Vielen lieben Dank erstmal für eure Antworten. Ich bin heute schon ein bisschen sortierter als gestern. Zumal ich zur Eröffnung dieses Threads mit vielen Vorwürfen konfrontiert wurde. Möglicherweise auch zurecht, da ich nur aus der Emotion heraus geschrieben habe und viele Details beiseite gelassen habe.
Dennoch helfen mir gerade die kritischen Stimmen hier. Denn ich bin im Moment nicht in der Lage, rational zu handeln.
Ich will kurz erzählen, wie mein Tag war:
Nachdem ich hier ein paar Beiträge geschrieben habe, wollte ich raus, um einzukaufen. Mein Freund (ich kann noch nicht "Ex" schreiben - es geht einfach nicht) ist dann auch mal aus dem Bett gekommen und hat gefragt, ob er mitgehen kann. Eigentlich wollte ich wirklich die Ratschläge, die ich hier bekommen habe, beherzigen und erst mal Abstand zu ihm nehmen. Aber ich war schwach. Ich sagte, es ist ok, wenn er mitkommt. Wir sind dann noch spazieren gegangen. Er hat meine Hand gehalten, mich geküsst, mich mit Kosenamen angesprochen. Ich fühlte mich mies. Als ob ich mich selber anlüge - aber ich habe mitgemacht. Irgendwann habe ich es dann aber doch nicht mehr ausgehalten und ihm gesagt, dass ich nicht so tun kann, als wären wir nicht getrennt. Dass ich das nicht kann, so wie er und seine Ex es bewerkstelligt haben. So kann man nicht abschließen. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich mich wegen einer Wohnung im Internet umgesehen habe (was ich heute morgen wirklich gemacht habe) und sogar schon etwas brauchbares gefunden habe. Er war wie vor den Kopf gestoßen, ich habe gespürt, wie ihn das verletzt hat.
Er fragte mich dann, ob ich denn schon trotzdem noch Urlaub mit ihm machen möchte. Und da bin ich wieder eingeknickt. Wir haben vereinbart, dass wir in drei Wochen (wenn er frei hat) für 4 Tage in den Schwarzwald fahren. Verdammt, ich weiß, wie sich das anhört - völlig gaga.
Aber danach war die Stimmung wieder ok, ich habe ihm noch gesagt, dass er mir sehr viel bedeutet und er bitte nicht alles in sich rein fressen soll (dazu neigt er nämlich). Er spricht mit niemandem, betrinkt sich lieber. Habe ihm auch gesagt, dass ich, sobald ich wieder einigermaßen festen Boden unter den Füssen habe, ihn unterstützen werde, wenn er bezüglich seiner Unfruchtbarkeit reden will. Das ist ja schon ein heftiges Thema. Daraufhin nahm er mich in den Arm und hat sich ehrlich dafür bedankt, ich glaube, er war sogar gerührt.
Danach sind wir noch zusammen einkaufen gegangen und haben zusammen gegessen (das erste mal, dass ich seit Montag überhaupt was essen kann!). Dann wurde es wieder komisch. Als er aus dem Bad kam, um sich für die Arbeit fertig zu machen, hat er gesehen, dass ich im Internet surfe. Ich war auf einer Wohnungsseite. Zuerst hat er schon richtig gesehen, meinte dann aber, ich sei auf einer Seite um unseren Urlaub zu buchen. Und war erleichtert. Als ich ihn korrigiert habe und gesagt habe, dass ich mir Wohnungen ansehe, ist er traurig geworden. Er ist dann wieder schnell im Bad verschwunden. Als er wieder kam, war er total geknickt und hat versucht, das mit einem Spruch zu verdecken. Nach dem Motto "ein Indianer kennt keinen Schmerz". Aber der Schmerz war ihm ins Gesicht geschrieben. Jetzt ist er am arbeiten. Und ich sitze hier und habe Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung.
Wobei ich sagen muss, dass ich heute auch kurzfristig das Gefühl hatte, dass es eh so kommen musste. Solange nicht geklärt ist, wie es um meinen Kinderwunsch bestellt ist, wäre dieses Thema immer im Raum gestanden. Diese Erkenntnis hat mich ein kleines bisschen beruhigt. Es war nicht allein meine Schuld. Natürlich, das Ergebnis war und ist hart für ihn. Aber ich hatte und habe immer noch auch mit mir zu kämpfen. Und er tut mir wahnsinnig leid.
Ja, ich habe oft geweint und war verzweifelt, weil ich einfach nicht schwanger wurde. Aber das letzte was ich wollte war, dass er sich deswegen mies fühlt. Natürlich ist mir klar, dass er eben genau das tut. Aber ich konnte nicht raus aus meiner Verzweiflung. Ich muss so vieles klären. Für mich.
Danke fürs Lesen.