Hallo Rispinos,
ich hatte schon heute tagsüber gesehen, dass hier im Forum mal wieder ein Thread mit einer eventuellen Alk.problematik eröffnet wurde, wollte mich aber nicht nebenbei mal hier einlesen, sondern mir heute Abend nach Feierabend Zeit nehmen. Jetzt habe ich die vielen Seiten durch und so langsam erkennst du, dass du wieder an einen Mann mit Suchtproblematik geraten bist.
Ganz viele hilfreiche Beiträge habe ich hier gefunden, auch wenn du dich zu Anfang teilweise angegriffen gefühlt hast. Deine Frage: Wie erkenne ich einen Alk? Ich bin mit einem alk.abhängigen Vater aufgewachsen, später hatte auch mein Bruder alk.Probleme. Ich selbst bin mit Alk. extrem vorsichtig, weil es in der Familie meines Vaters noch mehr Verwandte mit Alk.problemen gibt, Großonkel, Onkel, Cousins. Also: Darauf achten, was ein potentieller Partner erzählt, gibt es viele Menschen im familiären Umfeld mit Suchtproblemen. Kann an der Genetik liegen und/oder tradierten Verhaltensmuster. Auch "nur" regelmäßiges tägliches Trinken kann über die Jahre und Jahrzehnte süchtig machen. Weder mein Papa noch mein Bruder haben das Rentenalter erreicht.
Worauf achte ich? Manchmal erwische ich mich nach vielen Jahren, in denen ich nicht mit Alk. zusammen lebe oder liiert war, dass ich doch gelegentlich wie oben beschrieben, unbewusst mitzähle, wieviel getrunken wird. Ich hab das immer noch im Blick, bei anderen und bei mir. Wichtig war mir, dass auch meine mittlerweile erwachsenen Kinder diesen familären Hintergrund kennen und nichts verschwiegen oder beschönigt wird. Es wird auch nicht verteufelt, weil auch mein Vater als ihr Opa und mein Bruder als ihr Onkel ihre guten Seiten hatten und sich ohne bzw. mit wenig Alk. ausgesprochen liebevoll um die beiden gekümmert haben.
Weitere Anhaltspunkte sind für mich: Gesichtsfarbe, Teint, rote Äderchen und Nasenpartie. Ich hatte mal ein Date mit einem trockenen Alk. Da hatte ich schon, bevor er es irgendwann erzählt hat, gesehen, dass seine schwitzige, unnatürliche weißlich, kalkige Hautfarbe für mich nicht koscher ist.
Körperliche Statur. Da gibt es meiner Erfahrung nach zwei Varianten. Diejenigen, die eher dicklich und aufgeschwemmt werden und dann diejenigen, die eher ziemlich dünn und ein bisschen ausgezehrt wirken. Viele Alk. verlieren mit der Zeit ihren Appetit.
Dann: Lutschen von Pefferminzpastillen, Fishermens Friend und so Kram ohne Ende. Überdeckt ein bisschen die Fahne, aber mir wird heute noch übel, wenn ich die Kombi aus Alk und Vivil rieche, war das Lieblingsbonbon meines Vaters.
Es gibt Spiegeltrinker. Nicht gut, wenn jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit immer eine Tankstelle angesteuert werden muss, oder irgendwas in einem Laden besorgt werden muss. Mich schüttelt es auch, wenn neben zwei, drei Kleinigkeiten auf dem Kassenband vor mir jemand dann noch eine Flasche billigsten Korn hinlegt, machen auch oft Frauen.
Ganz wichtig aber: Dein Ex hat dir erzählt, es gab bereits negative Rückmeldungen zu seinem Alk. aus dem Freundes-/Bekanntenkreis vermutlich. Also war er zu dem Zeitpunkt für andere Menschen bereits auffällig.
Am deutlichsten aber: Sein Verhalten wie er dich beschimpft und auf unflätigste Art und Weise beleidigt hat, auch in der Öffentlichkeit in seinem Zustand. Mit dem Handy aufgenommen hast du ihn da wahrscheinlich nicht.
Bestimmt habe ich jetzt noch irgendwas vergessen, Flachmann ist mir kürzlich aufgefallen. Bei der Auszählung der Stimmen zur Betriebsratswahlen war ich als Zuschauer dabei. Da hat unser Betriebsratsvorsitzender in einem Moment, in dem er sich unbeobachtet gefühlt hat, seinen Flachmann raus gezogen und einen kräftigen Schluck genommen. Außer mir hat es auch seine Frau gesehen, die bei mir in der Abteilung arbeitet. Ich hab nur ihren Blick gesehen, kurz nach oben zu ihrem Mann hin und wieder zurück, da wusste ich, er hat ein Problem. Ich dachte, es wäre seit seiner Heirat und eine gemeinsamen Kind besser geworden. Ist es wohl nicht.
"Schuld" am Trinken sind Alk. meiner Erfahrung nach nicht selbst. Es sind immer die anderen und um einen Grund zum Trinken zu haben, wird dann auch provoziert und Streit angefangen.
Bei mir ist es wohl die Lebenserfahrung und mein Zusammenleben mit Alk., die mich sensibilisiert haben und irgendwie dann eine Mischung aus den vielen Anzeichen, die es gibt. Niemals würde ich mit einem Mann zusammen sein können, der ein Alk.problem hat oder auch schon trockener Alk. ist. Da hätte ich viel zu viel Angst - ich würde und möchte das nicht mehr ertragen und/oder mittragen.
Du hast jetzt großen Kummer, aber eine Familie mit einem Alk. aufbauen zu wollen, ist wie Harakiri und ich war "nur" das Kind oder die Schwester. Auffangen musste am meisten meine Mutter, sie hat dafür sorgen müssen, dass alles läuft und wir alle da irgendwie durchkommen. Mein Bruder hat es nicht geschafft, er hat auch keine Hilfe angenommen, obwohl er um seine Problematik wusste.
Du hast jetzt großen Kummer, weil du dich in diesen Mann wirklich verliebt hattest und dir so sehr eine gemeinsame Zukunft mit ihm gewünscht hast. Auch wenn es sich lapidar liest, mit der Zeit wird es dir besser gehen. Es ist gut, dass du in Therapie bist und dort diese Trennung aufarbeiten kannst.
Deine Co-Abhängigkeit in den paar Monaten hatte sich ja schon so weit entwickelt, dass dein einziges Anliegen nicht mehr war, dich einfach umzudrehen und wegzugehen, sondern ihn schnellstmöglich nach Hause zu schaffen. Ihn kannst du nicht ändern, ihm kannst du nicht helfen. Aber deine Anteile, die musst du reflektieren und auch herausfinden, warum dich Männer mit Problemen anziehen und welche eigenen Defizite du damit füllst.