Ich hatte gestern Abend ein Gespräch mit meiner Frau.
Ich habe ihr gesagt, dass ich es zu weit habe kommen lassen mit der Zweitbeziehung, wie stark meine Gefühle für sie sind und wenn sie jetzt anrufen würde und mir sagen würde "Ich möchte wieder diese Zweitbeziehung mit dir führen", ich ins Wanken kommen würde. Ich habe mich bei ihr entschuldigt, dafür, dass sie meine Trauer überhaupt abbekommen hat. Als sie mich am Sonntag in den Arm genommen hat, habe ich ihre Wärme gespürt. Dann, als ich ihr erzählte wie es mir ging, hat sie immer weiter zugemacht und sich mir verschlossen. Das hatte ich gespürt und sie gestern auch bestätigt. Seitdem war es zwischen uns kühl.
Sie hat gesagt, dass sie schon vor anderthalb Jahren gemerkt hat, dass ich immer mehr von unserer Beziehung wegnehme und in die Zweitbeziehung investiere. Sie hätte eine Liste meiner Besuche dort geführt und irgendwann aufgehört, weil es für sie einfach nur frustrierend war zu sehen, wie ich ständig die Grenzen unserer Vereinbarung austeste. Von anfänglichem gelegentlichem Übernachtung kam es dann zu regelmäßigen Übernachtungen, von anfänglichem "kein Urlaub" kam es dann zu Wochenend-Trips - zwar immer dann, wenn meine Frau ebenfalls unterwegs war - aber das ändert ja kaum etwas. Ihr war auch die ganze Zeit klar, dass ich damit die Zweitbeziehung erhalten wollte und wichtig für mich war.
Ich habe ein Detail bisher nicht erwähnt und ich weiß, dass jetzt einige hier die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Wir haben unsere Beziehung vor drei Jahren geöffnet und es lief in den ersten Zeiträumen auch sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass mit dieser neue gewonnenen Freiheit, die man eventuell auch gemeinsam erforschen könnte, die Beziehung zu meiner Partnerin auf einem starken Fundament steht: Alles ist möglich. Wir haben uns erst danach verlobt und erst dieses Jahr geheiratet. Ich weiß wie schrecklich das klingt, aber ich habe meiner Frau gestern Abend gesagt, dass ich ohne die offene Beziehung wahrscheinlich nicht so weit gegangen wäre sie zu heiraten, weil mir der Gedanke den Rest meines Lebens auf diese Erfahrungen zu verzichten zu viel Angst macht.
Ich habe ihr auch von den Antworten von euch erzählt, davon dass mich einige als Super-Egoisten sehen, andere eher einen Versuch wahrnehmen ein gewisses Beziehungskonzept zu realisieren. Das letztere war sicherlich das von mir angestrebte - und das ist auch das Problem, dass es eben von mir ausging. Ich habe ihr gesagt, dass die Aussicht auf Haus und Kind mir Angst machen und ich das alles ihr zu liebe machen würde, selbst aber eine eher zurückhaltende Meinung dazu habe. Ich reiße mich nicht darum ein Kind groß zu ziehen, aber es ist auch nicht so, dass ich das vollkommen ablehne. Es ist in meiner Lebensplanung einfach nicht ganz oben auf der Liste - meine Liste ist an und für sich auch ziemlich leer. Ich bin nicht der Typ, der lange in die Zukunft plant. Sie hingegen will das unbedingt. Ich hatte darüber schon viele Gespräche mit Menschen an anderer Stelle und viele Väter haben mir gesagt, dass es OK ist, wenn man als Mann nicht die gleiche Motivation hat wie eine Frau ein Kind großzuziehen, immerhin sind es ja nicht die Männer, die das Kind bekommen. Ich habe daraus Mut geschöpft, dass "Kinder bekommen" bei mir nicht ganz oben auf der Liste stehen muss, damit das auch klappt. Schließlich sind wir seit 10 Jahren zusammen und haben schon ziemlich viele andere Schwierigkeiten bewältigt.
Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich möchte es richtig machen, ich möchte, dass meine Frau glücklich ist und wenn diese ganzen Dinge wie Haus und Kind sie glücklich machen, dann bin ich bereit dafür. Es gibt so viel gutes zwischen uns und auch, wenn dieses ganze Zweitbeziehungsthematik einen Schatten auf unsere Beziehung wirft, sehe ich in ihr immer noch einen Vertrauten, eine Freundin, eine starke Partnerin.
Zu der OB hat sie gesagt, dass sie grundsätzlich nichts dagegen hat, das sie damit fein wäre, solange meine Engagement der Ehe gegenüber nicht nachlässt. Und das hat es getan. Vermutlich geht einfach nicht beides, wenn das Dreieck nicht wirklich zusammenlebt, also im selben Haus.
Der Gedanke zu einer Eheberatung zu gehen steht jetzt im Raum. Ich hatte gehofft, dass dieses Gespräch mit ihr Transparenz und Klarheit schafft, aber das hat es nicht. Alle meine Entscheidungen sind in Frage gestellt.