Zitat von Spoiler313:Ich weiß es selber nicht mehr... wird eine Mischung aus Naivität sein und habe ihr geglaubt, dass sie bisher Pech mit Männern hatte... und bin wohl zuviel mit rosaroter Brille durch die Gegend gelaufen 😅
Was mich an deiner Geschichte nach wie vor irritiert, ist nicht nur das ganze Chaos drumherum – sondern dein fast völliges Ausblenden deines eigenen Anteils an der Eskalation. Du hast eine Frau, die ein Kind verloren hat, die psychisch massiv instabil ist, gerade einen Kaiserschnitt hinter sich hat – und eine Woche später hast du Sex mit ihr. Und das schilderst du, als wäre das irgendwie normal oder menschlich nachvollziehbar. Als ginge es um Nähe oder Trost. Aber das war kein Moment für körperliche Intimität. Das war ein Moment, in dem Empathie, Distanz und Schutz gefragt gewesen wären. Und dass du selbst Vater bist, macht es eigentlich noch schwerer nachvollziehbar. Du müsstest wissen, wie zerbrechlich eine Frau nach so einem Erlebnis ist – körperlich wie seelisch. Trotzdem ist da kein Innehalten, kein Zweifel. Nur eine Beschreibung der Ereignisse in der Logik: „Es hat sich halt so ergeben.“
Und dann kam die Sache mit der Abtreibung. Du sagst, du hättest ihr das nicht abverlangt. Aber du warst dabei, du hast zugestimmt, du hast es mitgetragen – obwohl sie in einem Zustand war, in dem eine klare Entscheidung kaum möglich war. Wenn jemand gerade ein Baby verloren hat, sich selbst verletzt, von Suizid spricht und du dann gemeinsam über eine Abtreibung diskutierst, ist das keine vernünftige Entscheidungssituation – das ist ein Notstand. Und da hättest du Verantwortung übernehmen müssen: nicht zustimmen, sondern sagen „Das klären wir nicht jetzt. Erstmal musst du zur Ruhe kommen und gesund werden.“
Stattdessen liest sich deine Rolle im Nachhinein wie eine Mischung aus passivem Zuschauer und moralischem Beobachter, der sich wundert, wie das alles passieren konnte – und sich in der Rolle des „Helfers, dem alles zu viel wurde“ gut einrichtet. Du schreibst, du fühltest dich verpflichtet, du hattest einen Helferkomplex, du wolltest nur helfen – aber Hilfe ohne Grenzen ist keine Hilfe. Sie ist Selbstdarstellung oder emotionale Bedürftigkeit, auf Kosten anderer.
Was mich besonders stört: Du sprichst jetzt davon, dass du „verstanden hast“, dass sie dir einen Bären aufgebunden hat – und dass du „nicht mehr daran denken willst“. Aber so funktioniert Verantwortung nicht. Du warst nicht einfach ein naives Opfer einer schwierigen Frau. Du warst aktiver Teil dieser Dynamik – emotional, körperlich, moralisch.
Dass du jetzt sagst, sie habe deine Ex gefunden, ohne dass du sie ihr vorgestellt hast, ist technisch vielleicht korrekt – aber es geht hier nicht um Schuldzuweisung in Details. Es geht darum, dass du in einer völlig instabilen Situation Menschen emotional und strukturell verbunden hast, ohne dich um die Folgen zu kümmern.
Wenn du wirklich verstanden hättest, was da passiert ist, dann würdest du nicht so schnell zum 1Schlussstrich“ übergehen. Dann würde da mehr kommen als „Ich hab auch Fehler gemacht“. Dann käme sowas wie: „Ich habe meine Nähebedürftigkeit über ihre psychische Stabilität gestellt.“ Oder: „Ich habe mich mit moralischer Hilfsbereitschaft selbst entlastet, statt mich kritisch zu hinterfragen.“ Der Gedanke, das du in der Situation der psychisch und körperlich total angeschlagenen Frau gegenüber Sex als natürlich empfindest und gleichzeitig über Abtreibung sprichst, obwohl du weißt, dass sie gerade ein totes Kind zur Welt gebracht hat – das ist nichts, was sich mit „gut gemeint“ entschuldigen lässt.
Vielleicht hast du tatsächlich einfach emotional versagt. Vielleicht hast du dich völlig übernommen. Vielleicht warst du überfordert oder in einer Co-Abhängigkeitsstruktur gefangen. Oder du hast in all dem Chaos versucht, Nähe zu kontrollieren, indem du sie körperlich gesucht und in Entscheidungen gezogen hast, die gar keine Basis hatten. Oder du hast selbst eine Persönlichkeitsstörung, Histrioniker oder verdeckter Narzismus vielleicht. Was es auch war – du kannst nicht weiter davon sprechen, dass sie „dich getäuscht“ oder „dir geschadet“ hat, ohne zu reflektieren, wie sehr du selbst zu diesem Schaden beigetragen hast. Um nicht wieder in die gleiche Sch.. zu rennen.
Und dass du das alles nach wie vor in einem Ton erzählst, der dich als jemanden zeigt, der “eben sein Bestes versucht hat”, macht die Sache nicht besser – sondern schlimmer.