Zitat von paulaner:Ich behaupte sogar, dass es Menschen ohne Eifersucht schlichtweg nicht gibt.
Ich glaube, dass sie sehr selten sind, aber dass es sie gibt. Ich persönlich habe bisher nur einen kennen gelernt.
Es gibt aber sehr, sehr viele Menschen - und davon kenne ich einige, inklusive mir selbst - die für sich Wege entwickelt haben, mit Eifersucht konstruktiv umzugehen bis hin dazu sich weitgehend davon zu befreien. Man staunt, was da möglich ist, wenn das eigene Denken erstmal den Tellerrand (oder die Box) hinter sich gelassen hat.
Zitat von paulaner:Ich sehe es eher so, dass ihr monogame Beziehungen als ungesund und nicht funktionierend betrachtet
Mich würde interessieren, an welchen Aussagen du das festmachst. Mir sind derartige Tendenzen nicht aufgefallen. Es sei denn es fällt für dich schon darunter die reine Feststellung dass viele monogame Partnerschaften von Fremdgehen, Warmwechsel und gleichzeitiger Tabuisierung bestimmter Themen betroffen sind und dass dies als problematisch empfunden wird.
Umgekehrt lese ich dagegen ziemlich viel in der Richtung. Mir als damit Erfahrene z. B. wurde im Thread mehrere Male indirekt "bescheinigt", geringen Selbstwert zu haben, mir Exklusivität nicht wert zu sein, oberflächliche F-Plus anstelle von Partnerschaften geführt zu haben, Lügen und Betrügen gut zu finden, reine Theoretiker zu sein und noch so einiges mehr, was schlichtweg alles nicht stimmt. Auch wurde sich gerade auf den letzten Seiten gern mal ein wenig gemeinschaftlich lustig gemacht über nichtmonogame Beziehungen.
Das ist ja soweit erstmal nicht unüblich, dass man bekämpft was einem Angst macht, oder auch belächelt, was man nicht versteht. Dafür ist dieser Thread ja auch ursprünglich gedacht, wenn ich das richtig im Sinn habe, dass man sich mal mit neuen Ideen auseinandersetzen könnte.
Was mich daher wundert ist das hartnäckige Unverständnis zu Dingen, die nun bereits mehrfach und von verschiedenen Usern versucht wurden zu vermitteln. Es kommt leider nur selten ein "aha, so kann man sich das also vorstellen, dass es für andere funktioniert" und oft ein "kann ich mir für mich nicht vorstellen, also grober Unfug". Das finde ich schade und nachdem ich viele Beiträge gelesen (und geschrieben) habe in denen sich durchaus Mühe gegeben wurde, diese Dinge wertschätzend zu vermitteln, auch ein wenig frustrierend.
Bestes Beispiel der Versuch, folgende simple Aussage zu vermitteln: "Es
muss einem nicht zwingend was ausmachen, wenn man weiß dass der/die Partner/in auch mit anderen Se* hat. Und wenn man ihn/sie liebt,
kann man ihm/ihr das womöglich sogar mit Freude gönnen."
Eigentlich nicht schwer, diesen Sachverhalt so als potentiell möglich hinzunehmen, finde ich. Aber anscheinend schon, denn auch nach seitenlanger Diskussion wird das noch immer als völliges Desinteresse am Partner fehlinterpretiert und die dahinterliegende Beziehung kaputtgeredet:
Zitat von NurBen:ch mein, wenn es mich nicht mehr interessiert, was meine Freundin in ihrer Freizeit macht, wenn es mir egal ist ob sie mit anderen Männern schläft, wenn ich auch 6uell nicht mehr an meiner Freundin interessiert bin.... tut mir leid, aber für mich hat das nicht mehr viel mit einer Beziehung zu tun.
Ich sitz dann hier und denke... ok... was nicht sein darf, darf nicht sein, und es muss um jeden Preis so dargestellt werden, dass es auf gar keinen Fall funktionierende, glückliche Polybeziehungen geben kann.
Zitat von Hola15:Das ist ja auch ok wenn man das nicht versteht.
Muss ja auch nicht. Man sieht schließlich nur das was man kennt.
Mein Fazit: es bringt nix weiter zu diskutieren.
Vielleicht hast du Recht. Oder vielleicht liegt das daran, dass einige hier gedanklich in der Box fest zu hängen scheinen, die da heißt: einseitig gewollte Öffnung einer monogamen Beziehung. Sowas gibt es sicher, ist aber doch eher ein Zerrbild von Polyamory, dessen Grundgedanke ein Modell ist, welches alle Beteiligten freiwillig und bewusst für sich erwählt haben, oder bereit sind, sich dort hin zu entwicklen.
Sie möchten so l(i)eben. Von sich aus. Freiwillig. Gern. Unvorstellbar für die meisten, für manche aber eben schon.
Und diese manchen führen dann genauso gut oder schlecht wie die monogamen Menschen ihre Beziehungen auf Basis von Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt, Rücksichtnahme, Loyalität und was es sonst noch so gibt, bloß halt ohne se*uelle Treue.
Sie leben partnerschaftliche Werte mit dem Unterschied, dass sie diese Werte in der Partnerschaft nicht an die se*uelle Exklusivität gekoppelt haben. Das ist letztlich der Kern des Ganzen, und ich werde wohl nie verstehen, wieso es trotz allem immer noch gesellschaftsfähiger ist, heimlich fremdzugehen unter dem Deckmantel der Monogamie, als offen nichtmonogam zu sein.
Nun denn, fröhliche Weihnachten allerseits!