gesagt auch aus Dir noch nicht ganz schlau. Einerseits beschreibst Du, wie sehr Dich seine Eifersucht und sein Misstrauen belastet haben und dass Du Dich deshalb immer mehr verschlossen hast. Andererseits scheint sich jetzt, wo er weg ist, fast Dein gesamter Fokus wieder auf ihn zu richten: Ist er online? Warum antwortet er nicht? Wird er noch schreiben? Das ist verständlich nach sechs Jahren, aber genau diesen Kreislauf solltest Du versuchen zu durchbrechen.
Du hast ihm gesagt, dass Dir Deine Fehler leidtun, hast Deine Gefühle erklärt und angeboten, noch einmal ruhig miteinander zu reden. Mehr kannst Du im Moment eigentlich nicht tun. Jetzt liegt es an ihm, ob er dieses Gespräch möchte. Weitere Nachrichten werden eine Antwort vermutlich nicht wahrscheinlicher machen.
Und weil Du geschrieben hast, dass Du hier keine Familie hast: Versuch unabhängig von ihm, Dein eigenes soziales Umfeld aufzubauen. Online-Freundschaften entstehen oft am schnellsten und können gerade am Anfang helfen, auch wenn sie meiner Erfahrung nach häufig weniger intensiv bleiben. Vor allem würde ich aber versuchen, Menschen im echten Leben kennenzulernen. Der Alltag bietet dafür mehr Möglichkeiten, als man zunächst denkt – Arbeit, Nachbarschaft, gemeinsame Interessen, Veranstaltungen oder eben dieklassischen Verdächtigen wie Vereine, Sportgruppen, Kurse usw.
Vielleicht ist genau das jetzt wichtiger als die Frage, wann er wieder schreibt: einen Alltag aufzubauen, in dem sein Online-Status irgendwann nicht mehr darüber entscheidet, ob Dein Tag gut oder schlecht ist.
Und ja – dieses Bedürfnis nachzusehen wird normalerweise weniger. Aber meistens nicht dadurch, dass irgendwann die eine Nachricht kommt, auf die man die ganze Zeit wartet, sondern dadurch, dass das eigene Leben langsam wieder mehr Raum einnimmt.
so long, alles Gute!
