Ich wollte mich nochmal melden. Bin immernoch in der Klinik, aber Freitag will ich hier wieder raus. Langsam geht es mir auf den Magen tagein und tagaus Brot essen zu müssen
Ja, aber und zu lache ich mal wieder, bin langsam wieder beisammen und muss nicht mehr ständig unkontrolliert heulen. Allerdings habe ich mir bisher kaum erlaubt, an mein Sternenkind zu denken, weil ich von hier aus irgendwie meine Zukunft regeln muss und das ist leider erstmal wichtiger.
Mit meinem Freund, also Ex, gab es heute eine kurze Aussprache hier vor Ort und in Anwesenheit zweier Therapeuten. Es hat das als Bühne für all die Probleme in unserer Beziehung genutzt und hielt erstmal einen Monolog. Es ging ausschließlich um ihn, seine nicht beachteten Regeln, seine Bedürfnisse. Ich habe das alles schon vorher x-mal gehört, er benutzt sogar die immer gleichen Phrasen. Kein Wort von unserer einstigen Familienplanung, unserem Kind. Ich hab dann vorsichtig versucht, das Gespräch mal darauf zu lenken, weil das doch schon das zentrale Thema ist im Moment.
Er hat es einfach von sich geschoben, so unglaublich distanziert, dass ich erschrocken bin. Ich fühlte seinerseits keine Empathie für mich und meine Trauer. Ja, ein totes Kind ist leider tragisch, aber er könne den Blick jetzt nur in die Zukunft richten, was geschehen ist, ist geschehen, er würde sich von mir nicht runterziehen lassen, aber ich hätte ja genau das versucht. Er dreht es um und sagt, ich hätte IHN alleine gelassen.
Die Beziehung geht für ihn auf jeden Fall nicht weiter, dafür wäre ich jetzt einfach zu instabil.
Und wie gesagt, es saßen noch zwei Therapeuten mit ihm Raum...
Kurz nach dem Gespräch verbrachten wir noch etwas Zeit miteinander. Plötzlich weinte er, er wäre so einsam ohne mich daheim, ich fehle ihm und wäre ja so präsent in seinen Gedanken. Trotzdem wollte er schon wieder um die immer gleichen Dinge streiten. Ich hatte wirklich keine Lust mehr dazu.
Das war alles ganz schön schräg...
Ich maße mir mal an, seine
Bewältigungsstrategie nicht als die gesündeste zu bezeichen... aber wer bin ich, ihm das zu erklären?
Ich habe mir hier in die Klinik auch meine Gedanken gemacht und die Trennung innerlich bereits akzeptiert. Das war ein ziemlich harter Prozess. Daher hat mich das Gespräch auch nicht wirklich aus der Fassung gebracht, sondern eher bestärkt. Ich weiß, dass es nicht leicht wird, Gefühle sind nunmal vorhanden. Trotzdem kann mir diese Beziehung mir auf lange Sicht einfach nicht gut tun. Unsere Wege gehen gerade so weit auseinander, dass sie vermutlich nur mit sehr viel Zeit und Reflektion wieder zueinander finden würden.
Den geplanten Paar-Therapie Termin sah er übrigens nur als eine weitere Möglichkeit, mir meine Fehler aufzuzeigen.
Das wars also in Sachen Beziehung. Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass wir einigermaßen anständig miteinander auskommen werden, bis ich meine alte Wohnung wieder beziehen kann. Er will mich auch bestmöglichst unterstützen, damit alles organisatorische so einfach wie möglich bewältigt wird.
Solange ich artig kooperiere, versteht sich.