Zitat von Admaro: Bei dir und habe ich das Gefühl, da wird etwas passend gemacht, was nicht (mehr) passt und das auch noch mit abstrusen Methoden.
Ich denke, hier muss man einen Unterschied machen: Die Reaktionen direkt nach der Affäre und 4,5 Jahre danach sollten natürlich nicht mehr die selben sein. Das wäre dann wirklich abstrus, wenn ich jetzt noch regelmäßig Einblicke in die Kommunikation bekommen würde.
Sie hatte damals beim Paartherapeuten selbst genannt, was sie tun könnte und möchte. Das waren keine Forderungen von mir. Ich war dadurch beruhigt, denn es hätte mich durchaus beunruhigt, wenn sie es nicht angeboten hätte. Soviel Empathie darf man erwarten. Die Handys und PC waren ja auch davor immer offen gewesen.
Und dass es nötig war sieht man ja daran, dass sie sich über ihre Kommunikation mit dem Ex-AP nicht im Klaren war. Beispielsweise waren für sie die Smileys -im Vergleich zu den Affärentaten- nicht der Rede wert. Es fiel ihr einfach schwer, sich rigoros zu zeigen (auch weil Kollege und neue Arbeitsstelle und weil sie eher konfliktscheu ist und ihm gegenüber ebenfalls ein schlechtes Gewissen hatte). Dass sie dadurch dem Ex-AP, der gerne weiter gemacht hätte, wieder Erfolge und Hoffnung vermittelt wollte/konnte sie nicht sehen.
Der Witz is ja, dass manche wichtigen Dinge quasi von selbst aufploppten und ich gar nichts gefordert hatte, bzw. sie gar nicht wusste, dass sie den kompletten Chat auf der Festplatte hatte.
Und ich möchte Dir sagen, dass ich froh bin, dass ich es dadurch rechtzeitig erfahren habe und wir früh genug nachsteuern konnten.
Und deswegen: Die Ablösung nach einer Affäre kann in der Regel gar nicht schlagartig erfolgen und man wäre naiv, nicht mit Rückfällen zu rechnen. Ich habe damals jedoch auch so wie Du oder @häschen gedacht und rein rational darauf vertraut: „Sie hat die Affäre beendet und damit ist diese auch vorbei und die Gefühle sind weg“. Leider ist meine Erfahrung kein Einzelfall und deswegen warne ich inzwischen.
Ich bin ganz klar für einen Rettungsversuch (sofern beide es aus den richtigen Gründen wollen), doch die Mechanismen, die Menschlichkeit, die Reaktanz, die Hormone, die Gefühle für das Affärengefühl können ganz schnell den Rettungsversuch torpedieren.
Und wenn ich als Betrogener an der Ehe 2.0 arbeite und dennoch erneut belogen werde, dann möchte ich das wissen und zwar so schnell wie möglich. „Ich möchte keinen Druck machen“ signalisiert dem Anderen jedoch das Falsche nämlich Schwäche und noch schlimmer: Konsequenzlosigkeit. Und diese vermittelt dem Berügenden, dass er weitermachen kann. Das sind leider primitive Lernmechanismen, doch es geht hier ja auch um „primitive“ Bedürfnisberiedigung.
Bei @Moment liegt der Fall meines Erachtens anders: Die Beschreibung der Ehesituation ist völlig konträr zu der unsrigen und ich befürchte da noch mehrere Schwierigkeiten. Dennoch ist es spannend oder einfach bezeichnend, dass Du Dich von den ähnlichen Dingen getriggert wirst.
Mit meiner schmerzhaft gemachten Erfahrung kann ich Dir lediglich sagen: Es ist normal, dass Dein Mann noch den Wunsch nach dieser Art von Kommunikation hat. Es ist jedoch nicht OK (vor allem für Dich), wenn er diesem auch nachgibt.
Mich hat diese Ambivalenz nach der Affäre mehr Kraft gekostet als die Affäre selbst.
Wenn Ihr wirklich Beide (aus den richtigen Gründen) an einer „Ehe 2.0“ interessiert seid, dann sollte das aufhören, denn er kommt so nicht los und Du leidest.
Doch so wie es jetzt steht hat er „Best of both worlds“ und keinerlei Konsequenzen.