@pa2sg
Sei dir bitte darüber im Klaren, dass es in deiner Ehe und Familie ab jetzt keine „Normalität“ mehr gibt. Genau genommen schon seit dem Zeitpunkt, als eine andere Frau dir gegenüber Wertschätzung gezeigt hat. Affären und Neuverliebtheit entstehen nicht durch Küsse oder Sex, sondern durch die Offenbarung der gegenseitigen Wertschätzung. Genau in dem Moment machen sich schon die ersten Hormone auf den Weg und beeinflussen deine Wahrnehmung in deiner Beziehung zu Frau und Familie. Normalität war gestern. Ab jetzt ist Ausnahmezustand. Wenn dir das klar ist, geht es vor allem darum, dir mit Hilfe ehrlicher worst-case-Szenarien verschiedene Modelle zu durchdenken, wie die Zukunft aussehen könnte. Bereite dich immer auf das vor, was um schlimmsten und am schwierigsten ist.
- wo wirst du leben?
- wie sehen ganz konkret deine finanziellen Rahmenbedingungen aus?
- wieviel Geld wird für Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich aufzubringen sein?
- wie werden eure Freunde und eure Familien damit umgehen?
- gibt es berufliche Konsequenzen?
- und vor allem: Wie und wo werden eure Kinder leben? Was müsste getan werden, um sie so wenig wie möglich unter all dem leiden zu lassen?
Und wenn du zu dem Schluss kommst, das alles bewältigen zu können, dann lass deine Frau daran teilhaben, dass ab jetzt Normalität Vergangenheit ist. Sie hat einen Anspruch darauf, zu wissen, wie ernst die Lage ist.
Ich weiß, in dir schreit alles danach, den Grund für die Trennung ausschließlich im problematischen Verhalten deiner Frau zu sehen. Du möchtest ihr gern sagen, dass es so nicht mehr geht und dass du dann lieber allein leben möchtest. Du WIRST aber nicht allein leben, so wie ich die Lage einschätze. Und das weiß deine Frau, sie kennt die Konkurrentin und sie sieht sie genau als das, eine Konkurrentin, die ab jetzt die besseren Karten hat. Das wird also das Verhalten deiner Frau wesentlich mit bestimmen.
Ich kann schwer einschätzen, ob deine Frau angesichts der unvermeidlichen Trennung zu konstruktiven Gesprächen bereit ist. Du kannst es versuchen, indem du in dem entscheidenden Gespräch relativ oft das Wort „WIR“ verwendest, und zwar für dich und deine Frau. „Ich will so nicht mehr leben, was sollen wir jetzt tun?“ Du kannst sie also mit einbeziehen, wenn es darum geht, eine neue erträgliche Situation zu erschaffen, in der ihr beide ohne Anwaltskrieg zu einer Lösung kommt.
Wenn es wirklich so ist, wie du schilderst…
Zitat:>> dass sie mich und unsere Beziehung als gegeben ansieht, als etwas, das besteht und auf das sie einen Anspruch hat.<<
…dann wäre als erstes zu klären, dass das nicht das Fall ist. Dieses Modell gab es mal, es wurde aber von der Wirklichkeit in unserer heutigen Gesellschaft überholt. Sie hat einen Anspruch darauf:
- dass du sie ernst nimmst,
- dass du fair mit ihr umgehst und ihr keine Lügenmärchen erzählst
- dass du sie in alle Pläne bezüglich der Kinder mit einbeziehst
- dass du alle finanziellen Verpflichtungen erfüllst, die sich aus einer Trennung ergeben
…und vermutlich noch einiges mehr. Aber auf eine lebenslange Fortführung der Beziehung hat sie keinen Anspruch. Ebenso wenig wie du das hast. Es mag ihr schwer fallen, aber das muss sie zu verstehen lernen.
„Ich kann so nicht mehr, ich will so nicht mehr. Was machen wir jetzt?“ wäre also ein Einstieg. Offensichtlich kannst du ehrlich sagen, dass du keine Affäre führst, aber du kannst nicht ausschließen, dass du relativ bald wieder eine neue Partnerin hast, wer auch immer das sein mag. Die besagte Dame schließt es offensichtlich aus. Bis dahin ist alles wahr und kann so kommuniziert werden. Allerdings spricht sehr vieles dafür, dass sich das mit der besagten Dame noch mal ändert. Und das kann blitzschnell gehen.
Wichtig: Eine Verhaltensänderung deiner Frau zu erwarten, macht nur dann Sinn, wenn du auch wirklich ernsthaft daran interessiert bist, mit ihr im Kreis deiner Familie die zweite Lebenshälfte – oder zumindest einen großen Teil davon – zu verbringen. Auszuschließen ist das nicht, aber nur, wenn BEIDE das von Herzen wollen. Und das kann ich bei dir nicht erkennen. Und wenn du es eh nicht willst, dann solltest du das auch ehrlich sagen.